Im Genre des Horrorfilms gibt es die merkwürdigsten Erscheinungen. Männer, die sich in Fliegen verwandeln. Haie, die sich in Tornados aufhalten oder aber Vögel, die unter der Regie von Alfred Hitchcock, dem Meister der Suspense, zur ultimativen Bedrohung werden, selbst wenn sie einfach nur in der Landschaft sitzen, starren und krächzen. Und dann wäre da das rote Gemüse, dass im 1978er Angriff der Killertomaten über die Menschheit kullert. 

Der Horror-Trashfilm von Regisseur John De Bello eröffnet mit der Bemerkung, dass Menschen tatsächlich Angst vor Vögeln entwickelt haben, nachdem Hitchcock sie dermaßen das Fürchten lehrte. Natürlich soll Angriff der Killertomaten keinem Vergleich mit Die Vögel standhalten. Vielmehr ist es der Sharknado seiner Zeit.

Der Film weiß, dass er eine Verarsche seiner selbst ist und nimmt sich zu keinem Zeitpunkt wirklich ernst. Und darin liegt der Trash-Spaß dieses Films, der seine Inspiration wiederum aus einem japanischen 60er Jahre Film namens Matango zieht, in dem sich Menschen in wandelnde Pilz-Ungetüme verwandeln.

Angriff der Killertomaten
Der Supermarkt ist kein sicherer Platz mehr seit die Tomaten angefangen haben Menschen zu ermorden.

In Angriff der Killertomaten geschehen diverse tödliche Übergriffe auf Menschen durch das rote Gemüse. Während Jim Richardson (George Wilson), der Pressesprecher des Weißen Hauses, die Bevölkerung davon zu überzeugen versucht, dass keine ernstzunehmende Gefahr von den Tomaten ausgeht, stellt der US Präsident ein Elite-Team zusammen, das die Bedrohung abwenden soll.

Angeführt wird dieses Team von Mason Dixon (David Miller), der über den Verkleidungskünstler Sam Smith (Gary Smith) befehligt, ebenso wie über den Sporttaucher Greg Colburn (Steve Cates), die Olympia-Schwimmerin Gretta Attenbaum (Benita Barton) und den Soldaten Wilbur Finletter (Stephen Peace), der immerzu einen Fallschirm hinter sich herzieht. Als geheime Informationen an eine Zeitung weitergegeben werden, wittert Reporterin Lois Fairchild (Sharon Taylor) die Story ihres Lebens.

Angriff der Killertomaten ist ein solcher Film, der die Reporterin Lois Fairchild auf die Straße schickt, wo sie einen Mann begegnet und ihn mit “Hi Clark” begrüßt. Die Lois und Clark-Superman Assoziation wird noch weiter getrieben, wenn der Mann das Bild wieder verlässt und ein “Up up and away” zu hören ist und Passanten erstaunt mit ihren Fingern in den Himmel aufzeigen.

Verkleidungskünstler Sam Smith ist mal als George Washington, dann als Abraham Lincoln oder Adolf Hitler zu sehen, immer mit dem kuriosen Beigeschmack dessen, dass es sich um einen Schwarzen handelt, der diese Rollen spielt. In einem Highlight-Moment des Films sitzt Smith undercover als Tomate verkleidet am Lagerfeuer, umrundet von Killertomaten. Während er seinen Burger verspeist, fragt er fatalerweise nach dem Ketchup. Und vorbei ist es mit der Tarnung. Trotz des stumpfen Humors ist “Will you please pass the ketchup” aus Angriff der Killertomaten in das popkulturelle Gedächtnis gewandert. Völlig zu Recht, handelt es sich doch um besten schwarzen Humor – no pun intended.

Während John De Bello für die Regie verantwortlich ist und auch am Drehbuch mitgewirkt hat, kommt die Originalidee von Costa Dillon, der gemeinsam mit Stephen Peace ebenso an dem Werk mitgeschrieben hat. Zu dritt haben sie allerhand skurriler Ideen verarbeitet. Man muss erst einmal darauf kommen, Tomaten als Killer darzustellen. Wie sie dort über den Boden kullern und in den Gesichtern ihrer Opfer pure Panik hervorrufen, als handele es sich um Menschen, die dem puren Fleischgenuss frönen und Angst vor der Rache des Gemüses haben.

Der Film orientiert sich nicht nur an Die Vögel. In einer kuriosen Szene treiben einige Tomaten im Meer umher und haben es auf Bikini tragende Frauen abgesehen. Die Kamera erzeugt ein Gefühl von Der weiße Hai und schon findet sich auch Steven Spielbergs Tier-Horror-Klassiker unter den gespooften Elementen von Angriff der Killertomaten wieder. Statt des monströsen Hais dürfen wir uns hier an schlichten Tomaten erfreuen, die im Wasser treiben und Schreie von leicht bekleideten Damen provozieren. Das ist Horror-Comedy Gold.

Angriff der Killertomaten
Teamleiter Mason Dixon (David Miller, rechts) und Fallschirmträger Wilbur Finletter (Stephen Peace, links).

Angriff der Killertomaten wurde wie ein Fanfilm gedreht. Natürlich sieht – um den Vergleich nochmals heranzuziehen – Sharknado um Welten besser aus. Vielleicht wird in den Hai-Tornado-Filmen sogar besser geschauspielert. Selbst die 1990 angelaufene Cartoon-Serie zu Angriff der Killertomaten (ja, soviel Kultpotential entwickelte der Film, der sogar noch drei Fortsetzungen bekam) wartet mit einem besseren Storytelling auf, als es hier der Fall ist. Aber das war auch nie das Vorhaben des Films.

Das Vorhaben war es, einen unfassbar trashigen B-Movie zu inszenieren, in dem kleine rote Tomaten durch die Landschaft kullern und es irgendwie schaffen, die Menschheit in Angst und Schrecken zu versetzen. Zugegeben, hier und da gibt es auch größere Tomaten, die geradezu monströs über ihre Opfer herfallen. Im Radio hört man gar von Berichten, dass Tomaten sexuelle Übergriffe an Menschen vornehmen. Wie genau das vonstatten gehen soll, überlässt der Film unserer Fantasie.

Mit seiner Limitierung auf Tomaten als Meuchelmörder dürfte auch klar sein, dass es keine exzessive Gewalt gibt. Diese Tomaten verfügen nicht über die psychische Fähigkeit, Menschenköpfe einfach platzen zu lassen, wie es ein durch die Welt rollender Autoreifen in Regisseur Quentin Dupleux’ 2010er Rubber getan hat (ein weiterer sonderbarer Film).

Die Tomaten kullern einfach nur daher und verbreiten puren Horror. Bei uns derweil breitet sich ein Gefühl von Spaß aus – vielleicht auch Spaß, bei dem wir im Angesicht des hohen Trashfaktors rot werden wie eine Tomate.