Horror

Zombie Horror #2 | 28 DAYS LATER… (2002) von Danny Boyle

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Danny Boyle kann uns als Filmemacher allein durch seine Bildwelten in ungeheuer atmosphärische Szenarien ziehen. Wir sind durch seine Augen gemeinsam mit Darsteller Dev Patel in den Slums von Mumbai (Slumdog Millionaire), stecken mit James Franco in einer Felsspalte irgendwo in Utah fest (127 Hours) oder erleben mit Leonardo DiCaprio eine unschöne Strand-Episode in Thailand (The Beach). In 28 Days Later… setzt Danny Boyle Manchester in Brand. Eine Stadt steht in Flammen, während sich die Protagonisten in dieser Zombie Endzeit-Apokalypse auf einer leer gefegten Autobahn auf die Großstadt zu bewegen.

28 Days Later… beginnt mit infizierten Affen, die von über-ambitionierten Tierrechtlern frei gekämpft werden, obwohl ein Wissenschaftler sie davor warnt. Danny Boyle geht den Braindead-Weg. Die Affen fallen natürlich über die Menschen her. Ein frühes Blutbad, bei dem die Angefallenen nur wenige Sekunden später zu den Zombies mutieren, die nur 28 Tage später für diese leere auf den Autobahnen, für Angst, Paranoia und den Zerfall der britischen Gesellschaft verantwortlich sind.

Wir folgen Jim (Cillian Murphy), einem Fahrradkurier, der – natürlich – in einem Krankenhaus aufwacht und sich erst einmal über die ausgestorbene Stimmung in den Fluren und auf den Straßen wundert. In einer Kirche stößt er auf ein menschliches Massengrab und auf einen Priester, der ihn aufzufressen droht. Auf einmal wird Jim von Infizierten verfolgt und nur durch die Rettung zweier Überlebender (Noah Huntley und Naomie Harris) gelingt es ihm, seinen eigenen Willen und Verstand zu behalten.  

28 Days Later

Das es in England ständig regnet, damit müssen sich auch die Zombies abfinden.

Ihm wird erklärt, dass sich der Virus über Blut und Spucke überträgt und nur zwischen zehn und 20 Sekunden braucht, um den Infizierten zu einem willenlosen Zombie zu machen. Gemeinsam mit zwei weiteren Überlebenden (Brendan Gleeson und Megan Burns), einem Vater/Tochter-Gespann, dass sie im Londoner Balfron Tower aufgreifen, machen sie sich auf den Weg in das besagte Manchester, von wo ein Militär-Funkspruch die Lösung für die sich ausbreitende Infektion verspricht.

Aber wie schon einst bei George A. Romero haben Soldaten einfach keinen guten Ruf in Zombie-Filmen. Die unter dem ehemaligen Doctor Who-Darsteller Christopher Eccleston agierende Militär-Einheit ist mehr auf ihren eigenen Spaß und ihr Überleben aus, als dass sie sich um ihre Mitmenschen kümmern würden. Eine rein männlich-militärische Truppe hat es natürlich auf die Frauen abgesehen, halten sich ganz nebenbei ihren ganz eigenen Zombie an der Leine und nehmen die Bedrohung von außerhalb ihrer Blockade alles andere als ernst.

Wer ist hier eigentlich die schlimmere Existenz? Die infizierten Zombies, die nur ihren Instinkten folgen oder die Soldaten, die mit vollem Bewusstsein ihren schäbigen Vorstellungen von Moral (oder Nicht-Moral) nachgehen? Eine Frage die sowohl George A. Romero als auch Danny Boyle in ihren Zombie-Filmen mit aller Deutlichkeit beantworten.

28 Days Later

Naomie Harris, Cillian Murphy, Megan Burns und Brendan Gleeson (v. l. n. r.)

In 28 Days Later… geschieht das durch ein unglaublich cooles Finale, bei dem reichlich viel Blut ins Spiel kommt, als auch die Musik von Komponist John Murphy, der uns mitreißt und zum mitfiebern bringt, uns durch seine Musik zur Gänsehaut treibt, so dass wir – komme was wolle – nicht wegschauen können vor lauter Bild- und Ton-Intensität.

Durch das Zusammenspiel von Boyle und Murphy gelingt es in 28 Days Later… eine unfassbar dichte Horror-Panik-Atmosphäre zu entfesseln. Es wird ein Maximum an Spannung aus der Geschichte gepresst, die oftmals – minus dem Finale – ohne große Mainstream-Momente auskommt. Der britische Indie-Zombie-Horror besticht vielmehr durch seine leere Welt, wo alles still und tot, abgeschottet von der großen Welt erscheint.

Danny Boyle lässt hier niemals das Gefühl aufkommen, dass es wirklich eine Lösung für das Problem gibt, was seinen Film ein Feeling verleiht, dass die pure Düsternis widerspiegelt. Und durch den geringen Produktionsaufwand schafft es 28 Days Later… so real zu wirken, als haben wir es mit einer ungemütlich-zerstörerischen Variante der Vogel- oder Schweinegrippe zu tun. Purer Horror.

1 Comment

  1. […] mit Leonardo DiCaprio verfilmte. Für Garland folgten Arbeiten als Drehbuchautor für Filme wie 28 Days Later (Danny Boyle hat ihn quasi in die Filmwelt hinüber geholt), Sunshine, Alles, was wir geben mussten […]

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