Filmkritik

“Hercules” von Brett Ratner

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Dwayne Johnson versucht der Legende gerecht zu werden. Er ist Hercules in Brett Rattners Version der Erzählung

Dwayne Johnson versucht der Legende gerecht zu werden. Er ist Hercules in Brett Rattners Version der Erzählung

In einer Zeit der Post-Avengers Comicverfilmungen kommt nicht einmal mehr der griechische Halbgott Hercules ohne ein ihm zur Seite gestelltes Team aus, das durch ihre unterschiedlichen Fähigkeiten den eigentlichen Helden unterstützen. Einer alleine ist nicht mehr Action- oder Superheld genug, die Gemeinschaft macht das Gute stark – oder zieht durch unterschiedliche Präferenzen ein möglich abwechslungsreiches Publikum in die Kinos. Dementsprechend hat Rush Hour-Regisseur Brett Ratner seinen Hauptdarsteller Dwayne Johnson mit allerlei Figuren umzingelt, die seiner Hercules-Mythos Verfilmung zumindest zu einer illustren Dynamik und manch unterhaltsamen Dialogen verhelfen.

Damit wandelt Johnson hier nun erneut in den Fußstapfen Arnold Schwarzeneggers, der bereits Ende der 60er Jahre als Hercules in New York sein Unwesen trieb. Berechtigt war also das filmische Aufeinandertreffen vor mehr als einem Jahrzehnt, als Johnson und Schwarzenegger in Welcome to the Jungle zur Action-Ikonen Übergabe per Handschlag den Staffelstab wechselten. Dwayne Johnson erscheint dabei jetzt nicht nur weniger Lachhaft als Schwarzenegger noch zu Beginn seiner Karriere, sondern hat auch im Direktvergleich mit dem erst kürzlich gelaufenen The Legend of Hercules die Nase vorn, in der Ex-Twilight-jetzt-Expendables-Darsteller Kellan Lutz nichts zum Mythos beizusteuern hatte.

Ian McShane als Wahrsager Amphiaraus

Ian McShane als Wahrsager Amphiaraus

Regisseur Ratner arbeitete frei nach der Graphic Novel Hercules: The Thracian Wars von Autor Steve Moore und Zeichner Cris Bolsin. Er nimmt dabei den Mythos um die Legenden des griechischen Halbgotts auseinander, entlarvt sie als bloße Erzählungen zu einer Zeit, in der die Menschen Mut benötigen, während ein Söldner wie Hercules seinen guten Ruf und die Legenden dazu einsetzt, seinen eigenen Marktwert zu steigern. Damit freundet sich dieser Hercules mit anderen prominenten Comicverfilmungen an, die nach den Terroranschlägen des 11. Septembers den Protagonisten oftmals als recht menschlichen Alltagshelden darstellen.

In den ihm auferlegten Aufgaben, deren Bestehen der Legende nach den Zorn der Göttermutter Hera besänftigen sollten, nachdem ihr Ehemann Zeus mit einer sterblichen Frau den Bastard Hercules zeugte, lernt dieser nun gute Freunde und Weggefährten kennen, die ihn überall hin und in jedes noch so ausweglose Abenteuer folgen: der Wahrsager Amphiaraus (Ian McShane), den Freund aus Kindheitstagen Autolycus (Rufus Sewell), den stummen Tydeus (Aksel Hennie), die Amazone Atalanta (Ingrid Bolso Berdal) sowie den Geschichtenerzähler Iolaus (Reece Ritchie), der für einen großen Teil der uns bekannten Legenden zur Verantwortung zu ziehen ist. Gemeinsam stellen sie ihre Fähigkeiten dem gut bezahlenden König Cotys (John Hurt) zur Verfügung, der die Dörfer in seinem Herrschaftsbereich von dem Zentaur Rhesus niedergebrannt und die Menschen abgeschlachtet sieht. Doch ebenso wie die Legenden um Hercules nichts weiter als Geschichten sind, scheint der König den Söldnern Märchen aufzutischen, die nur seinen eigene Gunst befriedigen sollen.

Hercules ein Freund seit Kindheitstagen: Rufus Sewell als Autolycus

Hercules ein Freund seit Kindheitstagen: Rufus Sewell als Autolycus

Hier findet sich dann auch die Seele des Films wieder. Ein Wahrsager, ein Geschichtenerzähler, ein Mythos und reichlich aufgetischte Lügengeschichten stellen die Begriffe der Legende und des Mythos auf eine Zerreißprobe. Schade nur, dass sich das Millennium Films Studio bereits vor dieser Verfilmung den Titel The Legend of Hercules sichern konnte, nichts wäre für diesen Film treffender gewesen. So jedoch muss man sich mit dem schlichten Namen des vermeintlichen Halbgotts begnügen. Dabei sehen wir doch hier, dass die legendäre siebenköpfige Hydra eigentlich nur ein Sack voll abgeschlagener Menschenköpfe war, die Konfrontation mit dem dreiköpfigen Höllenhund Cerberus lediglich die Begegnung mit drei Wölfen widerspiegelt und ein Schlag des Hercules einen Mann sofort zur Strecke bringt, da eine Speerspitze in der Faust verborgen liegt. Alles keine Gotteskunst, sondern nur geschickte Spielereien, um einen bereits losgetretenen Mythos aufrecht zu erhalten.

So interessant diese Idee auch ist, so uninteressant ist die Story, die versucht wird zu erzählen. Hier wird Hercules zum bloßen Ausbilder einer Bauernarmee, die sich gegen ein Soldatenheer auflehnen soll. Das ist dann eher langweilig und vorhersehbar – und auch der Regisseur selbst scheint kein großes Interesse an diesem Strang gehabt zu haben, den er größtenteils in zusammen gebastelten Montagen abhandelt.

Es scheint also immer noch die richtige Idee zu fehlen, um den griechischen Halbgott ein angemessenes Filmdenkmal zu setzen. Der Fan muss weiter in romantischen Erinnerungen an die trashige Fernsehserie mit Kevin Sorbo in der Hauptrolle zurück denken, während die wirklich guten Geschichten im stillstehenden Comicbild erzählt werden. Immerhin bekommen wir von Brett Ratner einen Hercules geliefert, der eigentlich gar nichts mehr mit all den mythischen Vorlagen zu tun hat und somit auch als eigenständige Figur gesehen werden kann. Und dafür funktioniert Dwayne Johnson dann eigentlich doch wieder ganz gut.

1 Comment

  1. Vielen lieben Dank an Bettina Fraschke, die einen unachtsamen Dreher in einer früheren Version des Artikels gefunden hat. Natürlich waren die Terroranschläge in New York nicht am 9. November (9.11.), sondern am 11. September (11.9.). Inzwischen wurde dieser Fehler behoben.

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