Filmkritik

“Schutzengel” von Til Schweiger

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© Warner Bros. Pictures Germany / Til Schweiger als Ex-KSK-Soldat Max Fischer in “Schutzengel”

„Schutzengel“ aus dem Produktionshause „barefoot films“ kommt mit typischer Thematik daher. Geht es doch in diesen Produktionen meistens um Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Familie. Eigentlich am meistens um Familie, denn Til Schweiger nutzt seine Filme vor allem auch, um seine Kinder im Filmbusiness und vor der Kamera zu etablieren. 2007 in “Keinohrhasen” waren alle seine vier Kinder zu sehen. 2011 in “Kokowääh” machte er seine jüngste Tochter Emma zur Hauptdarstellerin neben sich selbst, und nun in “Schutzengel” ist es seine Älteste, Luna, die an seiner Seite im Fokus der Handlung steht. Obwohl vorab reichlich Publicity um den Soldaten-Bezug im Film gemacht wurde und in Special Trailern gezeigt wird, wie Til Schweiger nach Afghanistan zu deutschen Soldaten fährt um ihnen seinen Film zu zeigen und die Soldaten dann natürlich berührt und begeistert von diesem Film sind, findet die Kriegs- und Soldatenthematik eher am Rande des Films statt.

Til Schweiger spielt Max Fischer, einen ehemaligen KSK-Soldaten, der nun im Dienste des Zeugenschutzprogrammes auf gefährdete Personen Acht gibt. So eine gefährdete Person ist auch Nina, gespielt von Luna Schweiger. Nina wurde Zeugin des Mordes an ihrem Freund, bei einer unbedachten Schnüffel-Aktion in einem Hotelzimmer. Dieses Hoztelzimmer gehörte unglücklicherweise dem Waffenhändler Backer (Heiner Lauterbach), der die einzige Zeugin seines Vebrechens nun mundtot sehen möchte. Doch Max nimmt sich Nina an und stellt sich nicht nur gegen die Handlanger des hartnäckigen Backer, sondern auch gegen seine eigenen Vorgesetzten um Nina zu schützen. Dabei entwickeln Max und Nina eine vertraute Beziehung, denn beide haben in ihrem Leben schon so einiges mitgemacht.

Heiner Lauterbach als Waffenhändler Thomas Backer

Was genau die beiden alles erlebt haben, erfährt man als Zuschauer nur durch Dialoge. Sowohl die Soldaten-Vergangenheit von Max, als auch die Waisen- und Straßenkind-Vergangenheit von Nina werden lediglich in emotionslosen Frage-Antwort-Dialogen aufgearbeitet. Dabei lässt sich schwer sagen, was hier als nerviger empfunden werden darf: die einsilbigen Fragen, die das Kind im Verlaufe des Films jeder Figur minutenlang zu wirft und die maximal einen Satz langen Antworten darauf oder der Wechsel der Kamera dabei, denn die folgt konsequent dem Gesprächsverlauf – das heißt man sieht für fünf Sekunden die Gesichtstotale des Fragestellers und dann wieder für fünf Sekunden die Gesichtstotale des Antwortenden und immer so weiter. Diese hoch frequentierte Nervigkeit verhindert völlig, dass man dem Inhalt der Gespräche überhaupt folgen kann. Und so erfährt man dann kaum etwas über Max’ Vergangenheit als Soldat, eben bis auf den Fakt, dass er mal Soldat war.

Einziger Lichtblick in dieser verbalen Geschichtsaufarbeitung ist Max’ Freund Rudi (Moritz Bleibtreu), ein Kriegsveteran, der etwas abgeschieden und im Rollstuhl sein Leben meistert. Oft erinnert die Interaktion zwischen Rudi und Max an ähnliche Geschehnisse in „Was tun, wenn’s brennt?“ (2001), in dem ebenfalls ein Til Schweiger mit seinem an den Rollstuhl gebunden Freund, sich gegen die Widrigkeiten der Bösewichte stellt. Hier mehr als damals ist es die Figur des körperlich Eingeschränkten, der als einziger ansatzweise Anflüge von Empathie und Emotion beim Zuschauer aufkommen lässt. Dies mag zu gleichen Teilen an dem tragischen Schicksal der Figur, wie auch an der schauspielerischen Leistung von Moritz Bleibtreu liegen. Til Schweiger hingegen bleibt gewohnt wortkarg und nuschelig und seine Tochter scheint da in seine Fußstapfen treten zu wollen. Als weiteres Vorbild hat sie sich offenbar Kristen Stewart genommen, denn wenn Nina gerade nicht ihr langweiliges Wahrheit-oder-Pflicht-Spiel, nur ohne Pflicht, spielt, dann schaut sie ganz im Stile der Twilight-Dame aus, mit leicht geöffneten schmollenden Lippen und unschuldigen Hasenzähnen.

Moritz Bleibtreu als treuer Weggefährte Rudi

Hier stellt sich abermals Verwirrung ein, denn Nina soll eigentlich eine 15-jährige spielen. Der Gesichtsausdruck, eigentlich einen Hauch von naiver Laszivität versprühend, macht sie gegenüber Max zur Lolita. Ihr fast kindliches Auftreten und Schutzbedürfnis jedoch, macht sie zum unschuldigen Kind. Wüsste man nicht, dass Max und Nina im echten Leben Vater und Tochter sind, müsste man sich mehr als einmal während des Films fragen: „Was für eine Beziehung haben die beiden eigentlich?“ Das wird nicht ganz klar und vielleicht hätte Til Schweiger hier besser eine jüngere Tochter oder eine ältere Schauspielerin eingesetzt um diese Undeutlichkeit zu umgehen.

Leider bleibt “Schutzengel” auch musikalisch hinter anderen barefoot-Filmen zurück. Wo man sonst einen liebevoll komponierten Soundtrack findet, sind es hier Charts-artige Popsongs die durch den Film begleiten und immer etwas unpassend wirken. Um das ungute Gefühl, dass man nach diesem Film hat, noch zu verstärken, liest man dann im Abspann eine Widmung an die Soldaten in Afghanistan. Damit fühlt man sich vollends hinters Licht einer schlecht gemachten Bundeswehr-Werbung geführt. Til Schweiger sollte besser in sein eigentliches Metier zurückkehren, denn in niedlichen Liebeskomödien richtet er am wenigsten Schaden an. Und statt seine Kinder in anderen Filmgenres herum toben zu lassen, sollte er das Geld besser in Sprechunterricht für sich und Schauspielunterricht für die Kleinen investieren.

Sarah Peters

“Schutzengel“

Originaltitel: Schutzengel
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: D, 2012
Länge: ca. 133 Minuten
Regie: Til Schweiger
Darsteller: Til Schweiger, Luna Schweiger, Moritz Bleibtreu, Heiner Lauterbach, Rainer Bock, Hannah Herzsprung, Herbert Knaup, Oliver Korittke, Karoline Schuch, Axel Stein

Deutschlandstart: 27. September 2012
Offizielle Homepage: schutzengel-derfilm.de

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