Filmkritik

“Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück” von Peter Chelsom

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Hector (Simon Pegg, rechts) entdeckt Shanghai gemeinsam mit dem Geschäftsmann Edward (Stellan Skarsgard, links) in "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück"

Hector (Simon Pegg, rechts) entdeckt Shanghai gemeinsam mit dem Geschäftsmann Edward (Stellan Skarsgard, links) in “Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück”

Noch in 2011 war Simon Pegg Thompson in der Spielberg’schen Verfilmung der französischen Tim & Struppi Comicbücher, in diesem Fall unter dem Titel Das Geheimnis der Einhorn gelaufen. Vom Stimmakrobaten im animierten Umfeld darf er nun in einer auf weniger Cartoonbilder basierenden Literaturverfilmung selbst zum Tim-Stereotyp werden, der quer über die Erde reist und Abenteuer erlebt. Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück, so hieß François Lelords Roman aus dem Jahre 2004, so heißt nun der dazugehörige Film, in dem Pegg in China, Afrika und Los Angeles nach der allgemein gültigen Antwort sucht, was denn nun eigentlich das Glück eines Menschen ausmacht.

Auf seiner Reise trifft er auf viele Menschen, die ihm bei der Frage nicht unbedingt helfen, sondern ihm ihre eigene Fassung der Glücksdefinition darlegen, manchmal auch eher durch das Aufzeigen des Unglücks, das Gegenteil zum gesuchten Gefühl vorleben. In China sind es die Allmacht von Geld und Sex, die sich ihm entgegen stellen, in Afrika Armut und Kriminalität. Es sind recht harte Bandagen mit denen der Film von Regisseur Peter Chelsom daherkommt. Zwar möchte man Simon Pegg immer wieder ausbrechen sehen, den ulkigen britischen Comedian erleben, aber mehr als ein wenig trottelig ist hier nicht drin.

Als Psychiater hat Hector nicht unbedingt ein glückliches Leben

Als Psychiater hat Hector nicht unbedingt ein glückliches Leben

Man könnte den Vergleich mit Ben Stiller ziehen, der Anfang des Jahres Das erstaunliche Leben des Walter Mitty lebte. Auch er befreite sich aus seiner Tristesse um auf eine Art Sinnsuche zu gehen. Beide Männer, sowohl Walter Mitty als jetzt auch Hector reisen dafür in fremde Länder, lassen sich von anderen Kulturen beeinflussen und Wege des Denkens zeigen, die in ihrem Alltag schon lange verloren gegangen sind. Walter Mitty hielt eine anrührende Emotionalität aufrecht, die bei Hectors Reise leider lange Zeit fehlt.

Erst sehr spät im Film lernt man mit Hector mitzufühlen. Bis zu diesem Punkt wirkt alles tatsächlich wie aus der Sicht eines Analytikers erforscht. Ohne zu Weinen, zu Lachen oder zum Denken angeregt zu werden, manövriert sich Simon Pegg etwa eineinhalb Stunden durch Belanglosigkeiten. Erst mit Aufkommen der Emotionen, wenn der Film dann endlich zu schließen versucht, springt auch ein Funke auf den Zuschauer über. Leider geschieht das etwas zu spät um dem ganzen Film eine schöne Note zu verleihen.

In Afrika bekommt Hector Probleme mit dem Drogenbaron Diego (Jean Reno)

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So wartet man aus der Distanz mit Rosamunde Pike, die Hectors Freundin Clara spielt und Zuhause bleiben musste. An einigen wenigen Punkten seiner Reise darf sie via Skype an seinem Leben Anteil nehmen. Das reicht nicht aus um die Liebe aufrecht zu erhalten. Sie kühlt ab und erwärmt sich eben auch dann erst wieder, wenn der Film in sich beginnt den Emotionen freien Lauf zu lassen.

Es liegt keineswegs an Simon Pegg, der den Film wunderbar begleitet. Es ist diese Entfremdung zwischen Zuschauer und Protagonist, nicht zu wissen was der Mann dort auf der Leinwand eigentlich durchleidet, was uns von ihm fern hält.

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück
120 Minuten, freigegeben ab 12 Jahren, Kinostart: 14. August 2014
im Netz: Offizielle Homepage zum Film
alle Bilder © Wild Bunch/Central

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