Filmkritik

“Hangover Part III” von Todd Phillips

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© Warner Bros. Pictures Germany / Ed Helms, Bradley Cooper und Zach Galifianakis in "Hangover Part III".

© Warner Bros. Pictures Germany / Ed Helms, Bradley Cooper und Zach Galifianakis in “Hangover Part III”.

Die Party war wohl wieder recht monströs. Da klebt ein Motorrad mitten in der Wand, als sei jemand über eine Sprungschanze in Richtung Minibar gesprungen, nur um das Vehikel dort im Gemäuer zu versenken. Ein Säbel steckt in einem Gemälde, von Doug ist wieder einmal keine Spur. Dafür liegt Alan mit frisch angetrauter Ehefrau auf einer Matratze am Boden. Phil plagen Kopfschmerzen, Stu kommt aus dem Bad, oben ohne, mit zwei Brüsten bestückt. Das kleine Kapuzineräffchen, aus dem vorherigen Teil bekannt, fällt von der Decke, dann steht auch schon Mr. Chow splitterfasernackt im Raum. Das Szenario erscheint bekannt, ähnlich erging es den vier Helden der Hangover-Reihe in den ersten beiden Filmen von Regisseur Todd Phillips. In „Hangover III“ ist aber alles ein bisschen anders. So bekommt man dieses Partychaos nicht als Einstieg präsentiert, sondern erst während des Abspanns. Viel zu spät also, um dem Filmtitel überhaupt noch gerecht zu werden. Aber das ist noch nicht das größte Problem des selbsternannten epischen Finales des Wolfsrudels.

Denn zuallererst ist aus dem Wolfsrudel eigentlich eine One Man Show geworden. So wie es vielen Serienformaten im Fernsehen ergeht, ist auch die Geschichte in diesem Teil der Hangover-Saga nur noch um die Person aufgebaut, die das größte Klamauk-Potential besitzt. Darunter haben schon Serien wie „The Big Bang Theorie“ und „How I Met Your Mother“ zu leiden, in denen die ursprünglichen Ensembles auf einzelne Figuren reduziert werden (Ober-Nerd Sheldon Cooper oder Womanizer Barney Stinson), die auf der Beliebtheitsskala des Publikums am vermeintlich höchsten stehen. Bei „Hangover III“ ist das Alan, der von Zach Galifianakis zwar herrlich verrückt und debil gespielte Sidekick der ersten beiden Teile, der sich nun in den Mittelpunkt drängt und dafür Bradley Cooper und Ed Helms zu unwichtigen und unwitzigen Randfiguren degradiert. Das hat dann nichts mehr mit falscher Erwartungshaltung zu tun, sondern viel mehr mit Einfallslosigkeit im Drehbuch.

Zach Galifianakis mit Bradley Cooper und Ed Helms.

Zach Galifianakis mit Bradley Cooper und Ed Helms.

Etwas brachial muten dann auch die Versuche an, einen Bezug zu dem erfolgreichen und gut gelaufenen ersten „Hangover“ herzustellen. Auch der unterhaltungsärmere zweite Teil wird umständlich herangezogen um eine Verknüpfung herzustellen. Heather Graham, im ersten Teil wird sie in Las Vegas mit Ed Helms verheiratet, absolviert einen kurzen, unwichtigen Gastauftritt, nur um sich eben noch einmal gezeigt zu haben und Black Doug, kaum jemand wird sich spontan an die Verwechslung des ersten Teils erinnern, bekommt eine tragende, wenn auch schnell beendete Rolle zugesprochen. Wie schön, dass Regisseur Todd Phillips für alle Ungereimtheiten ein weiteres Serienwerkzeug parat hält. Während der laufenden Handlung unternimmt er einen Ausflug in die Gedanken- und Erinnerungswelt der Protagonisten, zeigt noch einmal alle wichtigen Momente der vorherigen Episoden, die für das Verständnis von „Hangover III“ relevant sind. In Serien kennt man das losgelöst von der Handlung, vorne dran gestellt, meistens eingeläutet mit den Worten: „In der letzten Episode von…“. Hier nun wirkt es einfallslos dahin geklatscht, einfach irgendwo eingebettet. Es wäre wohl zu viel verlangt gewesen, die nötigen Informationen latent in einer Unterhaltung zu verbergen, die Protagonisten vielleicht durch ein Stöbern in alten Fotos vergangene Momente noch einmal innerhalb der Handlung Revue passieren zu lassen.

Diese Einfallslosigkeit wird auf den Gesamtfilm projiziert. Es ist zwar eine zusammen hängende Geschichte zu erkennen, die aber nichts mehr mit der krimiähnlichen Auflösungsjagd nach den Erinnerungen und vergessenen Partyaktivitäten des Wolfsrudels gemein hat. Hier bricht Mr. Chow eingangs aus einem Hochsicherheitsgefängnis aus, wird daraufhin von dem Brutalverbrecher Marshall (John Goodman) gejagt, dem er eine ganze Menge Gold gemopst hat. Da Marshall eine Verbindung zum Wolfsrudel sieht, nimmt er sich kurzerhand Doug als Geisel und zwingt Phil, Stu und Alan zum Auffinden Mr. Chows und dem Gold. Daraus entwickelt sich keine nachvollziehbare Schnitzeljagd, sondern eine episodenhafte Sketch-Show, bei der eine abgeschlossene Szene im Nachhinein keinen Belang mehr für den Film hat. So bekommt Alan – wer sonst? – eine nachdenkliche Szene mit dem inzwischen zu einem Kleinkind herangewachsenen Baby aus dem ersten Teil, das sich unter dem Namen Carlos eine Weile in der Obhut Alans befand (der Moment, in dem er dem Baby eine Wagentür vor den Kopf schlägt, dürfte den Witz in den Trailer zum ersten „Hangover“ gebracht haben). Man vermutet dass sich hier etwas in Alan bewegt, dass er sein eigenes Dasein als geistiges Kleinkind ablegt um endlich erwachsen zu werden. So richtig wird auf diese Szene dann aber nicht mehr eingegangen. Heather Graham und Ed Helms treffen nach Las Vegas Ehe und Scheidung erneut aufeinander, außer einem kleinen ‚Hallo‘ wird hier aber kein weiteres Potential dieser Begegnung genutzt. Die Kamera schwenkt weg, bleibt dann eben doch wieder auf Alan fokussiert.

John Goodman (als Marshall) und Mike Epps (als Black Doug).

John Goodman (als Marshall) und Mike Epps (als Black Doug).

So verschenkt man Witz um Witz, verspielt sich die schauspielerischen Qualitäten die den ersten Teil so gut funktionieren ließen. Damals musste noch jeder leiden. Selbst Bradley Cooper, in einer lässig besonnenen Rolle, musste sich am Boden wälzen, weil ihm jemand in die Weichteile getreten hatte. Jetzt versinkt der ganze Film in Belanglosigkeit. So richtig lachen kann man nicht mehr, als Actionkomödie wirkt „Hangover III“ zu wenig auf das Genre ausgerichtet, die wenigen dramatisch-ernsten Momente sind deplatziert und bekommen nicht die nötige Relevanz zugesprochen um zu funktionieren.

Es ist ein kläglicher Abgesang für das Wolfsrudel, das in der modernen Filmgeschichte der wohl beste Beweis dafür ist, dass nicht jeder erfolgreiche Film bis zum Hangover ausgereizt werden sollte.

 


Hangover III_Hauptplakat

“Hangover Part III“

Originaltitel: Hangover Part III
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 100 Minuten
Regie: Todd Phillips
Darsteller: Bradley Cooper, Ed Helms, Zach Galifianakis, Justin Bartha, Ken Jeong, John Goodman, Melissa McCarthy, Jeffrey Tambor, Heather Graham, Mike Epps

Deutschlandstart: 30. Mai 2013
Im Netz: hangoverpart3.com


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