Kinokritik

Andrew Garfield ist in HACKSAW RIDGE von Mel Gibson als Pazifist im Krieg

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Mel Gibson ist schon als Regisseur und Hauptdarsteller in seinem vielfach mit dem Oscar prämierten Braveheart in den Krieg gezogen. In Die Passion Christi hat er den Gottessohn zum Helden ernannt. Jetzt zeigt er in Hacksaw Ridge die heldenhafte Geschichte eines jungen Mannes, der in den Krieg zieht ohne dabei eine Waffe anfassen zu wollen.

Basierend auf der 2004er Dokumentation The Conscientious Objector erzählt Mel Gibson die wahre Geschichte von Desmond Doss (Andrew Garfield), der unter einem harten Vater (Hugo Weaving) aufwächst, die Liebe seines Lebens findet (Teresa Palmer), dann aber im 2. Weltkrieg zur Armee geht und von einem harten Vorgesetzten (Vince Vaughn) ausgebildet wird, nur um an der Seite seines Captains (Sam Worthington) auf dem grausamen Schlachtfeld von Okinawa zu landen.

Der Gegensatz ist die große Stärke von Hacksaw Ridge. Ein Kriegsfilm mit einer Hauptfigur, die unbedingt in den Krieg ziehen will, nicht aber um zur Waffe zu greifen, sondern um als Sanitäter Menschenleben zu retten. Dabei geht Doss sogar soweit, seinen Gottesglauben voran zu stellen und das Gebot des “Liebe deinen Nächsten” und “Du sollst nicht Töten” noch auf dem Kriegsfeld zu befolgen.

Hacksaw Ridge

Desmond Doss (Andrew Garfield) lässt seine große Liebe (Teresa Palmer) für den Kriegseinsatz zurück.

Es ist nur ein klitzekleiner Moment, den Mel Gibson in seinem Film benötigt, um uns diese Überzeugung glaubhaft zu machen. Ein Moment, den Desmond in seiner Kindheit erfährt und uns als Zuschauer sofort klar macht, wo dieser Mensch mit seiner Abscheu gegenüber Gewalt herkommt.

Auf der anderen Seite präsentiert Gibson allerdings einen ganzen Film, der nur allzu vorhersehbar abläuft. Wenn Desmond die nette Krankenschwester kennenlernt, dann allein zu dem Zwecke, ihn romantisch an eine Person zu binden. Wenn er nun also in den Krieg zieht, hat er etwas zu verlieren. Der Rest läuft ebenso nach Schema F ab und wir damit leider nicht der guten Idee hinter der Story gerecht: Kindheit, Liebe, Ausbildung, Krieg. Eine Erzählung ohne wirkliche Überraschungen.

Außer vielleicht dem unfassbar gute Einsatz aller Darsteller – wobei hier bewusst die männliche Form gewählt wurde. Andrew Garfield liefert eine grandiose Performance ab, ebenso wie Hugo Weaving. Ein wahrer Showstealer ist Vince Vaughn. Vermutlich da man ihn sonst nur aus leichten und vor allem humorlosen Komödien kennt, die pure Blödeleien darstellen.

Hier aber findet sich Vaughn endlich wieder in einem Umfeld, in dem er strahlen darf. Sein Sergeant Howell ist mehr Psycho und The Cell als Praki.com oder Anchorman. Ähnlich Gutes kann man über Sam Worthington sagen. Während James Cameron noch versuchte den Australier in ein Hauptrolle zu prügeln, zeigt er immer wieder was für ein wertvoller Supporting Actor er sein kann. Er zeigt seine Stärken in Sabotage, Everest oder nun hier in Hacksaw Ridge, nicht aber in Avatar.

Hacksaw Ridge

Desmond Doss (Andrew Garfield) versucht möglichst viele Leben zu retten.

Und da zeigt sich dann auch, weshalb Mel Gibson ein so kompetenter Regisseur ist. Er weiß um die Stärken seiner Player durchaus Bescheid und setzt sie gezielt und perfekt auf dem Spielfeld ein.

Dieses Spielfeld ist der Krieg, der in all seiner Widerlichkeit zur Geltung gebracht wird. Hier liegen verstümmelte Leichen aus denen die Gedärme herausquellen. Maden kriechen aus ausgehöhlten Augen und Ratten knabbern totes Fleisch an. So dreckig, staubig und mit einer Atmosphäre von Verzweiflung bedeckt hat auch ein Steven Spielberg bisher keinen Kriegsfilm inszenieren können.

Aber das gilt lediglich für die visuelle Inszenierung. Die Dramatik und der Spannungsbogen erschließen sich bei Hacksaw Ridge nicht wirklich. Wenn die Schlacht beginnt, ist zwar alles überbordend emotional brutal dargestellt, aber es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, ohne dass wirklich etwas erzählt wird.

So schwankt Hacksaw Ridge zwischen dem emotionalen Spiel von Andrew Garfield, dessen Desmond Doss es gelingt, am Ende die Hochachtung und Anerkennung seiner Kollegen zu gewinnen und einer Filmhandlung, die mehr ermüdend als mitreißend wirkt.

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