Filmkritik

“Lola gegen den Rest der Welt” von Daryln Wein

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH / Greta Gerwig als Lola & Joel Kinnaman als Luke

Im wahren Leben sind die beiden Filmemacher Daryl Wein und Zoe Lister-Jones ein Paar, zwei Menschen die oft auch filmisch miteinander arbeiten, ihre heimische Harmonie, wie auch Streit, auf die Leinwand bannen. In ihrer ersten gemeinsamen romantischen Komödie „Breaking Upwards“ (in der sie auch die Hauptrollen spielen) folgte die Kamera einem ebensolchen Pärchen, das den Versuch startete, sich voneinander zu trennen. In New York City angesiedelt, basierte diese Geschichte auf Erfahrungen, die Wein und Lister-Jones am eigenen Leib widerfahren ist. Nun hat Regisseur Daryl Wein mit „Lola gegen den Rest der Welt“ seinen zweiten Spielfilm inszeniert, in dem sich Hauptprotagonistin Lola in den Wirren New Yorks befindet um sich als freie Single-Frau wieder auf den Männermarkt zu begeben. Das beruht dann wiederum auf den Erfahrungen von Zoe Lister-Jones, hier auch als Darstellerin neben Greta Gerwig zu sehen, die sie während dem einjährigen Break-Up mit Wein machte.

Gerwig spielt quasi Lister-Jones, heißt hier aber Lola, eine 29jährige New Yorkerin, die drei Wochen vor ihrer Hochzeit von ihrem langjährigen Freund Luke (Joel Kinnaman) sitzen gelassen wird. Ihr dreißigster Geburtstag rückt immer näher und Lola gerät in eine Lebenskrise. Sie sucht Rat bei ihrer besten Freundin Alice (Zoe Lister-Jones) und fordert den Kumpel-Status von Freund Henry (Hamish Linklater) arg heraus. Zeitgleich muss sie sich gegen die unaufgefordert geäußerten Ratschläge ihrer Eltern (Debra Winger und Bill Pullman) zur Wehr setzen. Ihre heile Welt bricht gänzlich auseinander, verfolgt von romantischen Niederlagen und Fehlern im Job enden ihre Abende in ausgeprägten Alkoholexzessen.

Greta Gerwig als Lola & Zoe Lister Jones als Alice

Greta Gerwig ist ein Talent, anders kann man ihre Darstellung der Lola nicht beschreiben. Mal ganz davon abgesehen, das der Film nicht die interessanteste Handlung wiederspiegelt, ein Spannungsbogen irgendwie fehlt, die typischen verkappten Romanzen gezeigt werden, die schon weitaus kräftiger mit Filmen wie dem fast unübertrefflichen „(500) Days of Summer“ oder „Nick & Norah – Soundtrack einer Nacht“ in Szene gesetzt wurden, schafft die Schauspielerin es dennoch die Blicke an sich zu fesseln, was in diesem Umfeld schon als immense Leistung angesehen werden darf. Sie verkörpert glaubhaft und nachvollziehbar die Figur der Lola: an die Astrologie glaubend sagt der Saturn ihr voraus, dass sich ihr Leben an ihrem 29. Geburtstag ändern wird. Nun ist das Problem, dass Lola eigentlich alles so mag wie es ist, ihr Leben verläuft ganz nach ihrem Wunsch, so dass sich diese Voraussage eher beunruhigend auf sie auswirkt.

Im Zeitraffer erlebt der Zuschauer nun, was schon so oft zuvor erzählt wurde. Das perfekte Leben, bei dem alles nach Plan verläuft, gibt es im Romantik-Kino heutiger Tage nicht mehr; auch „Fast verheiratet“ legt dem – zugegeben auf ein Happy End zusteuernden – Paar mehr als nur kleine Stolpersteine in den Weg. Lola steht ebenfalls kurz vor einer Hochzeit, nur um dann einen Tag vorher sitzen gelassen zu werden. Ihr Fast-Ehemann macht einen Rückzieher, lässt das arme Mädel einfach zurück. Nicht dass das schon genug des Unglücks wäre, sieht man nun – ebenfalls scheint „Fast verheiratet“ hierfür die Vorlage zu liefern – wie Lolas Freundin an ihrer Stelle dieses perfekt erträumte Leben erhält, mitsamt Hochzeit. Wenn das Bild aus der Romantik dann wieder zu Lola wechselt, bekommen die Zuschauer nur die vom Leben enttäuschte Frau zu sehen, die wahllos Essen in sich hineinstopft.

Greta Gerwig als Lola & Hamish Linklater als Henry

Was folgt ist Schema F einer Komödie: Lola soll wieder auf die Piste, Männer kennenlernen. Das führt zu einer Reihe von merkwürdigen Begegnungen. Lola trifft auf Nervensägen, auf Langweiler, landet trotzdem mit ihnen im Bett, auch ihr bester Kumpel muss dran glauben. Eigentlich lässt sie keinen Mann aus, verhurt ihr Leben an das männliche Fleisch, vielleicht ein Ausgleich für ihre vorherige Fresssucht. Auch ihren Ex trifft sie wieder, verzeiht ihm die Hochzeitsmisere, steigt auch mit ihm noch einmal in die Kiste. Nun stellt sich die Problematik dar, mehr als einer dieser Männer verliebt sich in Lola und auf einmal hat die gute Frau mehr Mann als sie zu verkraften im Stande ist. „I am slutty but I am a good person“ sagt sie zu sich selbst, mag nicht so recht einsehen weshalb sie diese Situation nun verdient hat.

Der Film treibt sein perfides Spiel aber noch weiter, jeder dieser Männer wendet sich von Lola ab, alle finden neue Frauen in ihren jeweiligen Leben, was dann zum Totalabsturz bei Lola führt. Es ist wahrlich „Lola gegen den Rest der Welt“. Der Film darf sich sichtlich daran erfreuen mit Greta Gerwig diese Darstellerin zu haben, die den Zuschauer glauben macht, dass hier ein real mögliches Szenario durchgespielt wird: niemals zu übertrieben, zu überbordend cartoonesk inszeniert, immer auf dem Boden der Tatsachen bleibend, reiht sich „Lola versus“, so der Originaltitel, zwar hinter anderen Vertretern der Gattung „Das Leben ist Scheiße“-Film ein, sollte aber qualitativ immer noch vor jeder dieser RomComs gesehen werden, die mit hübschen Gesichtern ohne Talent krampfhaft versuchen originell zu sein. Somit geht „Lola gegen den Rest des Genres“ gar nicht so sehr unter wie die Geschichte vermuten lässt.

Denis Sasse

“Lola gegen den Rest der Welt“

Originaltitel: Lola Versus
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 87 Minuten
Regie: Daryl Wein
Darsteller: Greta Gerwig, Joel Kinnaman, Zoe Lister Jones, Hamish Linklater, Bill Pullman, Debra Winger

Deutschlandstart: 13. Dezember 2012
Offizielle Homepage: fox.de/lola_versus

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