Filmkritik

“Gold – Du kannst mehr als du denkst” von Michael Hammon

0
Kurt Fearnley (links), Kirsten Bruhn (rechts) und Henry Wanyoike (hinten) werden in "Gold" von Michael Hammon portraitiert

Kurt Fearnley (links), Kirsten Bruhn (rechts) und Henry Wanyoike (hinten) werden in “Gold” von Michael Hammon portraitiert

Am 10. Januar erscheint mit Gold – Du kannst mehr als du denkst eine Dokumentation des in Südafrika geborenen Filmemachers Michael Hammon auf DVD und Blu-Ray, die im vergangenen Jahr in der Special-Sektion der Filmfestspiele von Berlin gelaufen ist. Neben dem Film wartet auf der DVD zudem ein fast zwanzig Minuten langes Making Of sowie entfallene Szenen, allesamt in “barrierefrei”, wie es hier genannt wurde, also geschaffen für sowohl blinde als auch taube Dokufreunde.

Gold_DVDBluRayGold – Du kannst mehr als du denkst erzählt die Lebensgeschichten dreier Menschen und Spitzensportler: Henry Wanyoike, blinder Marathonläufer aus Kenia, Kirsten Bruhn, querschnittsgelähmte Schwimmerin aus Deutschland, und Kurt Fearnley, australischer Rennrollstulfahrer. Über ein Jahr hat das Filmteam um Michael Hammon die Drei begleitet, sie beim Training beobachtet, aber auch einen Einblick in das private Leben der drei Athleten gewonnen, die in ihrer jeweiligen Heimat zu den bekanntesten Sportlern gehören und zugleich, durch ihre Art zu leben, Vorbild einer aufgeklärten Gesellschaft sind. Denn auch im ganz normalen Alltag leisten sie Großes, setzen sich immer wieder für ihre Mitmenschen ein, zeigen, dass in jedem von uns etwas Außergewöhnliches und Wertvolles steckt. Der Film erreicht in London bei den Paralympics 2012 seinen Höhepunkt. Die ganze Stadt feiert die aus aller Welt angereisten Athleten. Weltweit verfolgen die Menschen die Wettkämpfe vor den Fernsehgeräten.

Hammon begleitet seine drei Ausnahmetalente, die ihr Dasein reflektiert betrachten. Hier sind keine melancholischen Menschen zu sehen, die ihr Leben aufgrund einer Behinderung als schwere Last empfinden. Ganz im Gegenteil. Auch wenn Kirsten Bruhns Vater kommentiert, dass sich seine Tochter im Wasser völlig schwerelos bewegen kann, als sei ihre Behinderung gar nicht zugegen, so setzt sich doch jeder der portraitierten Menschen mit seinem Schicksal auseinander – manches Mal fließen da die Tränen und man spürt eine gewisse Überemotionalisierung der Doku, wo eigentlich ein objektiv-sachlicher Blick sein sollte. Das ist aber schnell vergessen, wenn die Protagonisten auch mit anderen Menschen mit Handicap agieren und die immense Stärke – körperlich wie geistig – deutlich wird, die hier jede und jeder aufbringen muss. Wanyoike merkt an, dass er nur durch die Herausforderung seiner Blindheit zu dem Menschen geworden ist, der er heute ist, während Bruhn bestärkt, dass ein schrecklicher Unfall in 1991 die Ursache für den schönsten Moment ihres Lebens geworden ist: den Goldmedaillengewinn im Brustschwimmen bei den Paralympischen Spielen in Athen 2004.

Gold – Du kannst mehr als du denkst lässt die drei im Fokus stehenden Protagonisten noch einmal Revue passieren, wie sie anfangs mit ihrer Behinderung umzugehen lernten, zeigt aber auch deren Familien – ein ganz normales Leben, mit einigen kleinen Änderungen. Sie arbeiten mit anderen Betroffenen, trainieren hart für ihre sportliche Leidenschaft. Der Sport hat geholfen, ins Leben zurück zu finden, ihm einen Sinn zu geben, zu sehen, dass es dort draußen doch noch etwas Schönes gibt.

Offizielle Homepage

Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Login/Sign up