Filmkritik

“Die Hüter des Lichts” von Peter Ramsey

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© Paramount Pictures Germany GmbH / Die Lichter erlöschen, die Kinder hören auf an den Weihnachsmann, den Osterhasen, die Zahnfee und den Sandmann zu glauben. Jetzt wird die Hilfe von Jack Frost benötigt.

Er ist groß. Er ist kräftig. Er ist muskelbepackt. Auf seinen Unterarmen hat er die Worte „Naughty“ und „Nice“ tätowiert, ungezogen und artig, so kategorisiert er seine Kunden. Sein russischer Akzent mindert nicht die Durchschlagskraft seiner donnernden Stimme: Der Weihnachtsmann oder Nicholas St. North, wie er bei dem amerikanischen Schriftsteller William Joyce genannt wurde, ist der erste auserwählte „Guardian“, vom Mann im Mond persönlich in den Dienst genommen. Das erfährt man in den Büchern von Joyce – bisher drei Romane und zwei Bilderbücher – die den „Guardians of the Childhood“ gewidmet sind. Nun die Kinofassung, der deutsche Titel „Die Hüter des Lichts“ verweist auf den Glauben der Kinder an ihre Helden, an den Weihnachtsmann ebenso wie an den Osterhasen, die Zahnfee oder den Sandmann. Ein jedes gläubiges Kind ist ein Licht auf einem großen Globus, der sich am Nordpol in der Behausung von diesem Muskel(weihnachts)mann befindet.

Aber nicht nur die guten Helden wissen um die Kraft des kindlichen Glaubens – auch Pitch, ein finster dreinblickender Schatten, besser bekannt als „Der Schwarze Mann“, weiß dass die Kraft der Hüter dem Glauben der Kinder entspringt. Um das Böse triumphierend in die Welt zurückzubringen, muss er also nichts weiter tun als diesen Glauben an das Gute im Keim zu ersticken. Mit seiner Armee von Alpträumen zwingt er die guten Träume des Sandmanns in die Knie, kidnapped die vielen Helferleins der Zahnfee, die sich somit nicht mehr um die schönen Kindheitserinnerungen kümmern können, die in den Zähnen stecken, die allnächtlich unter die Kopfkissen gelegt werden. Der Schwarze Mann zerstört die bunt bemalten Eier des Osterhasen, woraufhin das Osterfest flach fällt und auch der Weihnachtsmann wird zunehmend schwächer, mit jedem Glaubenslicht, das auf dem Globus erlischt. Nach mehreren hundert Jahren brauchen die Hüter nun Hilfe, die ihnen vom Mann im Mond an die Seite gestellt wird: Jack Frost, ein rebellischer Junge, der nichts im Sinn hat außer seinen Schabernack zu treiben. Aber er wird zu einem wertvollen Verbündeten gegen den Schwarzen Mann.

Er war der erste Hüter des Lichts: “North”

„Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“, diese Frage stellt sich natürlich. Hier wohl ein jeder Kinobesucher, wunderbar wurde dieser Gegenspieler in Szene gesetzt, im englischsprachigen Original diabolisch von Jude Law gesprochen, ist er nicht nur eine Randfigur um den „Guardians“ eine Aufgabe zu bieten. Der Schwarze Mann, Pitch ist hier sein Name, bekommt einen Grund für seinen Ärger: Die Menschen wollen nicht mehr an ihn glauben, Ärger, Hass, keine Angst weilt mehr unter der Menschheit, seit dem Mittelalter ist der Schwarze Mann ein Nichts, die Menschen können ihn nicht mehr sehen, nehmen ihn nicht mehr wahr, das muss geändert werden. Immer wieder tritt er in Erscheinung, ist eine stets präsente Bedrohung, ist für die Zerstörung des Zahnfee-Reiches verantwortlich, gar für den zwischenzeitlichen Tod eines Hüters. Er haust in einem gigantischen Kerker, ebenso finster wie er selbst, mal zieht sich nur sein Schatten durchs Bild, wie einst Nosferatu im gleichnamigen Stummfilmklassiker. Ihm wird Jack Frost zur Seite oder gegenüber gestellt. Die beiden teilen dasselbe Schicksal, werden von den Menschen missachtet, keiner glaubt an sie. Wer ist schon Jack Frost? Was tut der überhaupt? Hier muss sich der Junge erst einmal selbst beweisen, dass er Jemand ist, dass er ein Mitglied der Hüter des Lichts werden kann.

Dabei ist er vielleicht der Beste von allen, ist er all die Jahre doch unter den Kindern geblieben, weicht ihnen nicht von der Seite, treibt mit ihnen Schabernack, sie haben Spaß, rutschen auf Eisflächen entlang, die er zuvor gefroren hat oder zettelt Schneeballschlachten an, die oftmals in einem Chaos enden. Die Nähe zu den Kindern ist ihm wichtig, hier ist sein Spaß begründet, den die anderen Hüter bereits verlernt haben. Weihnachtsmann, Osterhase und die Zahnfee, sie alle haben ihre Helfer, die sie nur noch befehligen: Kleine Wichte mit Bimmelmützen, große klobige Yetis, Ostereier auf Beinen oder Kolibri ähnliche Feen-Wesen, sie verrichten den „Außeneinsatz“, während die großen Helden nur noch kontrollieren, organisieren – eigentlich ein Schreibtischjob, den sie dort verrichten. Der Sandmann mag die Ausnahme sein, klein, irgendwie ulkig, was nicht zuletzt seiner Kommunikation anzulasten ist. Statt zu sprechen, bildet er kleine Symbole über seinem Kopf, wie eine Sprechblase in einem Comicheft, mal durchaus verständlich, mal viel zu schnell, als das seine Mitstreiter ihn verstehen können. Ein putziges kleines Kerlchen.

Er soll ein neuer Hüter werden: Jack Frost

Regisseur Peter Ramsey hat ein bildgewaltiges Spektakel aus dem Leinwandauftritt der Hüter gemacht, irgendwie sind es die „Avengers“ für die Weihnachtszeit, denn diese Atmosphäre wird versprüht: einer dieser Filme, die man sich alljährlich zum Fest anschauen möchte. Der Weihnachtsmann, so grob er erscheinen mag, mit seiner freundlichen Art und Weise wirkt er wie einer seiner eigenen Knuddel-Yetis, aber auch Jack Frost, der für das eisige Ambiente verantwortlich ist: sie machen die Umwelt zu einem „Winter Wonderland“, wobei hier auch arg der Sandmann mit seinen Traumgestalten dazu beiträgt.

„Die Hüter des Lichts“ ist eine kleine Überraschung, hat man doch nicht mit einem solch schlagkräftigen Titel gerechnet, aber sowohl die visuelle Pracht, als auch die ausgearbeiteten Figuren – der Osterhase hat Angst vorm Fliegen, kein Wunder, buddelt er sich doch tagtäglich tief durch die Erde – und der starke Gegenspieler machen Lust auf mehr. Selten bekommt man heutzutage dieses Gefühl vermittelt, dieses mehr-wollen. Aber Weihnachtsmann, Osterhase, Zahnfee, Sandmann und Jack Frost, sie dürften gerne allweihnachtlich erscheinen, um mit ihren guten Taten die Kinder- und wohl auch manches Erwachsenenherz in Weihnachtsstimmung zu bringen.

Denis Sasse

“Die Hüter des Lichts“

Originaltitel: Rise of the Guardians
Altersfreigabe: noch nicht bekannt
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 97 Minuten
Regie: Peter Ramsey
Deutsche Synchronstimen: Florian David Fitz (Jack Frost), Hannah Herzsprung (Zahnfee), Matze Knop (Osterhase)

Deutschlandstart: 29. November 2012
Offizielle Homepage: diehueterdeslichts.de

1 Comment

  1. […] Mittendrin natürlich die deutschen Synchronstimmen: „Osterhase“ Matze Knop, Florian David Fitz (Vincent will Meer, Doctor’s Diary) als Jack Frost und die „Zahnfee“ Hannah Herzsprung (Schutzengel, HELL). Nach der Premiere gab es für das […]

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