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Glass (2019)

Wer sich in Glass einen klassischen Superheldenfilm erwartet hat, hat falsch gedacht – das verspricht bereits der Trailer des Films. Glass ist der Nachfolger der zwei erfolgreichen Hits Unbreakable und SPLIT von Kultregisseur M. Night Shyamalan, der sich besonders im Mysterygenre zuhause fühlt und in jedem seiner Werke mindestens eine überraschende Wende auf Lager hat. In Glass kommen die Helden der zwei Filme zusammen und werden zu einem ultimativen Show-Off gezwungen. Ob dieser gut gelungen ist, steht für viele Fans jedoch in Frage.

In den zwei Vorgängerteilen lernen wir die Charaktere Elijah (Samuel L. Jackson), David (Bruce Willis) und Kevin (James McAvoy) bereits gut kennen. David ist ein Familienvater, der nach einem schweren Zugunglück als einziger Überlebender seine unbesiegbaren, körperlichen Kräfte entdeckt und Visionen von Straftaten sehen kann. Nur Wasser ist seine einzige Schwachstelle, denn er hat große Angst vor dem Ertrinken. Er beschließt, seine Fähigkeiten zu nutzen, um als heimlicher Superheld für Gerechtigkeit zu sorgen. Elijah, der sich selbst als Superbösewicht mit dem Namen Mr. Glass betitelt, leidet unter einer schweren Knochenkrankheit, weshalb sein Körper zerbrechlich ist wie Glas. Kevin leidet unter DIS, einer dissoziativen Identitätsstörung, wodurch 23 verschiedene Persönlichkeiten in seinem Körper leben – 24, zählt man das Biest mit. Wenn Kevin die Kontrolle verliert, kommt der Charakter des Biests zum Vorschein, der nicht nur zum Fürchten ist, sondern auch übermenschliche Fähigkeiten besitzt.

Photo by Gage Skidmore; CC BY 2.

Der übliche Rhythmus von Shyamalan

Wie auch in anderen Filmen des Regisseurs M. Night Shyamalan benötigt Glass eine relativ lange Aufwärmphase. Zwar sehen wir bereits anfangs eine Kampfszene, diese ist jedoch überraschend undramatisch und wird umso schneller von Dr. Ellie beendet. Danach folgen viele Minuten voller dramatischer Gespräche, die zu großen Teilen aus Monologen bestehen und dadurch einen langsamen Rhythmus behalten. Gleichzeitig versucht der Film offensichtlich allen Zusehern zu erklären, was in den Vorgängerteilen passiert ist – und dies oft mehr als notwendig. Diesen Fehler begeht der Regisseur leider auch bei seiner großen Wende. Während er die echten Absichten von Dr. Ellie in einer Vision von David bereits ankündigt, lässt er die Darstellerin alles noch einmal genauer erklären, sobald der Höhepunkt erreicht wurde. Dem Zuseher wird die Auflösung dadurch förmlich aufgedrückt, es bleibt kein Raum für Spekulationen oder offene Geheimnisse. Selbst der Höhepunkt des Films schafft es nicht, das richtige Momentum zu erreichen. Spannende Kämpfe werden zu schnell und einfach aufgelöst und mit weiteren, dramatischen Reden abgeschwächt.

Photo by Bago Games; CC BY 2.

Echte schauspielerische Leistungen

Auch wenn der Aufbau und die Dialoge des Films starke Schwächen aufweisen, sind die schauspielerischen Leistungen einiger Charaktere wirklich hervorragend. Besonders James McAvoy, der unter anderem als Charles Xavier in X-Men weltberühmt wurde, brilliert in seiner Rolle und darf ganze 20 verschiedenen Persönlichkeiten porträtieren. Ein Großteil dieser Charaktere wird in einer etwas holprigen Szene vorgestellt, in der ein Krankenhauswächter Kevin dazu bringt, alle paar Sekunden seine Persönlichkeit zu wechseln, McAvoy zeigt darin aber wahres Schauspieltalent. Besonders die stärksten Persönlichkeiten Dennis, Patricia und Hedwig zeigen die enorme Vielseitigkeit des Schauspielers, denn bereits an kleinen Veränderungen seiner Gesichtszüge kann man sofort erkennen, welchen Charakter er gerade porträtiert. Auch Samuel L. Jackson geht in seiner Rolle als Mr. Glass auf. Er hat nicht nur den resignierten Blick eines genervten Supergenies perfektioniert, sondern wirkt überzeugend darin, schlauer zu sein als alle anderen. Dabei fühlt er sich von der Welt verraten, schlecht behandelt und hat nur eine emotionale Verbindung mit seiner Mutter. Man könnte beinahe glauben, dass er sich auf dem autistischen Spektrum befindet, ähnlich wie das berühmte Supergenie aus dem Film Rain Man, der nicht nur Telefonbücher auswendig lernen konnte, sondern jede Runde im Black Jack gewann und damit, laut Betway, in die Geschichte von diesem einging. Im Gegenzug scheint Mr. Glass einfach alle wichtigen Details über das Krankenhaus zu kennen, inklusive aller Zugangsdaten zu den Computern. Wie genau er das schafft, wird jedoch nicht erklärt. Bruce Willis kann in seiner stummen Rolle des traurigen Witwers weniger überzeugen. Er spielt wie immer den wortkargen, trockenen Schläger, den er bereits in Filmen wie R.E.D – Älter, Härter, Besser oder The Expendables verkörpert hat.

Alles in allem kann man Glass auf jeden Fall eine Chance geben. Auch wenn der Regisseur seine klassischen Probleme im Spannungsaufbau wiederholt, ist die Performance von James McAvoy den Besuch im Kino allemal wert. Wer keine riesigen Erwartungen hat, kann auch jeden Fall einen unterhaltsamen Abend mit Glass verbringen.

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