Das gab es doch schon tausend mal. In Brautalarm hat Regisseur Paul Feig mit Kristen Wiig einen Mädelsabend gefeiert, in dem unterschätzten Die Hochzeit meiner dicksten Freundin spielen sich Lizzy Caplan, Rebel Wilson, Kirsten Dunst und Isla Fisher durch ein Freundinnen-Chaos. Jetzt fügt Regisseurin Lucia Aniello mit Girls‘ Night Out der weiblichen Hangover-Variante einen weiteren Film hinzu.

Die Überraschung dabei ist, dass trotz furchtbarer Trailer und wiederholter Story ihr Film ziemlich gut abschneidet. Das liegt vor allem an dem Miteinander der Cast: Scarlett Johansson, Kate McKinnon, Jillian Bell, Zoë Kravitz und Ilana Glazer. Aber auch an dem Humor kann überzeugen, da er mehr Schwärze bereithält, als sich in der Vulgär-Comedy zu verlieren, die dieser Tage viel zu oft zu sehen ist (Stichwort: Baywatch).

Aniello ist am besten für ihre Mitarbeit an der Comedy Central-Serie Broad City bekannt, für die sie einige Episoden Regie geführt, aber auch Drehbücher geschrieben hat. Auch die Mini-Serie Time Traveling Bong geht auf ihr Konto, während sie jetzt mit Girls‘ Night Out (Originaltitel: Rough Night) ihr Spielfilm-Regiedebüt gibt. Das hat sie dann auch gleich gemeinsam mit Paul W. Downs (der im Film als Scarlett Johanssons Freund Peter zu sehen ist) geschrieben.

Girls' Night Out
Die GIRLS‘ NIGHT OUT-Clique: Zoë Kravitz, Jillian Bell, Scarlett Johansson, Ilana Glazer und Kate McKinnon (v. l. n. r.)

Die Story ist recht simpel: Im College sind Jess (Johansson), Alice (Bell), Frankie (Glazer) und Blair (Kravitz) beste Freundinnen, aber nach ihrem Abschluss passiert das Leben. Man driftet auseinander, hat Familien, Karrieren und andere Sorgen und Probleme zu bewältigen. Aber dann steht die Hochzeit von Jess kurz bevor, die Mädels wollen Abschied nehmen von Jessicas Single-Leben und treffen sich um das zu feiern. Hinzu gesellt sich noch Pippa, eine australische Freundin von Jess, die sich neu in den Freundeskreis einfügen muss.

Als ob das Freundinnen-sein nicht schon schwer genug ist, wird ein Stripper zu den Party-Aktivitäten bestellt. Der Lapdance führt zur Katastrophe, als sich der Herr den Kopf hart aufschlägt, eine Blutlache den feinen Teppich zu besudeln droht und die Girls merken, dass sie soeben einen Mann getötet haben. Aus dem Abschied vom Single-Dasein wird eine Nacht, in der eine Leiche verschwinden muss.

Der Film zeigt wunderbaren Humor, der nicht immer unter die Gürtellinie zielt und gerade dadurch besonders gut funktioniert. Dass Johansson und McKinnon aufeinander abgestimmt sind, wundert kaum, wo die beiden schon etliche Male in Sketchen bei Saturday Night Live gemeinsam aufgetreten sind. Aber auch die übrigen Spieler fügen sich in dieses Comedy-Gefüge ein.

Girls' Night Out
Jess (Scarlett Johansson, rechts) und ihre australische Freundin Pippa (Kate McKinnon, links)

Vor allem das Duo Zoë Kravitz und Ilana Glazer (die von Regisseurin Aniello aus Broad City und Time Traveling Bong in den Film gebracht wurde) als Schickimicki/Aktivistinnen-Kontrast-Paar, das mal zusammen war und wieder zusammen finden soll, versprüht ihre untereinander harmonisierende Chemie auf die Filmhandlung.

Kravitz entwickelt sich nach Indie-Perlen wie Dope und Blockbustern wie Mad Max: Fury Road und Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind zu einer Dame, die man genauer im Blick behalten sollte. Man gebe ihr eine High Profile-Rolle und sie könnte eine Oscar-würdige Performance herausholen – und das merkt man in einer Komödie wie Girls‘ Night Out, was umso mehr für ihre schauspielerischen Qualitäten spricht.

Allerdings vertraut der Film uns nicht immer, dass wir jeden Scherz verstehen. Da wird eine Sektflasche in einem Flughafen geöffnet, ein lauter Knall und die Panik der Menschenmassen folgt. Dieser Moment könnte für sich stehen, aber wird von einer der Darstellerinnen dann noch einmal ausführlich erklärt:  Gänzlich unnötig und ein wenig den Witz zerstörend.

Darüber hinaus verliert sich Girls‘ Night Out in dem Stereotyp der Komödie, die am Ende unbedingt noch Gangster ins Spiel bringen muss, um dem Film ein turbulentes Finale zu liefern. Das passiert allzu oft und lässt aus einer eigentlich kohärenten Story auf einmal eine ganz andere Geschichte werden. Hauptsache Scarlett Johansson darf auch in einer Komödie ihre Actionstar-Fähigkeiten zur Schau stellen.

Über solcherlei Dinge kann man allerdings hinwegsehen, wenn man dafür mal wieder eine gute Komödie bekommt, die uns über große Strecken wunderbar unterhalten kann. Nicht nur mit der Hauptstory um diese fünf Freundinnen, sondern dann auch gleich noch mit dem männlichen Gegenpart der Junggesellen-Abschiedsfeier und einer rasanten Autofahrt von Peter-Darsteller Paul W. Downs sowie einem anschmiegsamen Pärchen aus der Nachbarschaft, die von Modern Family-Darsteller Ty Burrell und Demi Moore gespielt werden.