© 2012 splendid film / Die sagenumwobene Stadt der Vögel inmitten von Afrika: „Zambezia“

Hollywood hat die ganz großen Animationsstudios: Pixar bringt beständig originelle Ideen auf die Kinoleinwände, die visuell zu beeindrucken wissen. Universal Pictures hat mit „Der Lorax“ eine weitere Figur des Kinderbuchautors Dr. Seuss zum Leben erweckt. 20th Century Fox hat bereits den vierten Teil ihrer „Ice Age“-Serie realisiert und Paramount legt im Oktober mit „Madagascar 3“ nach. Da erscheint es für ein kleines Animationsstudio in Cape Town, Südafrika eher schwer einen Film in die große, weite Welt hinauszulassen. Und doch haben es die 1996 gegründeten Triggerfish Animation Studios nun gewagt und ihren ersten animierten Spielfilm erschaffen, der mit Stimmen von Schauspielern wie Abigail Breslin, Jeff Goldblum, Leonard Nimoy und Samuel L. Jackson realisiert wurde. Und doch erscheint „Zambezia“ wie ein Potpourri bereits bekannter Animationsfilme.

Da wäre der kleine Falke Kai, der beschützt von seinem Vater in der Ödnis Afrikas lebt. Doch Kai ist jung und möchte nichts lieber als aufregende Abenteuer erleben. Als er von der sagenhaften Stadt Zambezia erfährt, die am Rande eines majestätischen Wasserfalls tief im Herzen Afrikas liegt, gibt es für den Falken kein Halten mehr. Gegen den Willen seines Vaters macht er sich auf den Weg, um sich den heldenhaften Hurricane-Fliegern anzuschließen, die für die Sicherheit Zambezias sorgen und zu den besten Fliegern Afrikas zählen. Sein Vater macht sich große Sorgen und folgt seinem Sohn, wird bei seiner Suche jedoch von Zambezias Erzfeind Budzo, einer intriganten Leguanechse, gefangen genommen. Zusammen mit den hinterlistigen aber leicht vertrottelten Marabu-Vögeln plant Budzo Zambezia anzugreifen.

Kai (links) will Zambezia suchen

Und schnell fühlt man sich an eine Mischung aus Pixars „Findet Nemo“ und Zack Snyders “Die Legende der Wächter“ erinnert. Wo sich der kleine Nemo 2003 von Papa Marlin in die große Weite See verabschiedete und dieser seinem Sohn nachschwamm, erzählte Zack Snyder in seinem 2010er Film von den legendären Wächtern von Ga’Hoole, zu denen eine kleine Eule mit vor Begeisterung strahlenden Augen aufsah. Diese beiden Motive finden sich dann auch in „Zambezia“ wieder, nur irgendwie kleiner, weniger imposant, gar nicht State-of-the-Art animiert. Aber hierüber kann man den relativen Neulingen der Triggerfish Studios nicht böse sein, denn gerade im Animationssektor muss es nicht zwingend auf die tollsten Bilder ankommen, überzeugen doch Studios wie Pixar vor allem durch ihre gut erzählten Geschichten. Aber auch wenn hier die Vögel nicht so niedlich sind wie manch eine Eule in Snyders Wächter-Geschichte, noch so lustig wie die Papageien in „Rio“, die Giraffen keinen Melman aus „Madagascar“ ersetzen können und die Landschaften alles andere als beeindruckende Bilderwelten à la Pixar darstellen, ist die größte Schwäche von „Zambezia“ dennoch das Drehbuch.

Kai spricht einen wahren Satz, der den Zuschauern aus der Seele entnommen seien dürfte, wenn er beim ersten Auftauchen der Marabus meint „Moment mal, wer seid denn ihr jetzt plötzlich?“. Es soll nicht der einzige Satz bleiben, der darauf hindeutet, dass es erhebliche Schwächen in der Schreibe gibt. Es geschehen Dinge ohne ersichtlichen Grund oder, wenn man so möchte, sie geschehen nur um zur nächsten Drehbuchseite umblättern zu können. Insgesamt zehn Menschen haben hier mitgeschrieben, aber auch wenn viele Köche bekanntermaßen den Brei verderben, hätte doch mehr hieraus geholt werden können als ein Vatervogel, der mit einem Satz wie „Irgendwann wirst du auf dich allein gestellt sein“ und einem Sohnemannvogel der darauf erwidert „Ich war noch nie jenseits der Schlucht“ ein klares Zeichen dafür setzt, wie vorhersehbar die Handlung verlaufen wird. Wenn dann, endlich in der sagenumwobenen Stadt Zambezia angekommen, dort ein laut krächzender Graupapagei verkündet „Fühlt euch Vogelfrei“, mag man glauben, dass den Drehbuchautoren die Begriffsbedeutung „Vogelfrei“ fremd war, sonst hätten sie an dieser Stelle sicherlich eine andere Wortwahl bevorzugt.

Die Giraffen in Afrika haben natürlich keinen Zugang nach Zambezia

Aber hier ist alles ein weniger einfacher gedacht. Motive wie Loyalität und Freundschaft, selbst in größeren Produktionen oftmals mit dem Holzhammer vermittelt, werden in „Zambezia“ eher mit einem Presslufthammer propagiert. Dabei hätte man andere Elemente der Geschichte so schön hervorheben können: Die Zwei-Klassen-Gesellschaft in Zambezia lässt die ach so schöne Stadt der Vögel auf einmal nicht mehr in einem solch goldenen Licht erscheinen, sind doch gerade die bösen Marabus dort nicht erwünscht, weil sie zu hässlich sind. Die Schönheitsideale werden dann später aber wieder relativiert, nicht aber das militärische Einsatzkommando der Hurricanes, die sich stets an ihre bürokratisch vorgeschriebene Befehlsliste halten. Aber solch gesellschaftskritische Thematiken wirken in diesem Film wie eher zufällig angesprochen, sonst hätte man sich ihnen weitaus mehr angenommen als es hier der Fall ist.

Man merkt „Zambezia“ leider an, dass der Film von einem Animationsstudio kommt, welches noch gänzlich grün hinter den Ohren ist. Die Handlung erscheint wie eine Checkliste, die im Drehbuch nach und nach abgearbeitet worden ist, die Musik wirkt wie blind über die Szenen gelegt, die Figuren wurden lieblos in die Handlung geworfen, die wiederum äußerst konstruiert und teilweise geklaut wirkt.

Denis Sasse

“Zambezia“

Originaltitel: Zambezia
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: ZA, 2012
Länge: ca. 82 Minuten
Regie: Wayne Thornley
Deutsche Synchronstimmen: Yoshji Grimm (Kai), Kaya Yanar (Ezee), Paul Panzer (Mushana), Engelbert von Nordhausen (Tendai), Klaus Sonnenschein (Sekhuru), Friedel Morgenstern (Zoe), Lutz Mackensy (Cecil), Michael Pan (Morton)

Deutschlandstart: 30. August 2012
Offizielle Homepage: zambezia.de