Filmkritik

Focus

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Eines muss man sich eingestehen, wenn man nun Will Smith endlich wieder auf der Leinwand sieht. Wenn man nach Focus über all die Dinge die in dem Film geschehen nachdenkt, fällt das ganze Konstrukt recht schnell in sich zusammen. Dann erscheinen nur noch wenige Dinge plausibel, an denen man vorher so viel Spaß hatte. Aber genau das ist der springende Punkt. Nicht darüber nachdenken und wir bekommen eine wirklich gut konstruierte Trickserei, bei der Smith mit seiner Co-Darstellerin Margot Robbie sich, sie und uns immer wieder in die Irre führt.

Aber es machen noch ganz andere Dinge Spaß als dieses konstante Nicht-Wissen woran man eigentlich gerade ist. Das gilt zwar manchmal auch für die Handlung, von der wir nicht wissen wo sie uns hinführen möchte, aber selbst darüber kann man dann hinweg sehen, wenn man Smith gemeinsam mit Robbie auf der Leinwand sieht. Immer wenn die beiden aufeinandertreffen sprühen die chemischen Funken in alle Richtungen umher. Die beiden arbeiten wunderbar zusammen und es ist fast keine Überraschung, dass Margot Robbie aus jeder dieser Begegnungen als schauspielerische Siegerin hervorgeht.

Immerhin konnte sich die Dame schon gegen Leonardo DiCaprio in The Wolf of Wall Street behaupten. Gleich gegen so einen Hochkaräter ins Feld zu ziehen und als große Siegerin aus Martin Scorseses höchst sündenhaften Biopic zu kommen ist ein Erfolg, gleich im nächsten Film Will Smith gegen die Wand zu spielen zeigt dann, dass diese Frau sich gerade zu einem Most Valuable Player in Hollywood entwickelt. Kein Wunder also dass sie als diabolische Freundin des Batman-Superschurken Joker die von Regisseur David Ayer versammelte Suicide Squad als verrückte Harley Quinn anführen wird. Wo sie denn ebenfalls wieder an der Seite von Will Smith zu sehen sein wird, der sich auf diese zweite Begegnung besser vorbereiten sollte.

In Focus sehen wir Smith als talentierten Trickbetrüger Nicky, der schon seit Jahren im Geschäft ist, ein Lebensinhalt, den er von seinem Vater und dessen Großvater von Generation zu Generation weiter verfolgt hat. Und scheinbar aus Mangel an einem eigenen Sohn nimmt er sich Margot Robbies Jess an, die etwas ungeschickt kleinere Dinger dreht, bei denen sie es meistens lediglich auf Portemonaies und Uhren abgesehen hat. Nicky entlarvt schnell Jess’ schlampige Arbeitsweise, woraufhin sie ihn bittet, sie unter seine Fittiche zu nehmen. Ab hier entwickelt sich die Story um Trickbetrügereien, bei denen niemand niemals irgendwem vertrauen sollte.

Wunderbar von Kameramann Xavier Grobet gefilmt, bewegen sich die Figuren durch ein von Menschen bevölkertes New Orleans, wo wir von oben herab auf die Masse blicken dürfen, während Nicky und Jess ihr Handwerk betreiben. So schnell wie ein Raubzug in Ocean’s Eleven erklärt wird, wirbeln die verschiedensten Langfinger durchs Bild und schmeißen ihre Beute von Kontaktperson zu Kontaktperson. Die Kamera bleibt immer am Ball und zieht uns agil mit durch dieses spaßige Unterfangen. Fast schon möchte man seine Vorstellung von Gut und Böse verlieren und selbst einmal einen Testlauf starten. Aber vermutlich würde man dann gepackt werden und im Gefängnis landen. Eine Gefahr die hier niemals zugegen ist.

Der Film streut überall kleine Informationen, die er allesamt auch wieder verwenden wird: immer gegen uns, immer zu einem Zeitpunkt an dem wir nicht darüber nachdenken. Das liegt – ich wiederhole mich zurecht – am Spiel von Will Smith und Margot Robbie, die uns ganz in ihren Bann ziehen. Wir legen quasi unseren Fokus auf die beiden und vergessen das drumherum. Das ist der Trick den Nicky ganz zu Beginn Jess erklärt. Benutze diesen Fokus um alle Tricksereien parallel an anderer Stelle geschehen zu lassen. Und auch wenn man den Trick kennt, wir fallen während des Films immer wieder auf ihn herein.

Während Focus kommt es einem kurz in den Sinn, dass Will Smith inzwischen gut neben einem George Clooney spielen könnte. Die beiden als Duo auf der Leinwand, das sich mit eloquenten und eleganten Spiel versuchen würden zu übertrumpfen, es wäre eine Freude. Obwohl Clooney noch ein wenig mehr Witz zu versprühen versteht, während Smith zumindest in Focus oft mit starrer Mine spielt – vermutlich ist es nur sein Pokerface.

Aber der wirkliche Schauwert ist denn tatsächlich Margot Robbie, über die man nur staunen kann. wer durch The Wolf of Wall Street noch nicht auf sie Aufmerksam geworden ist, wird es spätestens hier nachholen. Sie spielt auf mehreren Ebenen, wechselt ganz plötzlich zwischen lachend-erfreut zu tieftraurig-weinend zu zornig-wütend. Mit einer solchen Lockerheit zieht sie den Fokus auf sich, dass sie hier ganz schnell vom Schüler zum Meister wird – ob als Jess für Nicky oder als Robbie für Smith, dieses Urteil bleibt jedem selbst überlassen.

Focus läuft seit dem 5. März 2015 in den Kinos.

Habt ihr den Film mit Will Smith und Margot Robbie in den Hauptrollen schon gesehen oder habt ihr noch vor ihn zu sehen? Was erwartet ihr von / oder was haltet ihr von Focus? Schreibt eure Meinungen in die Kommentare und startet die Diskussion. Und nicht das Sternchen vergessen!

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