“Ich habe das Licht am Ende des Tunnels gesehen”. Ein Spruch den man kennt, den aber nicht allzu viele Menschen wirklich sagen können. Und selbst wenn sie ihn aussprechen, hinterfragt man das Gesagte doch ganz gerne. Wenn diese Menschen dem Tode nahe sind, aber doch noch ins Leben zurückgeholt werden können, aber dieses Bild aus dem Jenseits mit sich bringen. Der Tunnel aus Licht, besänftigende Klänge, man ist umgeben von geliebten Personen. Damit spielt auch Regisseur Joel Schumacher in seinem 1990er Sci-Fi Flatliners. Der Tod als Faszination, als unentdecktes Land, das von einer handvoll Medizin-Studierenden erforscht werden möchte.

Diese fünf jungen Menschen wollen den Tod erleben, zurückkehren und davon berichten. “Don’t you wanna be on ‘60 Minutes’?” Einmal in diesem US-Nachrichtenmagazin auftreten, das es immerhin schon seit 1968 wirklich gibt und zu den 50 renommiertesten Fernsehshows weltweit gehört. Ein Auftritt kommt wissenschaftlichen Ruhm und Ehre gleich.

Flatliners
Julia Roberts als Rachel in Joel Schumachers 1990er FLATLINERS

Rachel, die einzige Frau in der Gruppe, scheint noch so etwas wie Verstand zum Einsatz zu bringen: “That’s the wrong reason”, aber ihr Freund und Kollege Nelson erwidert nur “It’s the right idea.”. Ruhm und Bekanntheit über alles, wenn es um junge, von sich selbst überzeugte Wissenschaftler geht.

Nichts kann sie stoppen, deshalb kreieren Nelson (Kiefer Sutherland) und Rachel (Julia Roberts), Dave (Kevin Bacon), Joe (William Baldwin) und Randy (Oliver Platt) ein Experiment, bei dem sie sich selbst in den Zustand des klinischen Todes vesetzten können. Sie machen ihre Erfahrungen im Nachleben und werden höchst kompliziert und nicht immer ohne Komplikationen zurück ins Land der Lebenden geholt.

Joe ist der einzige der Truppe, der sich dem Spiel nicht unterziehen will, während die anderen ein so großes Ego haben, dass sie daraus sogar einen Wettbewerb machen. In einem Mix aus überzeugender Eindringlichkeit, Angst und Überheblichkeit stacheln sie sich an, wer am längsten im Jenseits verbleiben kann. Wer kann dem Tod am längsten in die Augen schauen und trotzdem wieder zurück kommen?

Aber die heile Welt der Wissenschaft bekommt in Flatliners einen übernatürlichen Touch. “We experienced our deaths and somehow we brought our sins back with us.”. Auf einmal haben alle Erscheinungen, Visionen, Tagträume, die ihren Einfluss auf das Leben dieser Menschen nehmen. Sie haben vor den Toren des Himmels gestanden und müssen nun, da sie zurück ins Leben flüchten konnten, dennoch Buße für ihre Sünden tun, Wiedergutmachung für Taten der Vergangenheit abliefern.

Flatliners
Julia Roberts (links),, Oliver Platt (mitte) und William Baldwin (rechts) befördern Kiefer Sutherland (auf dem Tisch) ins Jenseits.

Hier wird aus Flatliners immer wieder Horror. Die Heimsuchungen aus der Vergangenheit bringen eine unheimliche und bedrohlich-anspannende Atmosphäre mit sich. Allein die Umgebung, in der die angehenden Mediziner ihr Experiment immer wieder vollführen: eine alte von Gargoyles bewachte Kirche, die mit traurig-düsteren, wenn auch bunten Fenstergläsern ausgestattet ist, die unheilvolles Licht hinein lassen. Es ist eine Perversion des Glaubens, dass der Tod ausgerechnet vor den Augen Gottes, in dieser heruntergekommenen Kirche betrogen werden soll.

Zugegeben, die sich ständig wiederholende Handlung zu Beginn, wo wir nach und nach miterleben dürfen oder müssen, wie die jungen Erwachsenen sich in ihr Experiment wagen, kann der Story einen Stein in den Weg legen. Dann aber muss man Regisseur Joel Schumacher auch zugestehen, dass er uns jeden neuen Weg ins Jenseits und vor allem die Rückreise  spannend und intensiv miterleben lässt.

Am Ende müssen alle Beteiligten erkennen, dass “Everything we do matters!” Flatliners ist eine großartige Sci-Fi Prämisse, die hier von einem ziemlich gut aufgelegten Ensemble getragen und von Regisseur Schumacher immer wieder in puren Horror verwandelt wird.