Filmkritik

Filmreihe: “Stan Laurel (fast) ohne Oliver Hardy”

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Die BanJoys begleiteten die Filmmatinee “Stan Laurel (fast) ohne Oliver Hardy”

Man mag es kaum glauben, aber die als hierzulande als „Dick & Doof“ bekannten Komiker, gab es auch getrennt voneinander. Vor allem Stan Laurel war lange Zeit bevor er gemeinsame Sache mit Oliver Hardy machte – in anderen Ländern traten sie ganz simpel als „Stan & Oli“ auf – ein bekanntes Gesicht der Stummfilmära. Im Bielefelder Cinestar, dem Zweitsitz des Film+Musikfestes, wurde Stan Laurel eine Filmreihe, bestehend aus fünf Kurzfilmen gewidet: „Stan Laurel (fast) ohne Oliver Hardy“, die Ausnahme bildete „The Lucky Dog“ von 1921. Hier aber sind „Dick & Doof“ nicht etwa als gleichwertige Filmpartner zu sehen, vielmehr ist hier Laurel der Hauptakteur, Hardy übernimmt nur eine kleine Nebenrolle als böswilliger Gangster. Nebenrollen sollte Hardy trotz gleichwertiger Filmauftritte seine ganze Karriere über haben: Doppelt so hohe Gagen kassierte Stan Laurel, da er neben der Schauspielerei für die gemeinsamen Filme auch gleich noch die Drehbücher und die Gags schrieb.

Nun also fünf Filme mit dem Tausendsassa: Der bereits genannte „The Lucky Dog“, zudem „The Sleuth“ und „The Noon Whistle“, ebenso wie „The Pie Eyed“ und „Detained“. Die Zuschauer dürfen insgesamt eineinhalb Stunden mit dem Stummfilmkomiker verbringen, der später allerdings auch im Tonfilm tätig war, er schaffte es seinen Humor über die filmische Wende zu erhalten. Und auch der Murnaugesellschaft hält nach der Wende in eine andere Location, mit Musik von den BanJoys unter der Leitung von Wolfgang Seack und Wolfgang Voss die Qualität der zuvor gezeigten Stummfilme von E.A. Dupont und Buster Keaton. Eine ganze Reihe von wilden Verfolgungsjagden, in allen Laurel-Filmen vorzufinden, amüsiert das Publikum.

Stan Laurel in “The Sleuth”

Angefangen wird mit „The Pie Eyed“, wo ein betrunkener Stan Laurel für Heiterkeit sorgt, erst auf einer Feier in einem Club, dann bei einem Gast Zuhause, dessen Nerven er arg strapaziert. In „Detained“ wird er dann verhaftet, will ausbrechen um der Liebe zur Tochter des Wärters nachzugehen, landet dabei jedoch im Büro des Aufsehers, erneut sorgt er für reichlich Chaos. Nicht anders ergeht es ihm in „The Sleuth“, einer Parodie auf all die Sherlock Holmes Filme. Hier ist Laurel mit der markanten Detektivmütze zu sehen, ermittelt gegen einen untreuen und kriminellen Ehemann, scheut dabei nicht, sich selbst als Frau zu tarnen. Danach wird er zu Tanglefoot in „The Noon Whistle“, einem faulen, dummen und unfähigen Sägewerksmitarbeiter, der von seinem Vorgesetzten zur Arbeit angetrieben werden soll. „The Lucky Dog“ bildet den Abschluss, ein furioses Finale, zum ersten Mal bei dieser Filmreihe sieht man Oliver Hardy, aber auch zum ersten Mal in ihrer Karriere stehen die beiden Männer, Stan und Oli, gemeinsam vor der Kamera. Bereits hier harmonieren die beiden Komiker gut miteinander, wenn sie auch wenig Leinwandzeit teilen – ein filmisch historischer Moment, aus dem Nachhinein betrachtet.

Eines muss man sich dennoch eingestehen, die Zusammenarbeit mit Oliver Hardy hat Stan Laurel gepusht, Kenner ihrer gemeinsamen Werke werden ein wenig die Dynamik vermissen, die Laurel im Zusammenspiel mit seinem späteren Partner entwickelte. Auch im Direktvergleich zu dem am Vortrag gezeigten Buster Keaton wird deutlich, dass Laurel nicht an dessen Einfallsreichtum heranreicht. Umso einfallsreicher haben sich einmal mehr die BanJoys präsentiert, die Begleitkapelle der heutigen Matinee. Bereits im letzten Jahr spielten sie bei der Filmreihe zu „Die kleinen Strolche“, haben nichts von ihrer Originalität eingebüßt, mit Banjo und Beiwerk – da fliegen auch schon mal die Papierfetzen durch die Lüfte – sorgten sie für eine herrliche Atmosphäre im Cinestar Kino.

Denis Sasse
Denis Sasse
Ich schreibe seit 2009 über Filme und habe viele Jahre Hörfunk-Beiträge zu unterschiedlichsten Medieninhalten produziert. Beim Radio durfte ich meine eigene Kino-Sendung planen und moderieren. Irgendwie habe ich ein Studium der Literaturwissenschaft und der Medienwissenschaften dazwischen gequetscht. Jetzt lehre ich an einer Hochschule über Thematiken in den Bereichen Film, Fernsehen, Social Media und Medienpädagogik.

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