Filmkritik

Film+Musikfest 2011 – ‘Moulin Rouge’ von E. A. Dupont

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Der erste Abend des Film+Musikfestes der Bielefelder Murnau-Stiftung begann glamourös mit Ewald André Duponts ‚Moulin Rouge‘. Lange Zeit bevor der australische Regisseur Baz Luhrmann das Pariser Varieté in die filmische Neuzeit holte, widmete sich E. A. Dupont im Stummfilmzeitalter der bunten Lichterwelt im Pariser Montmartre. Zehn Jahre bevor 1928 ‚Moulin Rouge‘ entstand, war Dupont noch mit der Regie an einer zwölfteiligen Detektivserie beauftragt worden. Bereits drei Jahre später entstand mit ‚Die Geierwally‘ einer seiner wohl bekanntesten Filme – aber noch lange nicht der Höhepunkt seiner Karriere. Diesen erreichte er mit dem 1925er ‚Varieté‘, einem Drama im Zirkusmilieu.

Und auch das Moulin Rouge wirkt wie ein Zirkus, mit seinen bunten Farben, seinen vielen Lichtern, seinem Glamour und Glanz – trotz Stummfilm, trotz der schwarz/weiß-Farbgebung. Dupont beweist, dass kein Farbfilm notwendig ist, um das grelle Leben in dem Varieté-Theater zu erleben. Sein Fokus liegt auf der Nachtclubsängerin Parysia und ihrem Liebhaber André, der leider schon mit Parysias Tochter Eve verlobt ist. Es entwickelt sich eine Dreiecksgeschichte, die mal dramatisch, aber auch komisch daherkommt. Vor allem die überzeugend überzeichnete Mimik des André-Darstellers Jean Bradin, danach in Alfred Hitchcocks ‚Champagne‘ zu sehen, entlockt den Zuschauern den einen oder anderen Schmunzler. Duponts Film beweist außerdem, dass der Regisseur in der Lage war, überaus mitreißende und spannende Sequenzen zu filmen. In ‚Moulin Rouge‘ kommt es zu einer Rettungsaktion zu Auto, bei der André seiner Verlobte Eve bei einer waghalsigen Fahrtszene zur Seite steht. Seite an Seite, Auto an Auto fahren sie durch die Nacht, bei rasanter Geschwindigkeit zischen selbst die eingeblendeten Texttafeln an den Augen der Zuschauer vorbei. Der Regisseur verknüpft diese hektisch-panische Szene mit dem stilistischen Einsatz der Texttafeln so hervorragend, dass man seine Blicke nicht von der Leinwand lösen kann und gebannt mit den Protagonisten mitfiebert.

Unterstützt wurde ‚Moulin Rouge‘ an diesem Abend von dem Cinematografischen Orchester von Alex Goldbeck, der mit einer Live-Komposition die bewegten Stummfilmbilder perfekt untermalte. Die varietéhaften Szenen im Moulin Rouge haben von ihm ein eigenes, beschwingtes Thema bekommen, welches mit Wiedererkennungswert gespielt wurde, wenn sich die Tänzerinnen auf der Bühne des Moulin Rouge frivol umher bewegten.

‚Moulin Rouge‘ bildete den gelungenen Auftakt zu dem 2011er Film+Musikfest zu Ehren von Friedrich Wilhelm Murnau. Unter dem Motto “Keine Tabus” wird mit Duponts Werk der Tabubruch einer Dreiecksbeziehung begangen, aber auch ein faszinierender Blick auf die tabubrechende Welt des Varieté-Theaters geworfen.

Denis Sasse

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