Filmkritik

Film+Musikfest 2011 – ‘Lonesome’ von Pál Fejös

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Das Film+Musikfest der Murnau Gesellschaft in Bielefeld hat nun einige Tage pausiert. So hat man den begeisterten Stummfilmfreunden eine kleine Ruhephase zwischen dem vergangenen Wochenende und den Endspurt, der am Donnerstag, den 10. November gestartet ist, gegönnt. Aber mit der Vorführung von Pál Fejös‘ ‚Lonesome‘ – oder ‚Zwei junge Herzen. Eine kleine Episode aus einer großen Stadt‘, so der deutsche Titel – hat man die Zuschauer nun zurück in die musikalische, wortkarge Welt geholt, die lange Zeit vor dem Farb- oder Tonfilm vorherrschte.

Das auch die Verantwortlichen der Murnau Gesellschaft sich bei der Auswahl von Filmen gerne beraten lassen, beweist der inzwischen als Stammgast des Festivals angesehene Daniel Kothenschulte, der den heutigen Abend nicht nur eröffnete, sondern auch den Film ‚Lonesome‘ für das diesjährige Programm vorschlug und ihn am Piano mit Live-Musik begleitete. Kothenschulte ist Filmkritiker für die Frankfurter Rundschau, Filmwissenschaftler und Stummfilmpianist. Und vorweg sei gesagt: Seine Empfehlung hat sich als wahrer Schatz herausgestellt. ‚Lonesome‘ muss nicht als schmalzige Liebesgeschichte verstanden werden, sondern hat mehr Lacher als Tränen im Publikum hervorgerufen.

In erster Linie sind es die beiden Hauptdarsteller Barbara Kent, die am 13. Oktober dieses Jahres im Alter von 103 Jahren verstorben ist, und Glenn Tryon, die durch ihr Schauspiel, ihre Mimik und ihre gemeinsame Chemie für gute Unterhaltung vor der Kulisse von Coney Island sorgen. Sie spielen die beiden Fabrikarbeiter Jim und Mary, die sich auf einer Busfahrt nach Coney Island kennen- und auf dem Rummel lieben lernen. Natürlich läuft daraufhin nicht alles reibungslos ab – die beiden verlieren sich wieder, suchen einander um am Ende das Happy End zu zelebrieren.

Beeindruckend hat der Regisseur mit seinen Kulissen gespielt. Allen voran der Schauplatz Coney Island, der als riesiger Rummel ein Getümmel von Menschen beherbergt, in dem man sich nur verlieren und einsam – ‚Lonesome‘ – fühlen kann. Aber auch eine unheimliche Gewitterszenerie, die über der Stadt zum Ausdruck gebracht wird, mutet gefährlich und unheimlich an – diese Bilder verfehlen nicht ihre Wirkung, sie sind eindringlich und unterstreichen die angsteinflößende Einsamkeit des Moments.

Nach der Liebesdreiecksbeziehung, die in ‚Moulin Rouge‘ im Mittelpunkt stand, bietet ‚Lonesome‘ einen etwas amüsanteren, dennoch einsamen Blick, auf den Menschen, der allein durch die Welt wandelt und in alltäglichen Routineabläufen in der Masse untergeht. Aber Pál Fejös hat hier keine finstere Schreckensvision inszeniert, sondern eben eine heitere Episode im Trubel der Großstadt, die mit einem Happy End beendet wird.

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