Filmkritik

“Planet der Affen: Prevolution” von Rupert Wyatt

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1968 fand sich Charlton Heston an der Freiheitsstatue wieder und entdeckte, dass der Planet der Affen eigentlich die Erde war. 2001 war es das Lincoln Memorial, das von Mark Wahlberg in einem wenig beachteten Remake als Indiz für die Erde herhalten musste. Wer auch immer wo auch immer entdeckte, dass die Affen die Herrschaft über die Erde übernommen haben, bis zum heutigen Tage war niemanden bewusst, wie es soweit kommen konnte. Hier kommt Regisseur Rupert Wyatt ins Spiel, der James Franco in ‚Planet der Affen: Prevolution‘ die Schuld für die menschliche Dystopie in die Schuhe schiebt.

John Lithgow & James Franco

Franco spielt Will Rodman, einen jungen, engagierten Wissenschaftler, der Heilmittel für Menschen erforscht. Ein vielversprechendes Mittel gegen Alzheimer, in das Will seine ganzen Hoffnungen setzt, da er hiermit seinen Vater (John Lithgow) heilen möchte, testet er in einem hoch modernen Labor an Schimpansen. Ein besonderer Affe namens Caesar (Andy Serkis) wächst ihm dabei ans Herz. Das Mittel scheint auch zu funktionieren. Doch plötzlich ruft es – sowohl bei den Schimpansen, als auch bei den Menschen – ganz andere, unerwartete Reaktionen hervor.

Wo James Franco in ‚127 Hours‘ noch im alleinigen Mittelpunkt stand, ist es hier der am Computer entstandene Menschenaffe Caesar, dem die ganze Aufmerksamkeit zu Teil wird. Die menschlichen Darsteller wirken wie fades Beiwerk, das dem Film angehängt werden musste. Franco selbst darf den Urheber der menschlichen Apokalypse darbieten und sein Vater, gekonnt gespielt von John Lithgow, ist durch seine Alzheimer-Erkrankung die treibende Kraft hinter den Experimenten seines Sohnes. Freida Pinto ist derweil das Gewissen, welches lediglich durch moralische Sprüche in Szene tritt und David Oyelowe, Tom Felton und Brian Cox dürfen noch einmal klar stellen, dass die Menschen eine durch und durch böse Rasse darstellen.

Freida Pinto

Zu mehr sind die Menschen im Film dann aber auch nicht zu gebrauchen. Der Fokus liegt auf den Affen – verständlich, wo doch die Geschichte erzählt werden soll, wie sie auf der Erde an die Macht kommen. Hier weiß die ausgereifte Technik auf sich Aufmerksam zu machen, die die Affen sehr schön in Szene setzt, ohne dass diese zu sehr in eine fantastische Richtung abdriften. Dennoch wird dem Zuschauer jederzeit bewusst sein, dass dort keine realen Affen agieren. Andy Serkis hat sein Bestes gegeben, nach King Kong erneut in die Rolle eines Primaten zu schlüpfen. Seine Arbeit darf als zufriedenstellend betrachtet werden. Vielleicht sogar als ein wenig mehr als nur zufriedenstellen. Denn die emotionalsten Sequenzen gehören eindeutig dem Computer-Affen, was schon als beachtliche Leistung gewertet werden sollte. Wo sich die Schauspieler aus Fleisch und Blut zwar in ihren Rollen einfinden, ist es Ceasar, der die Emotionalität hervorruft. Das künstliche Element des Filmes weiß also mehr die Gefühle der Zuschauer anzusprechen, als die Darsteller. Damit wird nicht nur der Fortschritt innerhalb des Filmes bedenklich, sondern auch die Technik, mit welcher ‚Planet der Affen: Prevolution‘ realisiert wurde.

Aber natürlich geht es auch in der Filmwelt nicht ohne Fortschritt. Das ein erneuter Versuch Schauspieler in Affenkostüme zu stecken scheitern würde, hat Tim Burton 2001 mit seiner Version von ‚Planet der Affen‘ demonstriert. Wo Burton allerdings mit einem schwachen Remake daherkam, schafft es Wyatt hier eine simpel gestrickte, dennoch offenbarende Vorgeschichte abzuliefern, bei der zeitgleich dem Original Tribut gezollt wird. Achtet man am Rande auf Nebensächlichkeiten, so wird man im Fernsehen den Start einer Raumfähre zum Mars bemerken, sowie die Zeitungsschlagzeile, dass eben diese Raumfähre im All verschollen ist. Wenn diese Herren also je zur Erde zurückkehren werden, so würden sie sicherlich auf dem ‚Planet der Affen‘ landen.

Der Film bietet kurzweilige Unterhaltung, die zumindest keine Langeweile erzeugt. Die technischen Begebenheiten sind dennoch mit Skepsis zu betrachten, da sie – trotz allem vorherigen Lob – den Zuschauer in die Irrealität schicken. Den Affen sieht man an, dass sie nicht echt sind und dieser Wahrnehmung muss man gar nicht entgegen arbeiten. Die Schauspieler geraten in den Hintergrund, umso interessanter ist es aber, den langsam inszenierten Aufstand der Affen zu beobachten.

Denis Sasse

’Planet der Affen: Prevolution’

Originaltitel: Rise Of The Planet Of The Apes
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2011
Länge: ca. 105 Minuten
Regie: Rupert Wyatt
Darsteller: James Franco, Andy Serkis, Freida Pinto, John Lithgow, Brian Cox, Tom Felton, David Oyelowo, Tyler Labine, David Hewlett, Ty Olsson

Deutschlandstart: 11. August 2011
Offizielle Homepage: planetderaffen-prevolution.de/

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