Filmkritik

“Super” von James Gunn

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Mit ‚Kick-Ass’ machte Regisseur Matthew Vaughn im April 2010 einen normalsterblichen Bürger zum Superhelden samt Kostüm. Diesem Vorreiter folgt James Gunn („Slither“, 2006) mit seinem Film „Super“, der im April dieses Jahres in ausgewählten Kinos in den Vereinigten Staaten gezeigt wurde und im August seine DVD Premiere feiern wird. In den Hauptrollen spielen „The Office“-Darsteller Rainn Wilson und Ellen Page („Juno“) als sein Sidekick.

Rainn Wilson ist hier als Frank zu sehen, ein Mann der seine Frau (Liv Tyler) an einen Drogendealer (Kevin Bacon) verloren hat. Mit einem Schraubenschlüssel bewaffnet wird Frank zum Crimson Bolt. Gemeinsam mit der vorlauten Teenagerin Libby (Ellen Page) zieht er gegen das Verbrechen in den Krieg, verfolgt als großes Ziel aber die Zurückeroberung seiner Frau.

Kevin Bacon & Rainn Wilson

Mit „Super“ schickt Gunn einen Superhelden-Film der realistischen Kategorie ins Rennen, der vor allem durch Wilsons Darstellung des absoluten Verlierers zu unterhalten weiß. Musste man zuvor seine filmische Karriere mit „Rocker“ (2008) noch skeptisch begutachten, bleibt hier kein Zweifel offen, dass Rainn Wilson nicht nur im komödiantischen Bereich über Talent verfügt. Hier ist er der vom Leben gebeutelte Loser, der sich durch das Fernsehprogramm beeinflussen lässt. Sei es der Holy Avenger (Nathan Fillion), der Gott in die Köpfe der Menschen zurückführen möchte oder ein Tentakel-Anime: Die Dinge, die Frank im Fernsehen aufnimmt, manifestieren sich kurz darauf auch in seinen Tagträumen. Stereotyp könnte man seine Figur des Frank in die Schublade der psychisch kranken Kinder ohne vernünftige Erziehung, dafür mit einem Leben voller Enttäuschungen stecken.

„All it’s take to be a superhero is the choice to fight evil“ lautet der Satz, der die Taten und das Vorgehen von Frank legitimieren sollen. Wo der verzweifelte Frank mit seinem Leben nichts anzufangen weiß, ist Crimson Bolt die Selbstüberzeugung in Person. Mit Selbstbewusstsein übt er Selbstjustiz aus, die aber vom Zuschauer auch immer wieder angezweifelt werden darf. Nie wird er als der Held dargestellt, den er versucht zu verkörpern. Gemeinsam mit seinem Sidekick in Form von Ellen Page, wirken die zwei Draufgänger eher wie Psychopathen die ihren zerstörerischen Weg durch die Stadt suchen. Natürlich ziehen sie gegen Ehebruch, Drogen, Diebstahl und Kinderprostitution in den Krieg, die Vorgehensweise bleibt dabei allerdings eher martialisch. Und gerade bei Ellen Pages Libby, die einen Jungen erschlagen will, weil dieser sich nicht für sie interessiert hat und Frank sogar eine Vergewaltigung durch seinen Sidekick droht, bleibt die Frage offen, ob sie wirklich zu den Guten gehört.

Ellen Page

Frank und Libby durchleben dabei die typischen Stationen eines Comicbuches. Es wird die Entstehungsgeschichte beider Figuren gezeigt, die erste Konfrontation zwischen dem Helden und dem Gegenspieler. Frank durchlebt die Zweifel an seinem Superhelden-Dasein, startet eine wenig erfolgreiche Attacke gegen seinen Widersacher und muss mit dem Rückschlag fertig werden. Seine geheime Identität wird entblößt und es kommt zum großen Finale, welches nicht ohne Opfer auskommen wird.

„Super“ ist sicher keine Komödie. Hier sollte sich der Zuschauer nicht von den Namen auf der Besetzungsliste täuschen lassen. Zwar hat vor allem Ellen Page die Lacher auf ihrer Seite, aber umso mehr überzeugt Rainn Wilson als tragischer Held. Regisseur James Gunn hat hier einen Film erschaffen, bei dem der Zuschauer am Ende eher verstört als amüsiert sein dürfte, da die Erwartungen im Vorfeld in eine komplett anderen Richtung gelenkt wurden. Wer sich „Super“ anschaut, sollte sich der bizarr-brutalen Handlung bewusst sein.

Denis Sasse

‘Super‘

Originaltitel: Super
Altersfreigabe: noch nicht beurteilt
Produktionsland, Jahr: USA, 2010
Länge: ca. 90 Minuten
Regie: James Gunn
Darsteller: Rainn Wilson, Ellen Page, Liv Tyler, Kevin Bacon, Linda Cardellini, Nathan Fillion

Deutschlandstart: nicht bekannt
Offizielle Homepage: thecrimsonbolt.com/

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