Filmkritik

“Rango” von Gore Verbinski

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Eben noch für einen Academy Award nominiert, darf der deutsche Komponist Hans Zimmer nun mit mexikanischen Westernklängen in ‚Rango‘ für stimmige Atmosphäre sorgen. In dem Film von Regisseur Gore Verbinski ist alles auf den titelgebenen Helden zugeschnitten. Mit Hawaii-Hemd bekleidet begibt sich Rango auf eine Reise durch die trockene Wüste Nevadas. Gesprochen wird das Chameleon mit Identitätskrise von Johnny Depp, der damit erneut mit dem ‚Fluch der Karibik‘-Regisseur zusammenarbeiten darf.

Aber im Gegensatz zu Captain Jack Sparrow, ist das Chameleon Rango weit davon entfernt ein draufgängerischer Held zu sein. Er wäre so gerne cool, unberechenbar, selbstbewusst und geheimnisvoll. Sein Alltag im Terrarium gestaltet sich aber eher öde. Nur zufällig wird Rango seiner Behausung entrissen und landet inmitten der wilden Wüste der Realität, wo er gegen Greifvögel, fiese Echsen und Klapperschlangen bestehen muss. Er findet sich in einer kleinen Stadt namens Dreck wieder, in der er kurzerhand zum Sheriff ernannt wird, um gleich mehrere Probleme für die Dorfbewohner zu klären.

Was bei ‚Rango‘ zuallererst auffällt, ist die visuelle Ähnlichkeit zu ‚Fear & Loathing in Las Vegas‘ und Johnny Depps damaliger Rolle als Raoul Duke. Ebenso ähnlich schwankt das Chameleon dann auch durch die Handlung des Filmes, wirkt wie ein deplatzierter Träumer, fernab von seiner heilen Terrariumswelt, überfordert mit dem harten Leben in der heißen Wüste. Wem diese Nähe zu Regisseur Terry Gilliams Film aus dem Jahre 1998 noch nicht ausreicht, dem wird eventuell der animierte Gastauftritt der beiden Figuren Raoul Duke sowie dessen Anwalt Dr. Gonzo vielleicht umstimmen. In einer Sequenz zu Beginn des Filmes, erweist Rango den beiden Reisenden einen kurzen Besuch auf dessen Windschutzscheibe. Und auch Fledermäuse spielen in ‚Rango‘ erneut eine wichtige Rolle, so das viele kleine Indizien darauf hinweisen, dass man dieses Animationsabenteuer in der selben filmischen Realität wie ‚Fear & Loathing in Las Vegas‘ angesiedelt sehen möchte.

Rango

Dabei steuert Verbinski seinen kleinen Rango als Lügenbaron von zu Münchhausen durch die Handlung. Der dazugehörige Film über den wahren Baron stammt im übrigen ebenfalls von Regisseur Terry Gilliam, bei dem man sich anscheinend mehr als einmal bedient hat. Ansonsten gestaltet sich der eigentliche Plot um die Charakterentwicklung des Chameleons als wenig originell. Einmal mehr bedient man sich der Problematik einer Figur, die selbst nicht weiß, wo im Leben ihr Sinn und ihr Ziel liegt, die sich selbst nicht in eine Schublade stecken kann. Bei Rango äußert sich dies durch sein Hang zum Schauspiel. Er schlüpft in die unterschiedlichsten Rollen, entflieht der Realität, begnügt sich mit der trauten Zweisamkeit mit einer kopflosen Puppe. Er nimmt sein Leben so hin wie es ist, bis zu dem Moment, wo er durch Andere gefordert wird. Du bist nicht das, was du vorgibst zu sein, sondern das, was andere in dir sehen. Und egal was du vorspielst, den wahren Kern wird man immer erkennen. Und so schenken auch die Dorfbewohner Rango ihr Vertrauen, die in dem Neuankömmling ihre Erlösung sehen, ihn zum Sheriff machen und an seine guten Taten glauben. Und erst dieser Glaube, den Andere ihm entgegenbringen, zeigt Rango wer er wirklich ist. ‚Rango‘ ist die Legitimation für Geschichtenerzähler und Träume. Hier gibt es noch Helden und Legenden. Sie treten an gegen die Geschäftsleute, die versuchen mit Geld (oder in diesem Falle mit Wasser) die Welt zu regieren.

Aber so philosophisch wie diese Message auch klingen mag, legt ein Regisseur wie Gore Verbinski natürlich auch sehr viel Wert auf actionreiche Unterhaltung. Nicht zuletzt durch seine ‚Fluch der Karibik‘-Trilogie hat er sich als Freund von Action/Humor-Kombinationen erwiesen. Mit einer wahnwitzigen Verfolgungsjagd in einem Canyon, bei dem Fledermäuse als scharfschießende Flugzeuge für eine Horde wildgewordener Maulwürfe herhalten müssen, wird eben diese Action wunderbar praktiziert. Aber dieses Tempo kann nicht durchgehalten werden. Vor allem zur Hälfte des Filmes kämpft ‚Rango‘ mit einem Durchhänger. Sowohl die Handlung gerät ins Stocken, aber auch die Dialoge können nicht immer überzeugen. Zum Finale wird dann aber wieder hochgeschaltet, die Figuren treffen sich High-Noon zum großen Showdown. Hier treten dann die großen Western-Legenden im Duell gegeneinander an.

‚Rango‘ hätte ein wenig mehr Tempo und Witz vertragen. An einigen Stellen zeigt der Film, dass er es durchaus schafft die erforderliche Unterhaltsamkeit an den Tag zu legen. Leider rutscht der Film aber immer wieder in langweilige Dialoge ab, die nicht den Erwartungen an einer Gore Verbinski/Johnny Depp-Zusammenarbeit erfüllen. Immerhin ist ‚Rango‘ ein Animationsfilm, der dem Western-Genre alle Ehre macht. Freunde der typischen Elemente des klassischen Western-Filmes, ob Duelle, karge Landschaften, zwielichtige Banditen oder die obligatorische Western-Stadt, werden hier rein visuell auf ihre Kosten kommen.

Denis Sasse

‘Rango’

Originaltitel: Rango
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2010
Länge: ca. 107 Minuten
Regie: Gore Verbinski
Originalsprecher: Johnny Depp, Isla Fisher, Abigail Breslin, Alfred Molina, Bill Nighy, Timothy Olyphant, Ray Winstone

‘Rango‘ läuft seit dem 3. März 2011 in den deutschen Kinos.

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