Filmkritik

“Prom – Die Nacht deines Lebens” von Joe Nussbaum

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Disney hat mit seiner ‚High School Musical‘-Trilogie bewiesen, dass man den Alltag im amerikanischen Schulsystem unterhaltsam auf die Leinwand bringen kann – obwohl die ersten beiden Ausflüge von Zac Efron, Vanessa Hudgens und ihren Kollegen auf dem Disney Channel als Fernsehpremieren stattfanden, überzeugte der Abschlussfilm rund um die singenden und tanzenden Teenager im Kino immerhin ein großes Publikum, welches dem Film bei Produktionskosten von 13,3 Millionen US Dollar ein Gesamteinspielergebnis von über 90 Millionen bescherte. Wie soll man einen solchen Erfolg wiederholen? Vielleicht mit einem herkömmlichen Erfolgsrezept: In ‚Prom – Die Nacht deines Lebens‘ bedient sich der Disney Konzern erneut der High School als Handlungsort und versucht sich an einer Art ‚10 Dinge die ich an dir hasse‘, bleibt dabei allerdings weit hinter dem Original und sogar hinter der dazugehörigen Fernsehserie zurück.

Nolan Sotillo & Danielle Campbell

Es sind wieder einmal eine ganze Reihe von Jugendlichen, die in die Welt von Disney eintauchen dürfen, um ein breites Spektrum an unterschiedlichsten Schicksalen abzuliefern. Da wäre Nova, die sich mitten in den Vorbereitungen für den langersehnten Abend befindet. Es geht um den Schulabschlussball, auch Prom genannt. Doch durch einen Unfall wird die liebevoll gebastelte Dekoration zerstört. Ausgerechnet Jesse, ein motorradfahrender, arroganter Rocker, wird vom Schuldirektor dazu verdonnert, Nova beim schnellen Wiederaufbau zu helfen. Parallel betrügt Tyler seine Freundin Jordan mit Simone, in die wiederum Lucas unsterblich verliebt ist. Die fleißige Mey traut sich nicht, ihrem jahrelangem Freund Justin zu sagen, dass sie die Zusage einer fernen Universität bekommen hat und dadurch nach dem Abschluss wegziehen wird. Lloyd hat immer Pech mit den Mädchen. Er versucht auf die verschiedensten verrückt-romantischen Arten eine Begleitung für den Abschlussball zu gewinnen.

All diese Handlungsstränge werden in der Eröffnungssequenz zu ‚Prom‘ losgetreten. Bereits in den ersten zehn Minuten macht Regisseur Joe Nussbaum – für wenig unterhaltsame Filme wie ‚Sydney White‘ oder ‚American Pie präsentiert: Nackte Tatsachen‘ verantwortlich – klar, welche Richtung der Film einschlagen wird. Er zeigt auf, welche Figur was für ein Happy End zu erwarten hat. Dabei lässt er jedwede Überraschung aus, orientiert sich am Schema F, welches erstaunliche Ähnlichkeiten mit der 1999er Komödie ‚10 Dinge die ich an dir hasse‘ von Gil Junger aufweist. Da wäre die (hier nicht ganz so) widerspenstige Nova, die vom langhaarigen Rebellen Jesse fasziniert wird, dessen Look erstaunlich Nahe an Heath Ledgers Patrick Verona erinnert. Nicht zuletzt darf der Serien-Cameron James-Darsteller Nicholas Braun, im Film wird seine Figur von Joseph Gordon-Levitt verkörpert, hier seine Rolle als trotteliger Anti-Frauenschwarm wieder aufgreifen, so dass die Parallele zum großen Vorbild noch deutlicher zu spüren ist.

Yin Chang & Jared Kusnitz

Wo sowohl im Kino, als auch auf den heimischen Bildschirmen ‚10 Dinge die ich an dir hasse‘ mit guten Darstellern wie Heath Ledger, Julia Stiles, Joseph Gordon-Levitt oder ihren Serienäquivalenten Ethan Peck, Lindsey Shaw und Meaghan Jette Martin aufwarten konnte, plagt sich ‚Prom‘ mit einer Reihe von blassen Darstellern herum, die ihr Handwerk noch im Begriff sind zu lernen. In ‚Scream 4‘ noch auf den unteren Rängen der Besetzungsliste, muss Aimee Teegarden den Film fast gänzlich zusammenhalten, was ihr neben Thomas McDonell (‚The Forbidden Kingdom‘), DeVaughn Nixon (‚MacKenzie Falls‘ & ‚Sonny Munroe‘), Danielle Campbell (‚Prison Break‘), Yin Chang (‚Gossip Girl‘), Jared Kusnitz (‚The Secret Life Of The American Teenager‘) und Nolan Sotillo (‚Corey And Lucas For The Win‘) kaum gelingen mag.

Es hätte ein willkommender Ausflug auf die Fernsehbildschirme werden können, für die große Leinwand fehlt jedoch allen Beteiligten – Schauspielern wie auch Regisseur Nussbaum und Drehbuchautorin Katie Wech – die Erfahrung: Sie arbeiten ohne Spannungsbogen, ohne Glaubhaftigkeit. Das Drehbuch wirkt wenig Originell, ein benötigter Witz der Handlung bleibt aus, das Drama um den Schulball bildet das zu ernst inszenierte Thema des viel zu lang wirkenden Kinofilms. Wo ‚High School Musical 3‘ die Gemeinsamkeit zum Schulende mit fröhlichen Songs anstimmte, möchte in ‚Prom‘ niemals wirklich gute Laune aufkommen, denn viel zu sehr ist der Film damit beschäftigt, die Missstände der verschiedenen Figuren aufzuzeigen, nur um am Ende bei einem letzten Prom-Tanz die vermeintliche Idylle wieder herzustellen, die aber eigentlich gar nicht existiert: Denn es wird trotzdem zu der meilenweiten Trennung durch den Wechsel auf ein College kommen, mehrere Damen verlassen, von ihrem Freund betrogen, den Abend alleine und die unterschiedlichen Pärchen, die dann doch gemeinsam auf der Tanzfläche landen, dürften von ihrer Figurenzeichnung so verschieden sein, dass man ihnen im realen Leben keinen Monat friedlicher Gemeinsamkeit zutrauen möchte.

Mit ‚Prom‘ hat Disney ein langweiliges High School Debakel fabriziert, welches mit über eineinhalb Stunden Laufzeit zur Qual wird. Die Probleme der Jugendlichen wirken konstruiert, wenig erfrischend, einfach nur langweilig. Bei all den Figuren hätte der Fokus auf einer Figur liegen müssen, mit der sich der Zuschauer zumindest ansatzweise identifizieren möchte, was jedoch gänzlich ausbleibt. ‚Prom – Die Nacht deines Lebens‘ könnte für diejenigen zur Langeweile des Lebens werden, die sich hierfür in den Kinosessel bequemen möchten. Hiervon wird an dieser Stelle abgeraten.

Denis Sasse

‘Prom – Die Nacht deines Lebens‘

Originaltitel: Prom
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2011
Länge: ca. 103 Minuten
Regie: Joe Nussbaum
Darsteller: Aimee Teegarden, Thomas McDonell, DeVaughn Nixon, Danielle Campbell, Yin Chang, Jared Kusnitz, Nolan Sotillo, Cameron Monaghan, Kylie Burnbury, Joe Adler, Nicholas Braun

Deutschlandstart: 25. August 2011
Offizielle Homepage: Disney.de/prom/

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