Filmkritik

“Paul – Ein Alien auf der Flucht” von Greg Mottola

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Simon Pegg und Nick Frost dürfen sich gerne das dynamische Duo der Filmwelt nennen. 2004 machten sie auf der großen Leinwand zum ersten Mal gemeinsame Sache. Damals inszenierte Regisseur Edgar Wright (‚Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt‘) ihr Erstlingswerk ‚Shaun of the Dead‘, eine Parodie – zugleich aber auch Hommage – an den Zombie-Film. Drei Jahre später übernahm Edgar Wright erneut die Regie bei ‚Hot Fuzz‘, in dem Pegg und Frost den Buddy-Cop-Movie auf die Schüppe nahmen und damit nicht minder erfolgreich waren. Bei ihrer dritten Kollaboration ‘Paul‘ hat sich einiges geändert. Zwar sind die beiden Briten erneut für das Drehbuch verantwortlich, dieses Mal hat aber Greg Mottola (‚Superbad‘, ‚Adventureland‘) auf dem Regie-Stuhl Platz genommen. Außerdem hat es die beiden Nerds aus ihrem heimischen Großbritannien herausgerissen und in die USA verschlagen, wo sie es mit einem CGI-Alien zu tun bekommen.

Dabei spielen die beiden Schauspieler eigentlich sich selbst, nur mit anderen Namen: Graeme (Pegg) und Clive (Frost) sind beste Freunde, hartgesottene Nerds und unverbesserliche Comic-Junkies. Nach dem Besuch der Comic-Con in San Diego pilgern sie ins UFO-Mekka von Nevada – zur Area 51. Doch nicht einmal in ihren kühnsten Träumen hätten die beiden Sci-Fi-Fanatiker mit einer echten Alien-Entführung gerechnet. Nach der Begegnung mit dem Außerirdischen Paul, schnappt dieser sich ihr Wohnmobil und nimmt sie mit auf den Trip ihres Lebens. Dabei stellt sich heraus, dass Paul bereits seit 60 Jahren in der Geheimbasis herumlungert und jetzt auf der Flucht ist. Verfolgt vom FBI und vom Vater einer jungen Frau, die unfreiwillig Teil der ungewöhnlichen Truppe geworden ist, hecken Graeme und Clive einen Plan aus, wie sie Paul zu seinem Mutterschiff zurückbringen können.

Jason Bateman

Wenn man dem Film etwas anmerkt, dann ist es seine Amerikanisierung. Die aber wesentlich schlimmer hätte ausfallen können. Zwar begeben sich Simon Pegg und Nick Frost in die Hände eines großen Filmstudios um zum ersten Mal in den USA gemeinsame Sache zu machen, aber das merkt man hauptsächlich nur daran, dass der Humor dem Publikum angepasst wurde. Wo die Harmonie und das Zusammenspiel bei den beiden Hauptdarstellern in keiner Weise unter dieser Umgestaltung zu leiden hatte, sind es die Nebenfiguren – Jason Bateman, Kristen Wiig, Bill Hader, Sigourney Weaver – die den Film weniger Britisch, deswegen aber nicht minder unterhaltsam, werden lassen. Ansonsten bietet ‚Paul‘ aber eine gesunde Mischung aus Selbstironie, dem Spiel mit dieser amerikanischen Version einer eigentlich britischen Komödie und Science-Fiction Nerdtum.

Das harmonisierende Zusammenspiel von Simon Pegg und Nick Frost wird dabei immer wieder durch das Vorurteil der Homosexualität aufs Korn genommen. Das Alien Paul – im Original von Seth Rogen (‚The Green Hornet‘) gesprochen und zum Leidwesen aller in der deutschen Übersetzung von ‚Ärzte‘-Bandmitglied Bela-B – spielt wiederum mit den typischen Vorurteilen der Menschen gegenüber Aliens. Und überhaupt werden reichlich Vorurteile aufgerollt, die aber geschickt immer in das genaue Gegenteil umgekehrt werden. Sei es das gefährliche Alien, die schwulen besten Freunde, der knallharte FBI-Agent oder die draufgängerischen Hillbillys. Hier darf man gerne jede Figur hinterfragen.

Am meisten Spaß werden jedoch Science-Fiction-begeisterte Film-Nerds an ‚Paul‘ haben. Angefangen von der San Diego Comic-Con, die hier filmisch verarbeitet wird, über Anspielungen auf die Entstehung von ‚E.T.‘, aus dem bewusst Szenen geklaut wurden, was später wiederum mit einem Beratungsgespräch Pauls mit dem Regisseur Steven Spielberg erklärt wird oder der Alien-Jägerin Sigourney Weaver, die ihre Schlagkraft aus den ‚Alien‘-Filmen wieder hervorholen darf um ‚Paul‘ in ihre Finger zu bekommen – an Anspielungen mangelt es diesem Film sicherlich nicht. Insofern gibt es eine Menge zu entdecken. Das allein macht ‚Paul‘ zu einem würdigen Nachfolger in der Pegg/Frost-Filmserie.

Nick Frost, Kristen Wiig, Simon Pegg

Ein Makel wiederum ist Paul selbst. Jede der menschlichen Figuren hat ihre eigenen Ecken und Kanten, ihre Laster, ihre Daseinsberechtigung. Paul fungiert derweil nur als herkömmliches Alien, das dazu genutzt wird, die Handlung voranzutreiben. Er ist etwas unkonventionell – kifft, trinkt und macht gerne Party – aber bleibt letztendlich doch eher eine blasse Figur im Vergleich zu seinen Kollegen aus Fleisch und Blut. Wo Jason Bateman den knallharten, undurchsichtigen FBI-Mann gibt, Kristen Wiig als fluchtende Gottesgläubige auftaucht oder Bill Hader den besessenen Volltrottel verkörpert, ist Paul einfach Paul. Ein Alien auf der Erde. Mehr gibt es zu ihm eigentlich nicht zu sagen.

Aber keine Angst vor ‚Paul‘. Fans der Filme von Simon Pegg und Nick Frost werden hier dank der beiden Briten voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Über den CGI-animierten Paul lässt sich hinweg sehen. Ansonsten schafft es der Film durch die Kombination einer ganzen Reihe von durchgeknallten Figuren einen Charme zu erzeugen, der in den Händen von anderen Komödien-Darstellern wahrscheinlich untergegangen wäre, hier aber voll zur Geltung kommt.

Denis Sasse

‘Paul – Ein Alien auf der Flucht‘

Originaltitel: Paul
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: E/F/USA/GB, 2010
Länge: ca. 104 Minuten
Regie: Greg Mottola
Darsteller: Simon Pegg, Nick Frost, Jeffrey Tambor, Jane Lynch, Jason Bateman, Bill Hader, Sigourney Weaver, David Koechner, Seth Rogen (als Paul)

Deutschlandstart: 14. April 2011
Offizielle Homepage: Universal Pictures‘ Paul/

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