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“Johnny English – Jetzt erst recht” von Oliver Parker

Manche mögen sagen, dass der britische Schauspieler Rowan Atkinson in Fernsehserien wie „The Black Adder“ oder natürlich in seiner Paraderolle als Mr. Bean in den neunziger Jahren groß geworden ist. Das mag auch durchaus stimmen, aber eigentlich ist Atkinson geboren um in die Rolle eines britischen Geheimagenten zu schlüpfen. Immerhin war er 1983 an der Seite von James Bond in „Sag niemals nie“ mit Sean Connery zu sehen. Vor acht Jahren durfte er zum ersten Mal selbst Agent sein: Johnny English, der ähnlich wie sein großes Vorbild schnelle Autos fährt und mit gefährlichen Gadgets ausgestattet auf die Jagd nach Bösewichten geht. „St. Trinian’s“-Regisseur Oliver Parker hat nun den zweiten Teil in Szene gesetzt. In „Johnny English – Jetzt erst recht“ wird der MI-7 Agent aus dem Exil zurückgeholt um einen Maulwurf innerhalb der Organisation zu enttarnen.

Zwar hat English bei seinem letzten Auftrag fast selbst das britische Königreich in Schutt und Asche gelegt, aber nach vielen Jahren in einem tibetanischen Shaolin-Kloster, vertraut man dem Agenten wieder einen Auftrag an. Geschult in der hohen Kunst des Nahkampfs, vorbereitet auf jeden erdenklichen Schmerz und bewaffnet mit einem ganzen Arsenal von technischem Schnickschnack, wirft er sich einer internationalen Killerbande entgegen, die es auf einen chinesischen Staatsmann abgesehen hat. Ihm bleiben nur wenige Tage, die Verschwörung aufzudecken, die sich nicht nur durch die Ränge des MI-7 zieht, sondern auch von KGB und CIA.

Rowan Atkinson

Rowan Atkinson kann man als britische Version eines jungen Jim Carrey bezeichnen, der seinen Humor aus den Grimassen nimmt, die bei Atkinson weitaus weniger lächerlich aussehen, wie einst bei „Ace Ventura“ oder „Dumm & Dümmer“. Dennoch bleibt auch Johnny Englishs zweiter Ausflug auf die große Leinwand eine Enttäuschung. Was Atkinson bereits mit Mr. Bean nicht gelungen ist – die kurzen Fernsehepisoden auf ein Kinoformat auszuweiten – möchte auch in dieser Persiflage des britischen Agentenfilms nicht gelingen. Rowan Atkinson brilliert, wenn er kurze, thematische Sketche präsentieren darf, durch die er mit Mr. Bean in Deutschland bekannt geworden ist. Was haben wir am Boden gelegen und gelacht, wenn er versucht hat einen Truthahn zuzubereiten – kurz und für die Lachmuskeln schmerzhaft. Aber diese Zeiten sind vorbei. Johnny English kann sich nicht einmal gegen Maxwell Smart behaupten, den trotteligen Geheimagenten, der in den Sechzigern von Mel Brooks und Buck Henry für die Fernsehserie „Mini-Max“ entwickelt und 2008 von Steve Carrell in der Kinoversion zum Leben erweckt wurde.

Dabei orientiert sich der Film an einem erfolgreichen Franchise: Mit einem Rolls Royce bekommt English einen exquisiten Wagen an die Hand, Schauplätze in London, Hongkong und der Schweiz sorgen für abwechslungsreiche Szenerien und selbst der Vorspann wurde ähnlich visuell aufwendig gestaltet wie es bei den Bond-Filmen Gang und Gebe ist. Dann rechnet der Film aber auch direkt mit diesen Motiven ab, wenn es heißt „Waffen, Frauen und Chauvinismus sind alt“, wo selbst die neuen Bond-Filme eher mit Faustkämpfen aufwarten und die Frauen oftmals zielstrebiger und härter zur Sache gehen als die männlichen Hauptdarsteller, möchte man diesem Ausspruch sogar Glauben schenken.

Johnny English mit MI-7 Kollegen

Und hier setzt der Film seinen Fokus, auf den neuen Agentenfilmen, wie sie durch die Bourne-Trilogie oder dem Neustart der James Bond-Filmreihe inszeniert wurden. Wo die Zuschauer schnelle, verwackelte Verfolgungsjagten und Kampfszenen gewohnt sind, schleicht Johnny English geradezu hinter seinen Gegnern her. Wenn einer von ihnen mit aufwendigen Parkour-Taktiken über die Häuserdächer flüchtet, nimmt English gemütlich die Verfolgung auf, nutzt die Kunst des Nachdenkens und Leitern um an Hindernissen vorbei und dem Verfolgten näher zu kommen. So langsam sich Johnny English durch die Handlung bewegt, so schnell gerät diese wiederum aus dem Sichtfeld. Der rote Faden wird irgendwann fallen gelassen, der Regisseur versucht Atkinsons Stärke hervorzuheben und ihn episodenhaft von Situation zu Situation zu schicken, bei der aber der Zuschauer außer Acht gelassen wird. Bereits nach den ersten zehn Minuten ist Johnny English zurück im Einsatz, mehr Zeit widmet der Film nicht der anfänglichen Abgeschiedenheit im Kloster in Tibet. Und dann geht es in ähnlich rasanter Geschwindigkeit durch die Handlung, bei der English seinem Ziel zwar immer ein kleines Stück näher kommt, aber nie wirklich etwas innovativ Neues dabei erlebt. Die Witze waren alle schon einmal da.

Mit „Johnny English – Jetzt erst recht“ – der deutsche Beititel soll wohl eine Anspielung auf den dritten „Stirb Langsam“-Film sein, der wiederum überhaupt nichts mit Geheimagenten gemein hat – ist kein Glanzstück von Schauspieler Rowan Atkinson. Aber wer „Mr. Bean“ und die unschöne Fortsetzung „Mr. Bean macht Ferien“ gesehen hat, wird um die Unvereinbarkeit der Figuren von Atkinson mit der großen Leinwand Bescheid wissen. Wer das wahre Talent des britischen Komödianten erfahren möchte, sollte dann doch lieber zu DVD-Editionen von „The Black Adder“ oder „Mr. Bean“ greifen.

Denis Sasse

‘Johnny English – Jetzt erst recht‘

Originaltitel: Johnny English Reborn
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Produktionsland, Jahr: GB, 2011
Länge: ca. 101 Minuten
Regie: Oliver Parker
Darsteller: Rowan Atkinson, Gillian Anderson, Rosamund Pike, Dominic West

Deutschlandstart: 6. Oktober 2011
Offizielle Homepage: johnnyenglish.de

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