Filmkritik

“Ich bin Nummer 4” von D. J. Caruso

0

Mit den magischen Abenteuern des Zauberschülers Harry Potter sowie dem Mensch-Vampir-Werwolf-Liebesdreieck in ‘Twilight’ hat man literarische Fantasy-Vorlagen für die wohl erfolgreichsten Kinofilm-Serien der vergangenen Jahre geliefert. Aber sowohl die Welt von Joanne K. Rowling als auch von Stephanie Meyer nähert sich ihrem filmischen Ende. Hier kommt ‘Ich bin Nummer 4‘ ins Spiel. Nach dem gleichnamigen Jugendbuch von Pittacus Lore, versucht Regisseur D. J. Caruso (‘Disturbia’, ‘Eagle Eye’) eine neue Kinoserie zu etablieren, in der Alex Pettyfer (‘Tormented’) und Teresa Palmer (‘Duell der Magier’) die Hauptrollen übernehmen.

Dabei orientiert man sich hier am Science-Fiction-Genre. Alex Pettyfer spielt hier den ungewöhnlichen Teenager John. Kurz nach seiner Geburt wurde sein Heimatplanet zerstört. Mit acht weiteren Kindern konnte er auf der Erde in Sicherheit gebracht werden. Seitdem ist John, begleitet von seinem Beschützer Henri (Timothy Olyphant), auf der Flucht. Unter ständig wechselnden Identitäten ziehen sie von Stadt zu Stadt. Als sie sich in Paradise niederlassen, überschlagen sich die Ereignisse. John entdeckt, dass er übernatürliche Kräfte besitzt, die zunehmend an Stärke gewinnen. Als er sich in die hübsche Sarah (Dianna Agron) verliebt, will er zum ersten Mal in seinem Leben nicht mehr auf der Flucht sein. Doch die skrupellosen Mogadorianer, die hinter den Überlebenden her sind, haben ihn aufgespürt und greifen an.

Dianna Agron

Vorweg sei gesagt, auch wenn im August diesen Jahres der zweite Teil der Buchserie unter dem Titel ‘The Power of Six’ erscheinen wird, ist das noch kein Garant für eine Fortsetzung auf der Kinoleinwand. Wir erinnern uns zurück an ‘Der goldene Kompass’, basierend auf Philip Pullmans ‘His Dark Materials’-Trilogie, die es nie über den ersten Teil hinaus geschafft hat. Aber mit einem Produzenten wie Michael Bay im Rücken, dürfte der finanzielle Erfolg bereits im Vorfeld gewährleistet sein. Mit Darstellern wie Alex Pettyfer und Teresa Palmer möchte man relativ frische Gesichter etablieren, die sich in weniger romantische Gefilde wie die ‘Twilight’-Saga begeben.

Aber eine richtige Atmosphäre möchte trotzdem nicht aufkommen. Zumindest nicht im Kino. Mit einem Ensemble von Drehbuchautoren aus den Serien ‘Smallville’ und ‘Buffy the Vampire Slayer’ fühlt sich ‘Ich bin Nummer 4’ eher wie die Pilotfolge einer neuen Science-Fiction-Serie an. Wir bekommen den jungen, außerirdischen Teenager serviert, der seine neuen Superkräfte entdeckt. Ähnlichkeiten zu Clark Kent sind bestimmt nur rein zufällig. Dann wird diesem aber auch noch eine Clique zur Seite gestellt, die gemeinsam mit ihm gegen die bösen Aliens antritt. Mit Timothy Olyphant haben wir den Aufpasser (oder Wächter?!), ‘Glee’-Cheerleaderin Dianna Agron ist der Love-Interest, Callan McAuliffe der trottelige Loser. Mehr als einmal wird der Zuschauer das Gefühl haben, hier einen ‘Smallville’/’Buffy’-Mix präsentiert zu bekommen.

Timothy Olyphant

Und mit den bösen Aliens sind die Mogadorianer gemeint. In einer schön gefilmten Einstiegssequenz versprechen diese ebenbürtige und angsteinflössende Gegner für den Helden zu sein. Leider verkommen sie zu stereotypen Jägern, die kaum in Erscheinung treten dürfen, außer zum finalen Gefecht in der High School. Das Drehbuch hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, Namen für die unterschiedlichen Mogadorianer zu finden. Nur Ober-Alien Kevin Durand (‘Robin Hood’) bekommt die Ehre sich Mogadorianischer Kommandant nennen zu dürfen um sich von seinen Mit-Aliens zu unterscheiden. Hinzu kommen elementare Bestandteile des Böse-Seins: scharfe Zähne, schwarze Mäntel, Tattoos.

Plätschert der Film erst einmal so vor sich hin, etabliert die Liebenden, den eifersüchtigen Ex-Freund, die Superkräfte und all die anderen Facetten die von den Drehbuchautoren in einer Serie besser hätten erzählt werden können, hat Produzent Michael Bay beim Finale sicher seine Finger im Spiel gehabt. Hier darf mit Feuer gespielt werden, Explosionen legen die High School und das dazugehörige Football-Stadion in Schutt und Asche. Alle Figuren die der Zuschauer im Verlauf der Handlung kennengelernt hat, treffen sich hier zum sehenswerten Staffelfinale.

‘Ich bin Nummer 4’ würde Lust auf mehr machen, würde es sich tatsächlich um den Beginn einer wöchentlichen Fernsehserie handeln. Dann nämlich hätte man die Gewissheit, dass die Figuren noch mehr Tiefe verliehen bekommen würden. Man wüsste, dass sich unterschiedliche Handlungsstränge entwickeln könnten, offene Fragen ihre Antworten finden würden und mit Rückblicken hätte man die Möglichkeit einen Blick auf den zerstörten Alien-Planeten zu erhaschen. Aber hier bleibt die Handlung kurzweilig und kommt leider einfallslos daher.

Denis Sasse

‘Ich bin Nummer 4‘

Originaltitel: I Am Number 4
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2011
Länge: ca. 110 Minuten
Regie: D. J. Caruso
Darsteller: Alex Pettyfer, Timothy Olyphant, Teresa Palmer, Dianna Agron, Callan McAuliffe

‘Ich bin Nummer 4‘ läuft ab dem 17. März 2011 in den deutschen Kinos.

Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Login/Sign up