Filmkritik

“Gregs Tagebuch 2 – Gibt’s Probleme?” von David Bowers

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Im vergangenen Jahr brachte Regisseur Thor Freudenthal mit ‚Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt‘ das erste Comic-Buch von Autor Jeff Kinney auf die Kinoleinwände. Jetzt übernimmt der Brite David Bowers (‚Flutsch und weg‘, ‚Astro Boy‘) das Ruder. Mit seiner Fortsetzung ‚Gregs Tagebuch 2 – Gibt’s Probleme?‘ widmet er sich dem zweiten Buch der inzwischen sechsteiligen Reihe und inszeniert Alltagsprobleme auf dem Schulhof, den ewigen Geschwisterkampf und die Verbrüderung gegen die Eltern erneut mit Zachary Gordon in der Rolle von Hauptfigur Greg Heffley.

Robert Capron & Zachary Gordon

Dieser setzt auch dieses Mal alles daran, den Schul- und Familienalltag möglichst unbeschadet und cool zu überstehen. Nachdem Greg den Eintritt in die Junior Highschool glücklich hinter sich gebracht hat, droht nun neuer Stress in den eigenen vier Wänden. Gregs älterer Bruder Rodrick (Devon Bostick) lässt nach den Sommerferien wieder keine Gelegenheit aus, den jüngeren Bruder in peinliche Situationen zu bringen. Insbesondere vor Holly Hills (Peyton List), dem neuen Mädchen an der Schule, auf die Greg ein Auge geworfen hat. Als Rodrick an einem Eltern-freien Wochenende eine Party zu Hause schmeißt, bei der auch Greg und Rowley (Robert Capron) ihren Spaß haben, müssen die Brüder dann aber doch zusammenhalten, damit die Eltern nichts von der Feier erfahren.

‚Gregs Tagebuch‘ hat den Wechsel der Regisseure unbeschadet und vor allem unbemerkt überstanden. Wenig hat sich verändert seit dem ersten Teil. Nur Chloe Grace Moretz, die 2010 noch in einer Nebenrolle zu sehen war, hat sich wahrscheinlich größeren Produktionen zugewandt und glänzt dieses Mal durch Abstinenz. Ansonsten ist man dem Stil und den Figuren aus Teil 1 treu geblieben und wirft hier und da auch schon einmal einen Blick zurück auf ‚Von Idioten umzingelt‘ – so bekommt man den armen Schüler zu sehen, an dem Greg seinen Käsescheiben-Fluch abtreten konnte. Stilistisch gibt es auch im zweiten Teil Sequenzen, in denen die Realschauspieler in die Grafiken der Buchvorlage eingebettet wurden oder aber die Original-Papierfigürchen in der Filmwelt herumspazieren. Alles bleibt also beim Alten, warum sollte man das Konzept auch ändern, wenn es bereits einmal so gut funktioniert hat.

Die Handlung wiederum hat sich in die heimischen vier Wände verlagert. Runter vom Schulhof, gibt es auch Zuhause genug Probleme, die von Greg und seinem besten Freund Rowley bewältigt werden wollen. Dabei spielt dieses Mal die Liebe eine wichtige Rolle, bringt sie doch den kleinen Greg überhaupt erst ins Rollen. Sein Bruder nutzt dies natürlich schamlos aus und schon bekommen die Zuschauer den alltäglichen Geschwisterkampf als amüsante Filmversion geliefert. Dabei bleibt Greg aber der kleine Junge der um Aufmerksamkeit buhlt. In ‚Von Idioten umzingelt‘ versuchte er noch auf einer Schulinternen Beliebtheits-Skala nach oben zu gelangen, nun möchte er die Gunst eines Mädchens erwerben. Irgendwo dreht sich in seiner kleinen Welt alles um das Beliebt sein. Da er konsequent damit scheitert, muss man sich über eine schlechte Vorbildfunktion und die Vermittlung von falschen Werten bei ‚Gregs Tagebuch‘ keine Gedanken machen.

Peyton List

Und am Ende wird sogar stets streitenden Geschwistern aufgezeigt, dass es einen gemeinsamen Gegner gibt: die Eltern. Auf beiden Seiten entwickelt sich der Kampf der Generationen zu einem Teamsport, den jeder unbedingt für sich entscheiden will. Dabei glänzen Greg und sein Bruder Rodrick durch einfallsreiche Ideen, wie sie ihre Eltern aufs Glatteis führen, während diese, dargestellt von Rachel Harris und Steve Zahn, als unterschiedliche, teils aufbrausende, teils gelassene Erziehungsberechtigte auftreten, die sichtbare Schwierigkeiten mit ihren beiden Raufbolden haben, sich aber nicht aus der Ruhe lassen bringen. Durch die Verlagerung der Handlung in das Heffley-Haus, geraten bei ‚Gibt’s Probleme?‘ die Kinder vom Schulhof auch ein wenig aus dem Fokus heraus. Noch immer bekommt man in einigen Szenen die lustige Auswahl von Kleinwüchsigen zu Gesicht, diese bleiben aber hinter ihren jeweiligen Auftritten im ersten Teil weit zurück. Vielmehr übernimmt Devon Bostick diese On-Screen-Zeit für seine Figur des bösen Bruders Rodrick, der anfangs durchweg böse, rotzig und großmaulig daherkommt, im Verlauf des Filmes aber immer mehr auflockert, wenn auch nie den totalen Umschwung zum Familienliebling macht.

Mit ‚Gregs Tagebuch 2 – Gibt’s Probleme‘ erwartet die Zuschauer eine harmlose Komödie, die den Fokus sehr stark auf die Gebrüder Heffley legt. Der Humor verkommt dadurch leider ein wenig, lenkt von den reichlich vorhandenen Möglichkeiten durch die Nebendarsteller ab, und setzt auf ein Katz und Maus Spiel, das zwar charmant, aber eben auch vorhersehbar inszeniert wurde. Betrachtet man dann wiederum die Zielgruppe von ‚Gregs Tagebuch‘, dürfte die filmische Umsetzung der zweiten Episode ausreichen um diese zu unterhalten. Ein wenig mehr Biss, die Frechheit des ersten Teils, hätte ‚Gibt’s Probleme‘ trotzdem nicht geschadet.

Denis Sasse

‘Gregs Tagebuch 2 – Gibt’s Probleme?‘

Originaltitel: Diary Of A Wimpy Kid 2 – Rodrick Rules
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2010
Länge: ca. 99 Minuten
Regie: David Bowers
Darsteller: Zachary Gordon, Devon Bostick, Rachel Harris, Steve Zahn, Robert Capron, Peyton List, Grayson Russell, Terence Kelly

Deutschlandstart: 2. Juni 2011
Offizielle Homepage: gregstagebuch2-derfilm.de/

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