Filmkritik

“Freundschaft Plus” von Ivan Reitman

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Es treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen lebt Natalie Portman. Sie hat sich in diesem Jahr mit ‚Black Swan‘ in ungeahnte, schauspielerische Höhen begeben. Egal ob der BAFTA-Film-Award, der Screen Actors Guild Award oder der Golden Globe. Ihre Rolle als Ballett-Tänzerin im Psychowahn hat der Schauspielerin mehr Ruhm eingefahren als jemals zuvor. Auf der anderen, wesentlich kleineren Welt, lebt Ashton Kutcher. Er erlangte durch die Fernsehserie ‚Die wilden Siebziger‘ die Aufmerksamkeit der Hollywood-Filmstudios und drehte ab 1999 (‚Coming Soon‘) auch Filme für die große Leinwand. Im Gegensatz zu seinem weiblichen Co-Star in ‚Freundschaft Plus‘ aber eher mit minder großen Erfolg. Zuletzt lieferte er in ‚Kiss & Kill‘ eine eher magere Vorstellung ab. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum sich Natalie Portman in der neuesten Komödie von ‚Ghostbusters‘-Regisseur Ivan Reitman auf nicht mehr als eine freundschaftliche Sex-Beziehung mit ihm einlassen möchte.

‚Freundschaft Plus‘ erzählt von Emma Kurtzman und Adam Franklin. Die beiden Teenager tauschten einst im Ferienlager einen ersten unschuldigen Kuss aus. Wie sich herausstellt, sollte dieser aber nicht für die Ewigkeit bestimmt sein. Die beiden verlieren sich aus den Augen und treffen sich erst Jahre später zufällig in Los Angeles wieder. Die Anziehungskraft von damals ist immer noch vorhanden. Kurzerhand landen sie miteinander im Bett. Doch weil Emma als angehende Ärztin in ihrem Beruf voll eingespannt ist und keine Zeit für tiefer gehende Beziehungen hat, bevorzugt sie die unkomplizierte Variante. Sie will einfach nur Sex. Für Adam scheint der Traum eines jeden Mannes in Erfüllung zu gehen. Aber dann muss er feststellen, dass Emma ihm völlig den Kopf verdreht hat.

Natalie Portman

Man merkt es einem Regisseur an, wenn er gute Erfahrungen mit einem Genre gemacht hat. Ivan Reitman, der neben ‚Ghostbusters‘ auch für Filme wie ‚Evolution‘ oder den Arnold Schwarzenegger-Komödien ‚Twins‘, ‚Der Kindergarten-Cop‘ und ‚Junior‘ verantwortlich ist, beweist in der ersten Hälfte des Filmes, dass er immer noch in der Lage ist, dem Zuschauer ein Schmunzeln abzugewinnen. Er zelebriert geradezu den verbalen Schlagabtausch zwischen Portman und Kutcher, die dank des Drehbuches von Elizabeth Meriwether mit flotten und lustigen Neckereien um sich werfen dürfen. Sogar Ashton Kutcher wirkt dabei ertragbar und liefert unter der Regie eines solchen Komödien-Veterans eine akzeptable Leistung ab.

Aber damit bewegen wir uns nur in der ersten Hälfte des Filmes. Ist ‚Freundschaft Plus‘ erst einmal auf seinem komödiantischen Gipfel angelangt, folgt der steile Sturz bis ins tiefe, selbstgeschaufelte Grab hinein. Hier wird der Film überdurchschnittlich schmalzig. Es dominieren Herzschmerz, Kummer und Sorgen. Ashton Kutcher wandelt mit Dackelblick durch das endlos wirkende Trauerspiel. Jede Minute sehnt man sich nach dem vorhersehbaren Ende, dass gekonnt in weite Ferne gerückt wird, um die Qual der Liebenden ein wenig dramatischer erscheinen zu lassen. Leider werden hierdurch aber auch die Qualen in die Länge gezogen, die die Zuschauer erdulden müssen, bis sie endlich ihr Happy-End serviert bekommen. Da helfen auch keine aufmunternden Worte von Ultra-Hip-Daddy Kevin Kline, der einen charmant-amüsanten Gastauftritt absolvieren darf.

‚Freundschaft Plus‘ ist genau der richtige Film für Pärchen, die sich lieber miteinander als mit dem Film beschäftigen. Ein paar Lacher am Rande wird man sicherlich auch mitbekommen, wenn die Hauptaufmerksamkeit dem Partner gebührt.

Denis Sasse

‘Freundschaft Plus‘

Originaltitel: No Strings Attached
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2010
Länge: ca. 108 Minuten
Regie: Ivan Reitman
Darsteller: Natalie Portman, Ashton Kutcher, Kevin Kline, Olivia Thirlby, Ludacris

‘Freundschaft Plus‘ läuft ab dem 17. Februar 2011 in den deutschen Kinos.

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