Filmkritik

Filmkritik zu ‘Der Weihnachtsmuffel’

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Vor sechs Jahren war der britische Schauspieler Martin Freeman als Arthur Dent in der Verfilmung des Sci-Fi Klassikers ‚Per Anhalter durch die Galaxis‘ zu sehen, in den kommenden zwei Jahren wird er mit ‚Der Hobbit‘ erneut in namenhaften Literaturverfilmungen auftreten. Aber manchmal greift auch Freeman daneben: So in der bereits 2009 in Großbritannien gestarteten Komödie ‚Der Weihnachtsmuffel‘. Fernab von jeglichen Anzeichen britischen Humors entwickelt der Film von Regisseurin Debbie Isitt nicht einmal die nötige Weihnachtsstimmung um zumindest das Herz zu berühren. Traurig, dass für Ende 2012 bereits eine Fortsetzung gedreht wird, in der Martin Freeman aber nicht mehr dabei sein wird. Seine Rolle übernimmt dann der ehemalige ‚Dr. Who‘-Darsteller David Tennant.

In Deutschland bekommt man aber jetzt erst einmal Freeman im ersten Teil von ‚Nativity‘, so der Originaltitel, vorgeführt, in dem er als muffeliger Grundschullehrer die Weihnachtsgeschichte um die Geburt von Jesus Christus inszenieren soll. Vor seinem Erzrivalen Gordon Shakespeare behauptet er, dass Hollywood in diesem Jahr zu seiner Aufführung kommen wird. Die Kunde von dem großen Besuch aus Übersee verbreitet sich in dem kleinen Örtchen schneller als gewollt und auf einmal findet sich der Lehrer in einem großen Chaos wieder. Der unkonventionelle Hilfslehrer missachtet permanent seine pädagogischen Ansätze und übt statt christlichem Weihnachtsspiel ein moralisch eher freizügiges Musical mit den Kindern ein.

Wootton, Freeman & die Kinder

Eben dieses Musical, welches der Zuschauer leider erst am Ende des Filmes zu sehen bekommt, funktioniert als Showdown auch ganz gut, ist es doch das unterhaltsamste Segment in ‚Der Weihnachtsmuffel‘ – auch wenn die Kinder beständig eine undefinierbare Masse bleiben, aus der niemand hervorsticht, so dass man schwere Probleme bei der Identifikation der Kleinen bekommt. Viel mehr konzentriert man sich auf Martin Freeman als Grundschullehrer Paul Maddens, der nicht das Weihnachtsfest an sich hasst, sondern die Dinge, die ihm am Fest der Liebe wiederfahren sind – so wurde er in der Vergangenheit von seiner Freundin verlassen, was tiefe Wunden bei ihm hinterlassen hat. Nun muss er also das „Nativity Play“ inszenieren, bei dem er nicht nur gegen einen alten Freund konkurrieren, sondern auch sein falsches Versprechen, dass Hollywood in sein kleines Heimatdorf kommen wird um das Theatertreiben zu unterstützen, aufrecht erhalten muss. „Hollywood is coming“ ist zum jetzigen Zeitpunkt ein zukunftsweisendes Zitat für Freeman, der hoffentlich bald aus solchen britischen Produktionen mit nicht mehr als Fernsehfilm-Qualitäten herausgerissen wird. ‚Der Hobbit‘ sollte ihm endgültig den Weg in bessere filmische Gefilde eröffnen.

Jason Watkins als Mr. Shakespeare

Hier verpackt man einige bekannte Motive der üblichen Komödienelemente. Der Zuschauer bekommt den Krieg zwischen zwei Schulen zu sehen, was jedoch nur am Rande thematisiert und nicht in den Fokus genommen wird. Die Castings, die für das Theaterstück abgehalten werden, erinnern stark an Formate wie ‚Deutschland sucht den Superstar‘ oder ‚Popstars‘, in diesem Fall ist es aber wahrscheinlich eher an das britische Pendant ‚Pop Idol‘ angelehnt. Leider verfolgt der Film keines dieser Motive gänzlich, sondern nutzt sie als kurze Zwischenspiele in der traurigen Geschichte des von Weihnachten gebeutelten Freeman, der aber natürlich langsam seinen Weihnachtsgeist wiederfindet – denn was wäre ein Film zu dieser Jahreszeit ohne das erlösende Happy End, welches hier überspitzt sentimental für wirklich jede Figur eingefordert und erfüllt wird.

‚Der Weihnachtsmuffel‘ bietet gerade einmal genug Unterhaltung für einen Vormittagsfernsehfilm, der nebenher bei den letzten Weihnachtsvorbereitungen läuft, dem man aber nicht große Beachtung schenken muss und dennoch die wesentlichen Elemente mitbekommt. Viele Filme die es verdient hätten im Kino gesehen zu werden, hierzulande aber nur auf DVD erscheinen, werden sich ärgern müssen, dass ausgerechnet ‚Der Weihnachtsmuffel‘ es geschafft hat die Kinoleinwände zu erobern. Der Weihnachtszeit darf hier die Schuld zugeschrieben werden. Hoffentlich verlassen nicht mehr Weihnachtsmuffel das Kino als es betreten haben.

Denis Sasse


‘Der Weihnachtsmuffel‘

Originaltitel: Nativity
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: GB, 2009
Länge: ca. 105 Minuten
Regie: Debbie Isitt
Darsteller: Martin Freeman, Marc Wootton, Jason Watkins, Ashley Jensen, Pam Ferris, Alan Carr

Deutschlandstart: 8. Dezember 2011
Offizielle Homepage: pandastorm/der-weihnachtsmuffel

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