Filmkritik

“Der Adler der neunten Legion” von Kevin Macdonald

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Die britische Schriftstellerin Rosemary Sutcliff starb leider im Juli 1992, so dass sie die Verfilmung ihres Romans ‚Der Adler der Neunten Legion‘ nicht mehr mitbekommen hat. In ihrem Buch und den beiden Folgebänden ‚Der Silberne Zweig‘ und ‚Der Laternenträger‘ widmet sich die Autorin Geschichten über Britannien unter römischer Herrschaft. Regisseur Kevin MacDonald, verantwortlich für mehr als ein Dutzend Dokumentationen und die Spielfilme ‚Der letzte König von Schottland‘ sowie ‚State of Play‘ inszenierte den Auftakt einer Historien-Trilogie mit Channing Tatum (‚G.I. Joe‘, ‚Das Leuchten der Stille‘) und Jamie Bell (‚Billy Elliot‘) in den Hauptrollen.

In ‚Der Adler der Neunten Legion‘ wird der Zuschauer in das Jahr 140 nach Christus entführt, wo sich das Römische Reich bis nach Britannien erstreckt. Doch hoch oben im Norden der Insel herrschen die rebellischen Stämme Kaledoniens. Vor 20 Jahren verschwand dort die 5000 Mann starke, von Flavius Aquila kommandierte, Neunte Legion spurlos. In Britannien eingetroffen, will Flavius‘ Sohn Marcus den angeschlagenen Ruf seines Vaters wiederherstellen und das Mysterium aufklären. Als ein Gerücht die Runde macht, dass der Goldene Adler, das Feldzeichen der Legion, jenseits des Hadrianswalls gesichtet wurde, bricht Marcus sofort auf. An seiner Seite ist Esca, ein junger britischer Sklave, der Marcus Treue schwor, nachdem dieser ihm das Leben rettete. Je weiter die beiden Männer, die eigentlich nur Misstrauen und ein Eid verbindet, in das Territorium vordringen, das für Rom das Ende der bekannten Welt markiert, desto größer wird die Gefahr.

Channing Tatum

Ein kleiner, historischer Krimi über die Aufklärung des Verbleibs eines Feldzeichens in Form eines Adlers. Es ermitteln ein Römer und sein Sklave. Doch mehrere Probleme tauchen auf. Nicht nur für das eher undynamische Duo, sondern auch für die Zuschauer. Da wäre zuallerst der Hollywood-Trend, Filme die schauspielerischer Stärke benötigen um überzeugend in Szene gesetzt zu werden, mit Darstellern zu besetzten, in diesem Fall Channing Tatum, die zwar ein junges Gesicht und markante Gesichtszüge haben, allerdings ein blasses Schauspiel an den Tag legen und eine Mimik haben als würden sie versuchen Gesichts-Grobmotoriker Keanu Reeves zu kopieren. Und dann wäre da noch das goldene Adlerlein selbst. Natürlich soll es nur als Motiv herhalten, um Marcus Aquila und Esca ein Ziel für ihre Reise zu geben. Nur leider verpasst es der Film dem Zuschauer mitzuteile, warum der Adler so symbolträchtig ist. Natürlich könnte man sich darüber im Internet informieren. Wikipedia sei dank, aber soll das die Aufgabe des Zuschauers sein, sich das Wissen über Wertevorstellungen und Prestige-Objekte der alten Römer im Nachhinein selbst anzueignen? Vielmehr hätte man dies in der ersten Hälfte des Filmes machen können, wo die Handlung eigentlich nur so vor sich hin plätschert. In dieser ersten Hälfte hätte der Film emotionale Beweggründe festigen müssen, hätte dem Zuschauer klar machen müssen, warum dieser Adler so wichtig für Rom und für Marcus Aquila ist. Auch die Qualen die Britannien unter der Besatzung Roms erleidet, werden nur am Rande erwähnt. Immer nur mit dem Adler vor Augen, der zumindest für den Zuschauer recht unbedeutsam daher kommt, streifen die beiden Hauptdarsteller durch das Land und durch die Handlung, ohne das man sich den Figuren nahe fühlt, ohne das man mit ihnen leidet oder ihr Leid zumindest versteht.

Channing Tatum & Donald Sutherland

Dahingehend ist es auch wenig verständlich, wie sich ein Schauspieler wie Jamie Bell, dem durch seine Rolle als Billy Elliot der Durchbruch gelang, hierfür hergeben konnte. Er kann nur hoffen, dass der Film in Vergessenheit geraten wird und er sich durch sein Engagement als Tim in Steven Spielbergs und Peter Jacksons ‚Tim und Struppi‘-Trilogie rehabilitieren kann. Mark Strong hat sich für seinen Auftritt in diesem Film derweil so sehr unter eine Maske schminken lassen, dass man auf ihn erst Aufmerksam wird, wenn man seinen Namen im Abspann zu lesen bekommt. Schlauer Schachzug. Und auch auf Donald Sutherland hätte man gut verzichten können. Seine Dialogzeilen bestehen aus dem Kommentieren von Handlungen, die dem Zuschauer klar ins Auge springen dürften. Legt der Sklave Esca etwa im Gladiatorenkampf seine Waffen nieder, darf Sutherland dies mit den Worten „Jetzt legt er seine Waffen nieder“ kommentieren.

Dieses lieblose Vorgehen zieht sich durch den gesamten Film. Die Landschaftsbilder hätten eine schöne Kulisse für eine düstere, beklemmende Atmosphäre hergeben können, wenn sie ordentlich gefilmt worden wären. Die Kämpfe sind mal nachvollziehbar, dann aber wieder total verwackelt und verschwommen. Jamie Bell soll als Sklave Esca eine anzweifelbare Vertrauenswürdigkeit besitzen, aber der Zuschauer kann sich immer sicher sein, dass er alles tut um seinen Herrn zu schützen. Es wollen in dieser Situation einfach keine Zweifel aufkommen. Und das sollen nur einige, wenige Beispiele für Ungereimtheiten sein, die sich durch einen Film ziehen, der eigentlich besser hätte werden können. Zumal Regisseur Kevin Macdonald mit seinen bisherigen Spielfilm-Arbeiten überzeugende Leistungen präsentiert hat.

‚Der Adler der Neunten Legion‘ kann als Film getrost in der hinteren Ecke einer verstauben Schublade gelagert werden. Als Empfehlung sollte dann doch lieber zum Buch gegriffen werden.

Denis Sasse

‘Der Adler der Neunten Legion‘

Originaltitel: The Eagle
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA/GB, 2010
Länge: ca. 114 Minuten
Regie: Kevin Macdonald
Darsteller: Channing Tatum, Jamie Bell, Mark Strong, Donald Sutherland

‘Der Adler der Neunten Legion‘ läuft ab dem 3. März 2011 in den deutschen Kinos.

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