„Blair Witch Project“ hat vor über zehn Jahren einen Trend losgetreten, der inzwischen das Horrorfilm Genre um eine Unterkategorie erweitert hat. In Filmen wie „Paranormal Activity“, der in diesem Jahr die Trilogie vollendet, dem spanischen „Rec“ und dem amerikanischen Remake „Quarantäne“ oder etwas entfernteren Ablegern wie J. J. Abrams „Cloverfield“ oder dem norwegische Film „Troll Hunter“ wird das ‚Found Footage‘ zur Grundprämisse des Horrors gemacht. In „Apollo 18“ schickt das amerikanische Verteidigungsministerium entgegen allen veröffentlichten Berichten doch noch eine bemannte Mission zum Mond. Der spanische Regisseur Gonzalo López-Gallego versucht eine filmgeschichtlich klassische Kombination aufleben zu lassen: Den Sci-Fi Horrorfilm.

Er setzt bei den Fakten an: Apollo 17 war die letzte offizielle NASA Mission zum Mond. Aber zwei Jahre später, im Dezember 1974, wurden erneut zwei Astronauten auf eine geheime Expedition im Rahmen des Apollo-Programms der NASA zum Mond geschickt, aber den wahren Grund ihrer Reise hat man ihnen verschwiegen. Jahrzehnte später tauchen Video-Aufnahmen von der angeblich nie stattgefundenen Apollo 18-Mission auf. Bis heute bestreitet die NASA die Echtheit des Materials. Doch die Bilder zeigen, weshalb die Menschheit es nie wieder gewagt hat, zum Mond zurückzukehren.

Der Ton schwingt bereits von der ersten Minute mit, wo die Zuschauer auf der Leinwand einen Vorab-Text serviert bekommen, der ihnen zusichert, dass das Filmmaterial gefunden worden ist und zu diesem Film zusammengeschnitten wurde. Dann werden alte Aufnahmen gezeigt, Bildrauschen sorgt für die nötige Atmosphäre, ein wilder Zusammenschnitt muss als Stilmittel herhalten um die Handlung als Echt zu verkaufen. Immer wieder brechen Aufnahmen mittendrin ab, als sei das Material beschädigt. Es sind die ewig gleichen Bilder, dieselben, hier zu selten auftretenden, Schockmomente, mit denen der Film sich seine Anhängerschaft erschleichen möchte.

In seinen besten Momenten erleben wir die Handlung aus den Helmen der Astronauten, welche den Zuschauern ein sehr begrenztes Sichtfeld ermöglichen. Im Umfeld könnte so vieles passieren – wir bekommen es aber nicht zu Gesicht. Mit dieser Stärke arbeitet „Apollo 18“ zu Genüge, lässt uns im Unklaren darüber, was überhaupt vor sich geht. Nur leider erstreckt sich diese Ahnungslosigkeit über einen zu großen Zeitraum. Und auch wenn zum Ende merkwürdige Steinwesen die Ursache allen Übels zu sein scheinen, macht man hier doch einen zu großen Schritt über die Grenze zwischen Realität und Fiktion, so dass es nicht nur Unglaubwürdig, sondern auch filmisch nicht sonderlich adäquat gelöst wirkt. Hätte „Apollo 18“ den Schritt gewagt, sich als Thriller zu outen, keine Horrorelemente im fantastischen Sinne hinzugefügt, sondern mit der Paranoia der Astronauten gearbeitet – der Film hätte ein interessantes Spiel mit der Psyche werden können.

Hier aber wird das bekannte Muster verfolgt. Es wird wenig gezeigt, oft im Dunkeln umhergeirrt und die Mondwesen geben sich nur schemenhaft zu erkennen. Damit schafft „Apollo 18“ weder den Sprung zum Horrorfilm, noch kann man ihn dem Science-Fiction zuordnen. Der Horror kommt allenfalls aus der Unkenntlichkeit der Bedrohung, die so langsam leider anfängt zu langweilen.

Denis Sasse

‘Apollo 18‘

Originaltitel: Apollo 18
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2011
Länge: ca. 86 Minuten
Regie: Gonzalo López-Gallego
Darsteller: Warren Christie, Ryan Robbins, Lloyd Owen

Deutschlandstart: 13. Oktober 2011
Offizielle Homepage: apollo18.senator.de/