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REVIEW | Captain Fantastic

 

Im ganzen Hype um Superheldenfilme, aus welchem Comic-Universum auch immer, könnte es passieren, dass der eine oder andere auch “Captain Fantastic” hier einordnen möchte. Aber weder hat der Film etwas mit Captain America oder Captain Marvel zu tun, noch mit Mr. Fantastic. Eigentlich ist es nur der fantastische Familienvater Viggo Mortensen, der sich als Naturliebhaber ganz ohne Cape zeigt – und manchmal sogar, wie Gott ihn erschaffen hat.

“Captain Fantastic” kommt von Matt Ross, dem man bisher noch nicht allzu viele Projekte anlasten kann. Aber mit seinem Drehbuch und seiner Regie zu diesem Film, empfiehlt er sich ziemlich gut für zukünftige Arthouse-Projekte. Der Filmemacher hat ein sichtliches Händchen im Umgang mit seinen Darstellern, bei denen er von Groß bis Klein die besten Seiten herauskitzelt, zeigt sich aber auch als sicheres Auge im Einfangen von Landschaften, die hier nicht nur hübsch sein müssen, sondern auch als Kontrast zur gehetzten Stadtgesellschaft funktionieren müssen.

Viggo Mortensen (Der rückkehrende König Aragorn aus “Der Herr der Ringe”) spielt Papa Ben, der sich mit seiner Großfamilie entschieden hat, der kapitalistischen Gesellschaft den Rücken zu kehren und ein Leben in den Wäldern zu fristen. Hier nutzt man die Vorzüge der Natur, trainiert, hält sich fit und lernt das Leben aus dem umfangreichen Wissen schlauer Bücher. Da ist es kein Wunder, wenn der älteste Sohn gleich bei allen Elite-Universitäten des Landes angenommen wird und die jüngste Tochter schon die Bill of Rights erklären kann, während die Teen-Boys der Stadtschwester gänzlich versagen.

Aber Bens Frau, die Mutter der Kinder stirbt und soll auf einer herkömmlichen Zeremonie beigesetzt werden, so wie es wiederum ihr starrköpfiger Vater wünscht. Dieser möchte Ben von der Beerdigung ausschließen und zieht damit das Chaos quasi selbst herauf. Denn Ben und seine Kinder machen sich auf einen Roadtrip in die Stadt, um die Mutter vor der Zivilisation zu retten. Unkonventionelle Naturverbundenheit trifft auf Spießertum.

Dem Film gelingt es tatsächlich überraschend schnell, eine emotionale Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Wenn die Mutter stirbt, haben wir sie weder gesehen, noch ist “Captain Fantastic” über den ersten Akt hinaus – und doch fühlt man die Liebe ihrer Kinder, die unterdrückte Verzweiflung ihres Mannes, der sich nun alleinerziehend denselben Aufgaben stellen muss, die man zuvor im Team bewältigen konnte. Wir leiden mit, wir freuen uns aber ebenso mit den Kids über kleine Erfolge. Man ist recht schnell full-in.

Danke lieber Film, dass du uns so schnell mitnimmst. Aber du bist auch gemein zu uns! Es wird eine wunderschöne Natur-Idylle aufgezeigt, ein scheinbar perfektes Leben in dieser fast schon alternativen Realität, die uns zeigt, dass es auch anders funktionieren kann. Ehrlich, man glaube es dem Film. Aber später wird all das auch durchaus berechtigt in Frage gestellt, vor allem durch den bitter spielenden Großvater Frank Langella (“Robot & Frank”). Nur weil etwas schön ist und funktioniert, muss es noch lange nicht der richtige Weg sein. Obwohl man das meinen könnte. Oh du furchtbare Welt, die uns hier in einen Zwispalt befördert.

Captain Fantastic

So wissen die Kinder zwar im Wald zu überleben, aber wir sehen auch wie sehr sie in der uns bekannten Normalität scheitern. Das fängt schon dort an, wo der älteste Sohn auf ein Mädchen trifft und seine Kompetenzen auf dem Gebiet des sozialen Miteinanders gänzlich scheitern. Hier zeigen sich also doch noch allerhand Wissenslücken, die nach dem Wunsch der Kinder nicht bestehen bleiben sollten. Dem Wunsch muss sich auch Papa Ben stellen, obwohl er in seiner Welt ebenso engstirnig ist, wie der Großvater in seiner Welt.

“Captain Fantastic” ist quirky, emotional, mal traurig, dann wieder lustig entspannt. Irgendwie kommt ein Gefühl von “das Leben liebend” auf, wofür man wiederum die Bemühungen von Regisseur Matt Ross lieben muss.

Daumen hoch.

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