Regisseurin Nanette Burstein hat gut daran getan, für ihre unkonventionelle Rom-Com Verrückt nach dir ein Hauptdarsteller-Paar zu wählen, dass 2010 auch im realen Leben zueinander gefunden hatte (inzwischen aber getrennt ist). So profitiert ihr Film von dem engen Miteinander und der stimmigen Atmosphäre zwischen Drew Barrymore und Justin Long, die sich in ihrem Film an einer Fernbeziehung versuchen.

Barrymore spielt die 31 Jahre junge Erin, die gerade eine Sommer-Praktikum bei einer Tageszeitung in New York absolviert. In einer Bar trifft sie auf Garrett (Justin Long), mit dem sie sich sofort versteht. Sie landen bei ihm Zuhause, verbringen die Nacht miteinander und am nächsten Morgen bleibt Erin gar zum Frühstück. Sie macht Garrett klar, dass sie nach ihrem sechswöchigen Praktikum die Stadt wieder verlassen wird. Die beiden beschließen, ihre Liaison ganz locker und ohne Verpflichtungen anzugehen.

Natürlich entwickeln die beiden dann aber doch tiefe Gefühle füreinander. Als die sechs Wochen vorbei sind und Erin zurück nach San Francisco geht, fällt es beiden schwer, sich voneinander zu trennen. Sie beschließen nun doch, es mit einer Beziehung auf Distanz auszuprobieren. Das führt zu Problemen. Die nächsten Monate sind beide damit beschäftigt, ihren ganz normalen Alltag auf die Reihe zu bekommen, zugleich aber auch so viel Zeit wie möglich damit zu verbringen, miteinander zu texten oder zu telefonieren.

Verrückt nach dir
Erin (Drew Barrymore) und Garrett (Justin Long) sind ziemlich heftig ineinander verliebt.

Damit hat sich Burstein in Verrückt nach dir – der im Original weitaus passender Going the Distance heißt – einem Thema gewidmet, dass heute so aktuell ist wie noch in 2010. Im großen Wald an romantischen Komödien, in denen so gut wie immer zwei recht unterschiedliche Menschen nach einigen Problemen doch noch zueinander finden, lässt sie Erin und Garrett recht zügig zum Paar werden, das mit den Tücken einer Fernbeziehung zu kämpfen hat. Gerade in einer schnelllebigen und weitläufigen Gesellschaft dürfte diese Beziehungsform auch in der Realwelt immer mehr Zuspruch finden, was dem Film eine seltene Aktualität beschert.

Das ist erfrischend, aber auch problematisch. Verrückt nach dir zeigt Drew Barrymore und Justin Long im harmonischen Miteinander. Die Story spielt sich nicht auf emotionaler Ebene ab, sondern versucht aus der örtlichen Distanz eine mitreißende Problematik zu erzeugen. Das gelingt nicht immer, weil nicht das Gefühl einer unmittelbaren Bedrohung aufkommen will. Wir sehen zwei sich liebende Menschen, die alles versuchen ihre Beziehung aufrecht zu erhalten. Es werden Zeitmanagement und Organisationstalent als dramatische Kurve inszeniert, was nicht unbedingt spannungserzeugend daherkommt.

Das kann dann nämlich hier und da etwas monoton wirken, da dem Drehbuch von Geoff LaTulippe nicht allzu viele Variationen einfallen, wie er die Distanz als bösen Antagonisten darstellen kann, so dass Erin und Garrett sich mit dem immer selben Problemen herumzuschlagen haben, ohne dass sich ihre Figuren mit einer effektiven Problemlösung beschäftigen würden.

Den vermutlich größten Fehler begeht das Drehbuch mit dem Versuch, übermäßig viele Kraftausdrücke in den Film zu stopfen, als wolle man den Stil eines Judd Apatow kopieren (um damit mehr Männer und/oder Teenager in den Film zu locken?). Bei Apatow geht es allerdings um hormonell aufgeladene und emotional noch nicht ganz erwachsene junge Männer, die in ihrer Lebensphase noch allerhand Dummheiten und Fucks von sich geben dürfen – das wirkt authentisch. Bei Burstein bekommen wir zwei Menschen, die sich sophisticated fühlen, erwachsen sind und mit Problemen des wirklichen Alltags kämpfen müssen. Hier wirkt diese Sprache schlicht filmisch konstruiert.

Verrückt nach dir
Erin und Garrett mit ihren Freunden Box (Jason Sudeikis) und Dan (Charlie Day).

Konstruiert, aber geschickt eingesetzt, werden auch zahlreiche Montagen, die die Handlung und die Liebelei zwischen Erin und Garrett beschleunigen und intensivieren. Hinzu gesellen sich hippe Musik von The Cure, Cat Power und den Eels sowie den dazu stimmig eingespielten Kompositionen von Mychael Danna, der schon für (500) Days of Summer aktiv wurde. Ebenso wie dort werden musikalisch unterlegte Momente als Musikclips präsentiert: mit Splitscreens und wilden Kamerafahrten, die uns mal wieder in die MTV-Zeit zurückversetzen.

Verrückt nach dir kommt mit einer guten Idee daher, die durch Barrymore und Long auch getragen wird. Das Drumherum bröckelt allerdings ein wenig vor sich hin. Die Dramaturgie wird nicht ersichtlich, die Nebendarsteller (Charlie Day, Jason Sudeikis, Christina Applegate) erscheinen überflüssig, die Dialoge allzu jugendlich für zwei erwachsene Menschen. Außerdem gibt es so viele Fernbeziehungen, dass wir uns manches Mal schon fragen müssen, wie weltfremd Erin und Garrett eigentlich sein sollen?