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Filme von Frauen: THE RUNAWAYS (2010) von Floria Sigismondi

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In einer merkwürdigen Zusammenarbeit hat Trash-Regisseur Russ Meyer nach einem Drehbuch von Filmkritiker Roger Ebert in 1970 seinen Blumen ohne Duft gedreht. In dem Film geht es um eine Frauen-Rockband, die von einem dubiosen Manager Erfolg versprochen bekommt. Sie gehen auf Tour, kommen in die Charts, haben ein lesbisches Mitglied und ein Mädchen, das zum Sexsymbol wird, am Ende aber den Drogen erliegt. Dem rein fiktionalen Film folgte 1975 der Karrierestart der Runaways, einer Band um Cherie Currie und Joan Jett, die sich für ihr wahres Leben offenbar den Russ Meyer-Film zur Vorlage genommen haben.

The Runaways, der 2010er Film von Floria Sigismondi, erzählt von dieser Teen-Glam Rock Punk-Band aus Los Angeles, die ab Mitte der 1970er Jahre Japan mehr aufmischen konnten als die USA. Zu diesem Zeitpunkt waren alle vier Mitglieder der Band minderjährige Mädchen, die sich von ihrem Manager Kim Fowley (Michael Shannon) in hautenge Leder-Korsagen haben zwängen lassen, als hätte er sie nicht für eine Musikband, sondern für einen Porno gecastet.

The Runaways

Michael Shannon als dubioser Band-Manager Kim Fowley.

Der Film erzählt uns von einer jungen Joan Jett (Kristen Stewart), die sich mit einer Verkäuferin auseinandersetzen muss, die einem Mädchen keine Männerkleidung verkaufen will. Oder eine Cherie Currie (Dakota Fanning), die sich nicht davor scheut, als David Bowie auf die Bühne zu treten. Beide müssen sich in einer Welt behaupten, in der noch kein Platz für taffe Frauen ist, in einer Welt, die sie als Püppchen sehen will.

Das bekommt die Welt aber nicht. Sie bekommen Joan und Cherie, wir bekommen Kristen Stewart und Dakota Fanning, ein grandioses Duo, das Provokation nur allzu gut darzustellen weiß. Sie spielen Frauen, die sich den Rollenmustern ihrer Zeit verschließen – voller Überzeugung, mit Charme und als Außenseiterinnen, denen wir nur zu gerne bestätigen wollen, dass sie “Wild Ones” sind. Sie läuten die Ära des Sex, Drugs and Rock ‘n’ Roll auch für die Frauenwelt ein und ernennen “Fuck” zu einem Modewort.

So stark diese beiden im Vordergrund stehen, sind die Runaways eine 4 Girls-Band. Allerdings bekommen Stella Maeve (als Sandy West) und Scout Taylor-Compton (als Lita Ford) wenig bis gar nichts zu tun.

Irgendwann stehen sie dann da, nachdem ein Hit-Song im Wohnwagen geschrieben wurde. Cherie Currie auf der Bühne vor schreienden Fans in Japan. Die überaus schlanke Sängerin mit Federn im Haar, die mit dem trotzigen Blick der rebellischen Missachtung loslegt: “Hello, Daddy! Hello, Mom!”. Dazu sexy provokative Tanzbewegungen. “I’m your ch-ch-ch-ch-ch-ch-cherry bomb!” Es ist mehr eine Performance, als Gesang.

The Runaways

Dakota Fanning als Cherie Currie (links) und Kristen Stewart als Joan Jett (rechts).

Für The Runaways hat sich Floria Sigismondi an “Neon Angel”, der Autobiografie von Cherie Currie orientiert. Daher muss sich Kristen Stewarts Joan Jett neben Cherie Currie aufstellen und wird als bekannteste Persönlichkeit der Band, nicht in den Mittelpunkt gestellt. Aber damit kommen alle Darstellerinnen äußerst gut zurecht und Fanning liefert darüber hinaus eine beachtliche Leistung ab, wie sie sich zu Beginn als süßes, unschuldiges Vorstadtmädchen präsentiert, das sich schlicht nicht in die Gesellschaftsnormen einfinden möchte. Sie entwickelt sich zum zugedröhnten Rockstar, total am Ende und ohne Respekt vor dem Umgang mit diversen Drogen. 

Aber kein Sorge, The Runaways ist weniger Drogen- und mehr Musikfilm, der gerne ein Biopic wäre, aber auch ohne Real-Hintergrund weiterhin wunderbar funktioniert. Hierfür darf sich Floria Sigismondis bei ihren beiden Darstellerinnen Stewart und Fanning bedanken, die gar die Songs der Band selbst ins Mikro trällern. Der Film hätte nur nicht so schüchtern sein müssen. Er zeigt die Eskapaden der Band lange nicht so wild und chaotisch, wie eine laute, ungehobelte Hommage an diese Mädchen hätte aussehen und klingen dürfen.

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