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Filme von Frauen: NOWHERE BOY (2009) von Sam Taylor-Johnson

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Die Beatles haben schon immer auch die Faszination der Filmwelt auf sich gezogen. Man nehme nur den wunderbaren Across the Universe von Julie Taymor, die eine Jugendgeschichte in den Zeiten von Vietnam mit Hilfe einer Vielzahl von Beatles-Songs im Musical-Stil erzählt. Dann aber ist da auch noch Sam Taylor-Johnsons Regiedebüt Nowhere Boy. Die Debütantin widmet sich hier den frühen Jahren eines John Lennons, den Spannungen zu seiner Tante Mimi Smith und den Einflüssen seiner Mutter Julia, aber auch der Gründung seiner ersten Band, den Quarrymen, die sich mit der Zeit in die Beatles weiterentwickeln sollten.

Taylor-Johnson Nowhere Boy basiert dabei auf der Biografie von Lennons Halbschwester Julia Baird und erzählt von einem 15 Jahre jungen John Lennon (Aaron Johnson) in den 1950er Jahren. Der Junge ist genervt von der Schule und Zuhause bei seiner Tante Mimi (Kristin Scott Thomas) und seinem Onkel George (David Threlfall) fällt ihm die Decke auf den Kopf. Dann erfährt er davon, dass seine Mutter Julia (Anne-Marie Duff) nur wenige Blocks von seinem Zuhause entfernt wohnt, woraufhin er versucht mit ihr in Kontakt zu treten.

Nowhere Boy

Aaron Johnson als John Lennon der 1950er Jahre in NOWHERE BOY.

Das gelingt ihm auch. Er lernt seine lebenslustige und musikbegeisterte Mutter immer besser kennen und besucht mit ihr ein Rock ‘n’ Roll-Konzert in Blackpool. Dort verfällt er sofort der Musik. Während Julia ihm das Banjospielen beibringt, gründet John seine erste eigene Band und lernt dabei den talentierten Gitarristen Paul McCartney (Thomas Sangster) kennen. Gemeinsam schreiben die beiden Songs, bis Paul auch seinen Kumpel George Harrison (Sam Bell) hinzu holt.

Aaron Johnson ist als dieser Nowhere Boy John Lennon immerzu auf der Suche nach dem Sinn in seinem Leben, bis er ihn in der Musik und seinen Freunden findet. Lange Zeit irrt er ohne festes Ziel im Nirgendwo umher, scheint planlos sein Leben über die Runden zu bekommen. Regisseurin Sam Taylor-Johnson – die ihren Hauptdarsteller 2012 geheiratet hat – holt aus dem beständigen Entwicklungsprozess aus der anfänglichen grauen Maus eine sehenswert-emotionale Rock ‘n’ Roll-Performance heraus.

Der junge Film-Lennon lässt sich hier durch die Musik von Elvis Presley ebenso inspirieren und durchs Leben leiten, wie auch durch den musikleidenschaftlichen Einfluss seiner Mutter, der Rebellion gegen seine Tante, Todesfällen in der Familie und dem Finden von neuen Freunden.

Dabei gelingt es Darsteller Aaron Johnson sowohl den halbstarken Sprücheklopfer zu spielen, als auch wenige Momente später wieder als verzweifelter Junge mit Tränen in den Augen in Erscheinung zu treten. Er lässt uns daran teilhaben, wie er dieser Figur Leben einhaucht, so dass wir uns Lennon und seiner hoffentlich erfolgreichen Bewältigung seiner Karriere-Ambitionen verbunden fühlen können.

Aber es soll nicht das Spiel von Aaron Johnson allein für die Atmosphäre des Films verantwortlich gemacht werden. Taylor-Johnson hat eine gute Auswahl an Musikstücken getroffen, um uns in die 1950er Jahre zurück zu versetzen, wo die Menschen gerade erst den Rock ‘n’ Roll entdeckt haben und die Beatles noch namenlos-unbekannt sind. Nowhere Boy ist keine Aneinanderreihung von Beatles-Songs (immerhin erzählt der Film die Gründungs- und nicht deren Erfolgsgeschichte), sondern setzt sich vielmehr aus Klassikern von Jerry Lee Lewis, Chuck Berry, Little Richard oder Buddy Holly zusammen.

Nowhere Boy

Aaron Johnson (rechts) und Thomas Sangster (links) als John Lennon und Paul McCartney.

Hierdurch wird der Film aber auch zugleich nicht zu einer sofort identifizierbaren Beatles-Story. Wer sich als Nicht-Fan der Musiker outen muss, der könnte hier auch eine ganz herkömmliche Teenager Coming-of-Age Geschichte mit Flucht in die Musik erleben. Zwar bekommen wir Anhaltspunkte wie den 6. Juli 1957, der Tag an dem John Lennon seinen Freund Paul McCartney trifft, aber solcherlei Hinweise sind spärlich gestreut.

Nowhere Boy ist in keinem Moment ein Film über die Zukunft von John Lennon, Paul McCartney und George Harrison, man mag den Beatles-Bezug nur vage erahnen. Wir lernen nicht wirklich viel über die frühen Tage der Band und es gibt hier noch keinen Ringo Starr. Der Hype um diese Personen ist noch nicht spürbar und der weltweite Ruhm in weiter Ferne. Der Film widmet sich vielmehr einer nicht so ruhmreichen, ganz herkömmlichen aber wegweisenden Jugend irgendwo bei Strawberry Fields in Liverpool.

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