Privatdetektiv Philip Marlowe stammt aus der Feder des Autors Raymond Chandler, der zahlreiche Kriminalromane geschrieben hat, in denen er seine Figur in die tiefsten Tiefen des verbrecherischen Untergrunds eintauchen lässt. Schauspieler wie James Caan (in Poodle Springs), James Garner (in Der Dritte im Hinterhalt), Robert Mitchum (in Fahr zur Hölle, Liebling) oder Robert Montgomery (in Die Dame im See) verkörperten diese Figur, aber es war Humphrey Bogart, der in Howard Hawks 1946er Tote schlafen fest vielleicht den größten, wenn auch verwirrendsten Eindruck als Marlowe hinterließ.

Bogarts Marlowe wird in Tote schlafen fest von General Sternwood (Charles Waldron) beauftragt, irgendwie die Spielschulden seiner Tochter Carmen (Martha Vickers) zu tilgen, die sie einem Buchhändler schuldet. Sternwoods ältere Tochter Vivian Rutledge (Lauren Bacall) vermutet allerdings, dass ihr Vater in Wahrheit möchte, dass der Detektiv einen guten Freund ausfindig macht, der vor einem Monat auf mysteriöse Weise verschwunden ist.

Natürlich beginnt Marlowe seine Suche in dem Buchladen des besagten Händlers, trifft dort aber nur auf seine Assistentin Agnes Louzier (Sonia Darrin). Sie bringt ihn auf die richtige Spur und der Detektiv kann dem Gesuchten bis nach Hause folgen. Dort hört er einen Schuß und den Schrei einer Frau. Marlowe stürmt sofort ins Haus, findet den toten Körper des Buchhändlers am Boden liegen und eine unter Drogen stehende Carmen. Nachdem er die junge Frau bei ihrem Vater abgeliefert und zurück zum Tatort fährt, ist die Leiche jedoch verschwunden.

Tote schlafen fest
Humphrey Bogart als Privatdetektiv Philip Marlowe mit Lauren Bacall als Vivian Rutledge

Es gibt reichlich Schießereien und Schlägereien in Tote schlafen fest und fast schon könnte man diesen Film Noir von Hawks als einen 40er Jahre Actionfilm bezeichnen. Das mag für ein paar Momente Unterhaltung sorgen, über den übrigen Film allerdings wird man auch nach dem fünften Mal schauen noch philosophieren müssen.

Denn Tote schlafen fest ist ein Film, dem man nur sehr schwer folgen kann. Oder anders ausgedrückt: wir finden uns selbst in einem gigantischen Puzzle von einem Kriminalfall wieder, bei dem wir am Ende immer noch nicht wissen, wer denn nun wen ermordet hat und ob es überhaupt darum ging? Es gibt vermisste Personen, es gibt Erpressungsversuche und noch fünf weitere Morde, die Humphrey Bogart als Marlowe aufzulösen versucht und uns dabei von seinen eigenen Gedanken fernhält.

Manchmal scheint die Figur tatsächlich mehr zu wissen als wir Zuschauer und weder der Regisseur noch die Handlung des Films möchten uns einen Hinweis geben, was denn dort gerade vor sich geht und welche Spur verfolgt wird. Allzu leicht können wir uns in dem ganzen Detektiv-Wirrwarr, in den Geheimnissen, Verschwiegenheiten, undurchsichtigen Ereignissen und den dubiosen Charakteren verlieren.

Howard Hawks, der bei den Dreharbeiten seines 1944er Films Haben und Nichthaben die Affäre zwischen der damals 19 Jahren jungen Lauren Bacall und dem 25 Jahre älteren Bogart entdeckte (sie heirateten nach Bogarts Scheidung im Mai 1945) und die Chemie dieser beiden Darsteller für seinen Film nutzte – ihnen immer mehr Szenen zusammen in das Drehbuch schrieb – weiß natürlich weiterhin um die Gemeinsamkeiten dieses Liebespaars und kalkuliert nur allzu gut seine Geschichte um das Miteinander der beiden Schauspieler.

Tote schlafen fest
Philip Marlowe (Humphrey Bogart) bei der Buchhändlerin-Assistentin Agnes (Sonia Darrin)

Das hilft natürlich trotzdem nicht dabei, den roten Faden der Handlung zu finden. Man behält viel mehr nur Momente in Erinnerung, die Tote schlafen fest ausmachen. Es geht um ein “Das ist der Film, wo…” und nicht um ein “Es geht in dem Film um…”. So bleibt aber immerhin auch Sonia Darrins wunderschöner Auftritt als Buchhändler-Assistentin Agnes in Erinnerung, die mit ihrem kleinen Moment reichlich Eindruck schinden kann, wenn sie erfolgreich gegen Humphrey Bogart anspielt.

Tote schlafen fest zeigt uns als Film, dass es auch in einem Krimi nicht unbedingt um die Aufklärung eines Mordes gehen muss, sondern um das Erzählen der Geschichte mit all seinen Irrungen und Wirrungen. Der Weg ist das Ziel, was Howard Hawks so wortwörtlich nimmt, dass er uns das Ziel hier gänzlich verwehrt. Der Film macht Spaß, hinterlässt aber gerade hierdurch dann doch ein eher unzufrieden stellendes Gefühl.