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Filme ohne Farbe: TARZAN, DER AFFENMENSCH (1932) mit Johnny Weissmüller

Eigentlich erst viele Jahre später entstanden, könnte man die Geschichte um Tarzan und Jane als klassisches Stockholm-Syndrom bezeichnen. So auch in der frühen Filmversion Tarzan, der Affenmensch mit Johnny Weissmüller und Maureen O’Sullivan in den Hauptrollen. Regisseur Woodbridge Strong Van Dyke orientierte sich für seinen 1932er Film lose an der Vorlage des Autors Edgar Rice Burroughs und adaptierte die Entführung der Tochter aus vornehmen Hause durch einen im Dschungel aufgewachsenen Affenmann mit kräftiger Stimme. Und die feine Frau findet Gefallen an dem wilden Kerl.

Und das, wo doch auch der nette Harry Holt (Neil Hamilton) hinter Jane her ist, die gemeinsam mit ihm und ihrem Vater James Parker (C. Aubrey Smith) durch Afrika reist, um einen legendären Elefantenfriedhof zu finden, auf dem es reichlich Elfenbein zu holen geben soll. Keiner der beiden Männer kann sie davor beschützen, von dem Dschungelmann Tarzan und seinen Affen-Freunden entführt zu werden.

Zuerst zeigt sich Jane erschrocken und verängstigt über ihren Entführer. Aber je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto näher kommen sich die beiden. Schon bald ist Jane ihm verfallen und versucht ihn dazu zu bringen, mit ihr nach London zu kommen. Aber Tarzan bleibt dem Dschungel, seiner Heimat treu. Während Janes Vater weiß, dass Tarzan nun einmal hierher gehört, ist Jane bitter enttäuscht, ist sie doch davon ausgegangen, dass er nun zu ihr gehört.

Tarzan, der Affenmensch
Maureen O’Sullivan als Jane mit ihrem Vater James Parker (C. Aubrey Smith).

Das ist natürlich nicht das Ende einer Geschichte, die uns aus heutiger Sicht betrachtet durchaus zum Nachdenken anregen sollte, wenn wir einen Blick auf den Umgang des weißen Mannes mit den afrikanischen Völkern werfen oder wie leichtfertig hier Tiere niedergeschossen und gejagt werden. Aber auch Tarzans Entführung und offensichtlicher Vergewaltigungsversuch dürften nicht unbedingt positive Gedanken über diesen Helden aufkommen lassen. In dieser Hinsicht hat der Zahn der Zeit sicherlich an Tarzan, der Affenmensch genagt, der mit all seinen Sklaven und Tieren als Monstern, denen man sich schnell und einfach mit einem Gewehrschuss entledigen darf, alles andere als noch zeitgemäß daherkommt.

Aber lassen wir das einmal außen vor und versuchen uns ins Jahre 1932 zu versetzen, wo das Bewusstsein über solcherlei Dinge noch ein anderes war. Der Film ist die erste nennenswerte Tonfilm-Version mit dem Dschungelhelden, der hier allzu markant von seinem Schrei Gebrauch macht. Es ist immer noch beeindruckend, wie der Tarzan-Schrei in die Popkultur eingegangen ist, wie Johnny Weissmüller hier Tiere vertreibt, wenn er den Schrei von sich gibt.

Es ist wahrlich ein Ruf, der ihm dort vorauseilt. Der Film lässt uns erst den Schrei hören, dann irgendwann sehen wir, wie sich Weissmüller in seiner Rolle durch die Baumwipfel schwingt. Es sieht bereits recht hübsch aus, wie schwungvoll Tarzan hier von Liane zu Liane hüpft, auch wenn wir immer wieder die mit Ranken verdeckten Trapezstangen sehen, die ihm als Halt dienen.

Tarzan, der Affenmensch mag ein Abenteuer-Actionfilm sein, in dem zahlreiche Ringkämpfe mit wilden Tieren – vor allem Nilpferden, Krokodilen und Löwen – ausgetragen werden, aber der Film hat ebenso eine sehr visuelle Komponente. Er zeigt, dass ein Dschungel auch ganz ohne Farben recht farbenprächtig dargestellt werden kann. Die schwarzweißen Bilder versetzen uns in eine Urwald-Atmosphäre, so prächtig wie gefährlich. Hinzu gesellen sich überaus bedrohlich ausschauende Szenarien, in denen die Expeditionsteilnehmer an steilen Klippen entlang hangeln, die gigantisch und ehrwürdig über dem Dschungel ragen und das eine oder andere Leben kosten werden. Und das, obwohl der gesamte Film in Kalifornien gedreht wurde.

Tarzan, der Affenmensch
Maureen O’Sullivan mit Johnny Weissmüller

Tarzan, der Affenmensch kommt mit einer gewissen Ähnlichkeit zu King Kong und die weiße Frau daher, der allerdings erst ein Jahr später in die Kinos kommen sollte. Aber auch dort ist es die junge Frau, die auf einer Expedition durch den Dschungel von einem Affen entführt wird, die ihn in sein Herz schließt, während ein anderer Mann um ihre Gunst buhlt. Während “die weiße Frau” den Monsteraffen mit in ihre Welt holt, ist der Affenmensch seiner Heimat treu und wehrt sich gegen alle Versuche, seinen Dschungel zu verlassen.

Johnny Weissmüller gibt dabei den perfekten Tarzan ab. Der Olympia-Schwimmer darf in einer Szene gar zeigen, dass er – wirklich – schneller schwimmen kann als Jane zu Fuß unterwegs ist. Deshalb ist es kaum überraschend, dass er den Affenmenschen insgesamt zwölfmal verkörperte. Zuerst für MGM, später für RKO, für die er gar Dschungel-Nazis bekämpfen durfte.

Das ändert nichts an der Tatsache, dass es der 1932er Tarzan, der Affenmensch und Johnny Weissmüller waren, die den Tarzan-Schrei etabliert haben. Heute kann man kaum auf eine Liane schauen, ohne an den markanten Ton zu denken. Wenn wir einen Dschungel sehen, wollen wir uns an den Lianen entlang schwingen und der Lendenschurz hat sich irgendwie in unser modischen Urwald-Bewusstsein festgesetzt.

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