Filme ohne Farbe

Filme ohne Farbe: “Sullivans Reisen” (1941) von Preston Sturges

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Das beste moderne Beispiel für die Thematik in dem 1941er Sullivans Reisen dürfte Regisseur Adam McKay darstellen, der sich mit Filmen wie Anchorman, Stiefbrüder oder Die etwas anderen Cops zum Vollblut-Komödianten ernannt hat. Dann aber kam sein The Big Short, nicht unwitzig, aber als ernstes Drama-Werk sogar unter den Oscar-Gewinnern (bestes adaptiertes Drehbuch) seines Filmjahres zu finden.

In Sullivans Reisen geht es um den Regisseur John L. Sullivan (Joel McCrea), der genug von seinen ewigen Komödien hat und endlich ein ernst genommenes Drama filmen möchte. Da er selbst aber keine Lebenserfahrungen vorzuweisen hat, die ihn diese notwendige Ernsthaftigkeit des Lebens nachvollziehbar machen würden, beginnt er seine Reise quer durchs Land um den Missständen auf den Grund zu gehen, die ihn dazu befähigen sollen, einen traurigen Film zu drehen.  

Der Film kommt von Regisseur und Drehbuchautor Preston Sturges, der ein Jahr zuvor mit einem Oscar für sein Drehbuch zu Der große McGinty ausgezeichnet wurde. Neben Joel McCrea (der 1940 wiederum in Alfred Hitchcocks Der Auslandskorrespondent spielte) ist Veronika Lake in ihrer ersten großen Spielfilm-Rolle zu sehen.

Sullivans Reisen

John L. Sullivan (Joel McCrea) mit seinem Butler.

Der Titel des Films nimmt natürlich Bezug auf Jonathan Swifts Geschichte “Gullivers Reisen”, ebenso eine Odyssee der Selbstfindung wie die Reise des Regisseurs in Sullivans Reisen.

Der Humor dieser Komödie entsteht aus der Situation: der reiche, privilegierte Filmemacher mischt sich als obdachloser Landstreicher unter Menschen aus der Unterschicht. Der Regisseur wird zum Schauspieler, der Reiche wird zum Armen. Die Situation will erst einmal bewältigt werden. Nebenher begleitet ihn die Skepsis der Menschen, die ihn umschwirren. Die Kollision dieser unterschiedlichen Welten ist der Spaß, den Preston Sturges ausspielt.

Aber auch Sullivans Reisen nimmt an manchen Stellen einen ersten Turn und bleibt nicht durch und durch Komödie. Es erscheint höchst Selbstreflexiv, löst aber ein Ungleichgewicht aus. Wenn die Leichtigkeit verloren geht und der Protagonist in diverse Tiefen geworfen wird, hört Sullivans Reisen auf Spaß zu machen, was der Geschichte nicht unbedingt gut tut.

Sullivans Reisen

Joel McCrea und Veronika Lake

Hier sieht man dann auch, dass Hauptdarsteller McCrea stärker im Komödien-Anteil ist, wenn er das Drama wenig überzeugend in seine Rolle versucht einfließen zu lassen. Es bleibt lediglich bei dem Versuch, seiner Figur Tragik zukommen zu lassen, was im Film selbst eher als Durchhänger wahrgenommen wird.

Der Film fängt sich aber wieder, da solche Momente höchst selten gestreut wirken. Am liebsten sieht man McCrea im Zusammenspiel mit Veronika Lake, hier schlägt der Film in die exakt andere Richtung um.

Vor allem beim ersten Aufeinandertreffen der beiden erfreut man sich dem Zusammenprall dieser niedergeschlagen-zynischen Lady und dem überforderten Regisseur. Sie verwickelt ihn in ein verbales hin- und her, bei dem sie ihr Gegenüber kaum ernst zu nehmen scheint.

Und am Ende steht ein Mann, der denkt, dass Komödien in schweren Zeiten nicht das richtige Mittel sind um die Massen zu unterhalten. Das Drama als Reflexion der Gesellschaft muss aber nicht immer funktionieren, denn auch die heitere, leichte Komödie hat ihr ganz besonderes Mittel zur Ablenkung: die Flucht vor dem Alltag.

Denis Sasse
Ich schreibe seit 2009 über Filme und habe viele Jahre Hörfunk-Beiträge zu unterschiedlichsten Medieninhalten produziert. Beim Radio durfte ich meine eigene Kino-Sendung planen und moderieren. Irgendwie habe ich ein Studium der Literaturwissenschaft und der Medienwissenschaften dazwischen gequetscht. Jetzt lehre ich an einer Hochschule über Thematiken in den Bereichen Film, Fernsehen, Social Media und Medienpädagogik.

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