Filme ohne Farbe

Filme ohne Farbe: “Reporter des Satans” (1951) mit Kirk Douglas

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Ohne es auf Anhieb zu ahnen, könnte Reporter des Satans auch eine frühe Version von Nightcrawler darstellen, dem intensiven Thriller von Dan Gilroy mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle eines skrupellosen Reporters, der für eine aufsehenerregende Story wortwörtlich über Leichen geht.

Eigentlich sollte man Regisseur Billy Wilder für seine wunderbaren Komödien lieben: Sabrina, Manche mögen’s heiß, Das Appartement, Extrablatt. Wo er aber vor allem im letztgenannten Film mit der journalistischen Profession seinen Spaß hatte, ließ er in seinem 1951er Reporter des Satans (der Titel lässt schon auf üble Dinge schließen) einen Kirk Douglas den Helden der Geschichte spielen, der sich als recht unheldenhafter und selbstsüchtiger Lügner herausstellt, der nur nach der großen Story sucht, die ihm Ruhm und Ehre verschaffen kann.

Dieser zuerst frustrierte Großstadt-Reporter ist Chuck Tatum, der inzwischen irgendwo in Albuquerque, New Mexiko festsitzt, wo er für ein kleines Lokalblatt arbeitet. Dabei bekommt er die Gelegenheit, von einem Mann zu berichten, der in einem Höhlenschacht festsitzt. Statt zu seiner Rettung beizutragen, setzt Tatum insgeheim aber alles daran, die Story so breit zu treten, dass sie das nötige Interesse weckt, um alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Hierdurch wird die Geschichte zu einer Beobachtungsstudie des Zusammenspiels der Presse und den Nachrichten, die sie berichten sollte, vor allem durch wen sie auf einer menschlichen Ebene berichtet werden.

Reporter des Satans

Kirk Douglas findet den in einer Höhle gefangenen Mann und wittert eine Jahrhundert-Story.

Nebst Kirk Douglas spielen hier Jan Sterling (Es wird immer wieder Tag, 1954), Robert Arthur (Der Kommandeur, 1949) und Porter Hall (Frau ohne Gewissen, 1944) in diesem ersten Billy Wilder-Film, bei dem er als Drehbuchautor, Produzent und Regisseur zugleich tätig war. Es war auch der erste Film ohne seinen Langzeit-Freund und Mit-Autor Charles Brackett, mit dem ihn eine Hassliebe verband, die irgendwann zur Trennung der beiden Kreativen führte. Vielleicht keine gute Trennung, denn Reporter des Satans gilt auch als erster finanzieller Flop für Billy Wilder.

Vielleicht lag es daran, dass dem Film tatsächlich eine gewisse Leichtigkeit fehlt und Kirk Douglas schon als äußerst verbissene Titelfigur präsentiert wird. Es ist schwer einen Zugang zu seinem Chuck Tatum zu finden, wenn er doch die ganze Zeit über Macho ist, ein Zyniker, ein Lügner und ein Arschloch, das nur nach Selbstprofilierung strebt.

Immer wieder machen Filme eher unsympathische Menschen zu ihren Hauptfiguren. Es bedarf einen Regisseur wie Billy Wilder und einen Darsteller wie Kirk Douglas um dies überzeugend rüberzubringen. Warum sollten wir uns für Louis Bloom interessieren, dem in Nightcrawler von Gyllenhaal verkörperten Reporter des Satans auf den Straßen von Los Angeles? Oder warum ist der diabolische Geschäftsmann Ray Kroc in The Founder, gespielt von Michael Keaton, eine so faszinierende Figur, dass sie als Hassobjekt und Hauptfigur zugleich funktioniert?

Kirk Douglas macht es vor und liefert uns die Antwort, wenn er in seiner Rolle Pläne schmiedet, Strategien ausarbeitet und sich in beruflich neue Sphären mogelt. Es ist dieses Netz von Intrigen, das von solchen Anti-Sympathieträgern gesponnen wird, dessen Entstehung, aber eben auch Zerfall, wir nur zu gerne beobachten.

Reporter des Satans

Kirk Douglas in “Reporter des Satans” von Regisseur Billy Wilder.

So gelingt es hier dem Reporter des Satans, dass irgendwann tausende Menschen zum Ort des Geschehens pilgern, sie von ihrer Schaulust getrieben kaum besser sind als der Journalist, wenn sie einen in Lebensgefahr schwebenden Mann zu ihrer ganz persönlichen Sensation machen.

Absurd, wie dann ein ganzer Jahrmarkt um den Schauplatz herum entsteht. Aber hier führt Billy Wilder die menschliche Natur vor. Der Journalist, der seiner Karriere nachjagt. Die Schaulustigen, die von diesem Spektakel angezogen werden und jah nichts verpassen möchten. Wenn Wilder uns den Reporter des Satans zeigt, dann zeigt er uns zugleich auch seine Gefolgschaft.

Das Schönste am Film, zugleich aber auch die erschreckendste Erkenntnis ist, dass er unfassbar zeitlos wirkt. So funktioniert auch Nightcrawler nach demselben Schema wie Reporter des Satans, obwohl die beiden Filme mehr als 60 Jahre trennen. Trotzdem scheint sich die Sensations-Geilheit der Medien und ihrer Zuschauer kaum geändert zu haben.

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