Filme ohne Farbe

Filme ohne Farbe: MY FRIEND IRMA (1949) als erste Filmrolle für Jerry Lewis

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In insgesamt 16 Filmen spielte das Duo Dean Martin und Jerry Lewis zusammen, nachdem ihnen ein erfolgreicher Run als Stand-Up Comedians das großartige Miteinander bestätigte. DC Comics – heute mehr mit Batman und Superman beschäftigt – brachte von 1952 bis 1957 gar eine eigene Comic-Reihe namens The Adventures of Dean Martin and Jerry Lewis heraus. Diese beiden Herren waren Helden. Martin verstarb im Dezember 1995, Lewis folgte ihm im August 2017 – vielleicht können sie jetzt dort wieder ansetzen, wo sie 1949 ihre Filmkarriere starteten: in Regisseur George Marshalls My Friend Irma.

Im Film geht es eigentlich um Irma Peterson (Marie Wilson) und ihre beste Freundin und Mitbewohnerin Jane Stacey (Diana Lynn), die in New York versuchen über die Runden zu kommen. Dabei wird Jane regelmäßig von Irma in den Wahnsinn getrieben, die sich als Ausgeburt eines stereotypen Blondchen gibt. Irma ist mit Al (John Lund) verlobt, der arbeitslos versucht, möglichst schnell an viel Geld zu kommen.

Dann entdeckt er Steve Laird (Dean Martin), der sich als begnadeter Sänger herausstellt. Al verspricht Steve, ihn zu einem Star zu machen und auf einmal finden sich das Gesangstalent und sein bester Kumpel Seymour (Jerry Lewis) in einer Wohnung mit dem Frauen-Doppel wieder, wo sie von Al untergebracht werden.

My Friend Irma mit Jerry Lewis

Steve (Dean Martin, links) und Seymour (Jerry Lewis, rechts) sind beste Freunde.

Jerry Lewis funktioniert hier in seiner ersten Filmrolle neben Dean Martin als ein Bindeglied zwischen den frühen Zeiten eines Charlie Chaplin, dessen Slapstick er in abgeschwächter Form zum Einsatz bringt sowie eines Woody Allen, der als quirky Wutbürger jede ihm unangenehme Situation lautstark kommentieren muss. Während Allen hier in philosophische Tiefen abtaucht, nimmt Jerry Lewis schlicht seine hohe Stimmtonlage als Markenzeichen.

Der Humor in My Friend Irma kommt charmant harmlos daher, ist aber umso schöner zu erleben. “Werde ich mit einer so hohen Stimme je eine Frau finden?” fragt sich Seymour da, nur um im die schnell abgefeuerte Antwort “du musst dir einfach nur eine große Frau suchen” zu bekommen. Schlicht, simpel, effektiv.

Dean Martin ist der “handsome guy” zu diesem “monkey”, der den Film natürlich dazu nutzt, seine Gesangskünste auf Film zu bannen. Er spielt sich sowohl gut aussehenden durch die Handlung, ganz gleich ob in Arbeiterkleidung oder Anzug, bleibt aber immer der treue Freund seines trotteligen Kumpels, was ihm seinen ganzen Charme verleiht.

Aber so sehr man sich hier über dieses “handsome guy with monkey”-Duo erfreuen mag – wie die beiden sich selbst nannten und heute Erinnerungen an Will Smith und Kevin James in Der Date Doktor oder Dwayne Johnson und Kevin Hart in Central Intelligence aufkommen – so sehr gehört der Film doch eigentlich dem wunderbar liebreizend-naiven Spiel von Marie Wilson als Irma, die sich ihr Spotlight an keiner Stelle stehlen lässt.

My Friend Irma mit Jerry Lewis

Jane (Diana Lynn, rechts) und ihre beste Freundin Irma (Marie Wilson).

Wir bekommen gleich zu Beginn einen ersten Eindruck ihres wahnsinnig funktionierenden Verstands, wenn ihre Mitbewohnerin zuerst eine Bratpfanne aus dem Klavier fischt, nur um dann die Wäsche unter der laufenden Dusche wiederzufinden, wo Irma offenbar recht unkonventionell “die Wäsche wäscht”.

Zugleich zeigt sie sich als gute Seele, die ihrem Verlobten nahelegt sich einen Job zu suchen um Geld zu verdienen, der ihr aber nur den Mund verbietet, sie solle nicht so bösartige Dinge zu ihm sagen. Marie Wilson bleibt immer die interessanteste und witzigste Figur, die sich naiv an das Gute im Menschen klammert, naiv jede Unterhaltung und Redewendung wortwörtlich versteht und eine ganz eigene Art von Alltagsleben vollführt.

Unter ihrem Spiel werden sogar eigentlich dramatische Augenblicke weiterhin als Komödie verkauft, da sie gewollt jede Situation überdramatisiert und hierdurch die Lacher auf ihre Seite zieht. Es sind kleine Verrücktheiten, die harmlos erscheinen aber durch sie so stark umgesetzt werden.

Dabei zeigen sich Dean Martin und Jerry Lewis als enorm wertvolle Side-Player, die nicht umsonst mit Irma im goldenen Westen ihr einziges Sequel gedreht haben, für das sich 1950 die Cast noch einmal unter Regisseur Hal Walker zusammengefunden hat.

Denis Sasse
Ich schreibe seit 2009 über Filme und habe viele Jahre Hörfunk-Beiträge zu unterschiedlichsten Medieninhalten produziert. Beim Radio durfte ich meine eigene Kino-Sendung planen und moderieren. Irgendwie habe ich ein Studium der Literaturwissenschaft und der Medienwissenschaften dazwischen gequetscht. Jetzt lehre ich an einer Hochschule über Thematiken in den Bereichen Film, Fernsehen, Social Media und Medienpädagogik.

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