In seiner Residenz hoch über der Stadt Metropolis vereint ein reicher Schnösel die politische und wirtschaftliche Macht einer dystopischen Zukunft in einer Person. Die Arbeiter leisten derweil unter der Erde ihren körperlich anstrengenden Sklavendienst ab. Dann verliebt sich der Sohn des reichen Oberschichtlers in die Führerin der Arbeiter-Unterschicht. Während die Romeo & Julia-Geschichte ihren Lauf nimmt, konstruiert ein verrückter Wissenschaftler eine Roboter-Frau, die zum Sinnbild dieses Science Fiction Frühwerks von Regisseur Fritz Lang wurde.

Bereits 1927 entstand mit Metropolis dieser Stummfilm mit einem Blick auf eine zukünftige Gesellschaft, wie wir sie schon lange in der Realität vorfinden. Mit abartiger Eingebildetheit sehen wir Alfred Abel als Joh Fredersen, diesen privilegierten Mann an der Spitze einer in zwei Klassen unterteilten Gesellschaft. Er hasst die Liebe zwischen seinem Sohn Freder (Gustav Fröhlich) und der Aufständlerischen Maria (Brigitte Helm), so dass ihm der Doppelgänger-Roboter des Wissenschaftlers Rotwang (Rudolf Klein-Rogge) gerade recht kommt, da dieser die Arbeiter anstiftet, ihre Maschinen zu verlassen und damit die Überflutung der Unterstadt auszulösen.

Metropolis
Freder (Gustav Fröhlich) und Maria (Brigitte Helm

Obwohl es sich in Metropolis also um zwei Schichten handelt, fühlt sich – wie üblich – ausgerechnet die höhere Klasse durch die ihr unterlegene Gesellschaft bedroht und will zu erbarmungslosen Mitteln greifen, um den eigenen Stand zu sichern. Gerade auch das Eindringen in den persönlichen Lebensbereich – die Liebe Marias zu ausgerechnet dem Sohn eines überaus wohlhabenden Mannes – wird als Überschreiten einer Grenze wahrgenommen, die es in der Oberschicht einfach nicht geben darf.

Aufgeteilt in Auftakt, Zwischenspiel und Furioso, brilliert Metropolis vor allem durch seine imposanten Kulissen. Als Zuschauer stockt einem der Atem, wenn man sich vor den Hochhäusern stehend wiederfindet, wenn man diese Straßen und Brücken der Zukunft sieht, wie sie sich Fritz Lang in den späten 20er Jahren vorgestellt hat.

Zwischenzeitlich beweist sich Lang zudem als progressiver Filmemacher seiner Zeit, wenn er mit Techniken herumspielt, wie sie heute noch nicht gänzlich beim Filmpublikum angekommen sind. Einmal entführt er uns durch die Ego-Perspektive in seine Handlung, dann wieder bringt er ein Bild-Telefon zum Einsatz – weiterhin: aus der Sicht des Jahres 1927, wo das Telefon an sich noch als neuzeitliche Errungenschaft galt.

Die Szene, in der die Unterstadt von Metropolis tatsächlich überflutet wird, birgt derweil allerhand Spannung und weckt ein Gefühl moderner Katastrophenfilme hervor. Aber ganz vorne steht natürlich der Unterhaltsamkeitsfaktor eines Rudolf Klein-Rogge, der den verrückten Wissenschaftler Rotwang verkörpert.

Metropolis
Rudolf Klein-Rogge als Wissenschaftler Rotwang mit seinem Roboter.

Er spielt eine stereotype Mad Scientist-Figur mit überzeugender Gelassenheit. Er wirkt realistisch und bietet gemeinsam mit Gustav Fröhlich einen ansehnlichen Showdown auf dem Dach einer Kirche, der sich als minimalistischer Schlagabtausch zu erkennen gibt, der aber so effektiv inszeniert wurde, dass man sich als Zuschauer mit im Geschehen wiederfindet und mitfiebern darf, wie dieses Gefecht wohl ausgehen mag.

In ihrer Doppelrolle als gute und böse Maria liefert aber auch Darstellerin Brigitte Helm eine überaus gute Darbietung ab. Auf der einen Seite verkörpert sie die liebevolle, sich um die Zukunft der Arbeiterschaft kümmernde Frau, auf der anderen Seite ist sie als Rotwangs Mimik-starke falsche Robo-Maria zu sehen.
Vor allem in diesen Abschnitten des Films ist es amüsant, aber auch erschreckend, der Schauspielerin zuzusehen und zu begreifen, wie viel Arbeit sie in ihr Schauspiel gelegt haben muss um uns von beiden ihrer Charaktere zu überzeugen. Hinzu kommen eine ganze Reihe weiterer Figuren, die durch ein gut konzipiertes Drehbuch (von Thea von Harbou basierend auf ihrem eigenen Roman) niemals aus dem Fokus geraten. Die Geschichte ist simpel gehalten, kann uns als Zuschauer aber dennoch über die komplette Laufzeit hinweg fesseln.

Metropolis ist ein unbestreitbarer Beweis für die Kreativität und den Einfallsreichtum früher deutscher Filmemacher, die sich mit ihren Zukunftsvisionen erfolgreich an den Anfängen des Science Fiction-Kinos beteiligt haben. Fritz Lang hat mit seinen Bildern nicht nur Zuschauer ins Staunen versetzt – der Film hat auch heute nichts von seiner Wirkung verloren – sondern auch zahlreiche Filmemacher in ihrem Schaffen beeinflusst. Metropolis ist einer der wenigen Filme, die rein objektiv betrachtet als Meisterwerk bezeichnet werden dürfen.