“Wundervoll, nicht wahr? Und keine Dialoge! Wir brauchte keine Dialoge! Wir hatten unsere Gesichter!” – mit diesen Worten bricht es aus der Stummfilm-Darstellerin Norma Desmond heraus, als sie dem Drehbuchautoren Joe Gillis einen ihrer Filme aus längst vergessenen Zeiten vorführt. Billy Wilders Boulevard der Dämmerung könnte als La La Land des Jahres 1950 beschrieben werden – wenn auch mit weniger Gesang.

In dem Film übernimmt William Holden die Rolle eines erfolglosen Drehbuchautoren in Los Angeles, der bei dem ehemaligen Leinwandstar Norma Desmond (Gloria Swanson) landet, die Hasstiraden auf den Tonfilm schimpft und dabei weiterhin ihr divenhaftes Auftreten aufrecht erhält, dass sie vermutlich bereits zu ihren besten Zeiten ausleben durfte.

Sunset Boulevard – oder auch Sunset Blvd. – (Originaltitel) ist ein Film Noir, bei dem wir von Beginn an wissen, dass es für den Helden der Geschichte nicht gut ausgehen wird. William Holden darf uns zwar mit seiner Stimme aus dem Off begrüßen, seine Figur des Joe Gillis lernen wir allerdings als Leiche in einem Swimming Pool kennen. Dann der Flashback, damit wir erfahren können, wie es zu diesen Punkt kommen konnte.

Boulevard der Dämmerung
Gloria Swanson als Norma Desmond und William Holden als Joe Gillis.

Der Film wurde für insgesamt elf Academy Awards nominiert (darunter alle vier Schauspiel-Kategorien), von denen er immerhin drei Oscars gewinnen konnte: Bestes Drehbuch, Bestes Set Design in einem Schwarz/Weiß-Film und Beste Musik. Die Stars William Holden (bester Hauptdarsteller), Gloria Swanson (beste Hauptdarstellerin), Erich von Stroheim (bester Nebendarsteller) und Nancy Olson (beste Nebendarstellerin) gingen derweil ebenso leer aus, wie der nominierte Regisseur Billy Wilder selbst.

Der Stil, mit dem Billy Wilder seinen Protagonisten hier erzählen lässt, ist äußerst gewitzt gewählt. Nicht nur hören wir die Worte eines Toten, sondern zugleich auch eines Drehbuchautoren, der es versteht äußerst literarisch zu sprechen. Manches Mal kommt das Gefühl auf, man könnte den Blick vom Geschehen abwenden und würde durch diese Erzählstimme dennoch genau mitbekommen, was gerade vor sich geht.

Hierdurch hebt Wilder natürlich auch die Qualitäten der Tonfilmzeit hervor, die im Film selbst wiederum vom Schauspiel-Star Norma Desmond so in den Dreck gezogen werden. Boulevard der Dämmerung ist der Blick eines erfolglosen Hollywood-Drehbuchautoren in das Leben einer der Vergangenheit nachtrauernden Schauspielerin, die von dieser Tonfilm-Welt vergessen worden ist.

Aber sie hat die Hoffnung, dass sie mit der Hilfe dieses Autoren ein Comeback schaffen kann, ebenso wie wir in Nancy Olsons Figur der Betty Schaefer zu sehen bekommen, wie junge Menschen in Hollywood ihr Glück versuchen, voller Hoffnung und Leidenschaft.

Boulevard der Dämmerung
Gloria Swanson lässt die Stummfilm-Diva raushängen.

Swanson spielt ihre Rolle wie eine wahre Stummfilm-Schauspielerin. Sie zeigt ihr über-dramatisiertes expressives Gesicht, voller Extravaganz und Übertreibung. In ihr versammelt sich eine ganze Menge inbrünstiger Theatralik, die sie offen zur Schau stellt. Hinzu kommt eine liebenswürdige Darstellung des Schauspielers Charlie Chaplin, die höchst amüsant anzusehen ist – während Buster Keaton, eine weitere Größe aus der Stummfilmzeit, in einem kleinen Gastauftritt zu sehen ist.

Ebenso sehen wir den legendären Regisseur Cecil B. DeMille sich selbst spielend auf dem Gelände der Paramount Studios. Neben Filmen wie Singin’ in the Rain oder eben La La Land darf sich Boulevard der Dämmerung sicherlich als einer der besten und realistischsten Filme nennen, die einen Kommentar auf den Ort abgeben, wo sie selbst entstanden sind: Hollywood.