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Bis das Blut gefriert (1963)

Wie man einen überaus effektiven Horrorfilm dreht ohne das bedrohlich-Böse überhaupt zu zeigen, dass hat Regisseur Robert Wise mit seinem 1963er Bis das Blut gefriert (The Haunting) bewiesen. Adaptiert nach dem vier Jahre zuvor erschienenen Roman von Shirley Jackson musste es natürlich auch ein 90er Jahre Remake (von Speed-Regisseur Jan de Bont) unter dem Titel Das Geisterschloß geben, bei dem die Effektivität für Effekte geopfert wurden.

Wise, bekannt für seine Filme West Side Story (1961) und Star Trek – Der Film (1979), erzählt in Bis das Blut gefriert von Dr. John Markway (Richard Johnson), der paranormale Aktivitäten erforschen will, die dem Hill House-Anwesen nachgesagt werden. Er holt sich die Genehmigung der Besitzerin Mrs. Sanderson (Fay Compton) ein, muss dafür ihren Erben Luke (Russ Tamblyn) mitnehmen. Darüber hinaus hat Markway die hellseherisch begabte Theodora (Claire Bloom) und Eleanor (Julie Harris) ausgewählt, die als junges Kind die Aktivitäten eines Poltergeistes erlebt hat.

Allesamt werden noch gewarnt und hier beginnt der Spuk des Films: “Die Toten geben keine Ruhe in Hill House” und sie sollen vorsichtig sein, “in der Nacht, in der Dunkelheit” (ein Gänsehaut erregender Satz, der auch ins Remake übernommen wurde). Im Film gruselt es an jeder Ecke. Robert Wise hat einen wunderbaren Horror entwickelt. Es sind lange und nervenaufreibende Momente des Schreckens, die er für seine Figuren und für uns nicht enden lassen will.

Vor allem ist es das Haus selbst, dass diesen Horror auslöst. Schon bei ihrer Ankunft zeigt sich Eleanor ehrfürchtig vor dem Gemäuer, den Türmen und Verzierungen dieses Monstrums: “Es starrt mich an!”. Ein wahres Haunted House, bei dem der Regisseur verstanden hat, das Haus als die größtes Bedrohung zu inszenieren und nicht die Geister und Gespenster, die es bevölkern sollen. So entwickelt sich eine ständig präsente Bedrohung, während das Übernatürliche nicht in Erscheinung treten muss und nur in unserem Kopf Form annimmt.

Aber es liegt nicht allein an dem Haus, das so großartig von Elliot Scott kreiert wurde, der nicht umsonst später noch für die Indiana Jones-Filme von Steven Spielberg arbeiten durfte, sondern auch an der Kamera von Davis Boulton und der Musik von Humphrey Searle. Die Bilder sind voller unheilvoller Schatten, in schrägen Winkeln und ungewöhnlichen Perspektiven auf das Geschehen gerichtet und manchmal mit gespenstischen Bewegungen geführt.

Die Musik reißt uns vom ersten Moment in den Film rein und lässt uns nicht mehr los. Sie ist ganz arg für die Atmosphäre verantwortlich, die sich über den Film legt. Die Musik erzeugt Hektik und wühlt uns auf, dann wird sie dramatisch laut, unheimlich ruhig oder verstummt gänzlich, wenn Eleanor und Theodora in ihrem Schlafgemach kauern und einem Klopfen an der Tür mit ängstlichen Blicken begegnen.

Bis das Blut gefriertUnd so belanglos das klingen mag, so sehr möchten wir uns bei diesem Klopfen – später gesellen sich Stimmen hinzu – ebenso unter einer Bettdecke verkriechen. Wise schafft es dieses Klopfen zu einem anspannenden, an unseren Nerven zehrenden Horrorerlebnis zu machen: das Klopfen, die Kälte, Stimmen, eine sich nach Innen wölbende Holztür, pure Panik.

Bis das Blut gefriert brilliert durch seine finstere Atmosphäre und die Enge dieses gigantisches Hauses, das sich mit einer unheimlichen Präsenz über die gesamte Handlung legt. Robert Wise ist ein äußerst effektiver psychologischer Horrorfilm gelungen, der als einer der besten Haunted House-Filme genannt werden muss.

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