Arsen und Spitzenhäubchen ist eine schwarze Komödie von Regisseur Frank Capra, die 1944 in die US-Kinos kam. Gedreht wurde der Film allerdings schon drei Jahre zuvor, basierend auf dem gleichnamigen Stück von Joseph Kesselring. Erst als die am Broadway aufgeführt Vorlage ihr Ende fand, durfte der Film veröffentlicht werden. Die Hauptrolle ging an Cary Grant, der 1940 für Howard Hawks in His Girl Friday spielte und später noch mehrfach für Alfred Hitchcock (Der unsichtbare Dritte, Berüchtigt) vor der Kamera stand.

Boris Karloff – Frankensteins Monster und die Mumie – spielte am Broadway eine Figur, die in der Handlung immer wieder “wie Karloff aussehend” genannt wird. Leider konnte man den Schauspieler für den Film nicht verpflichten, da er während der Dreharbeiten noch an die Broadway-Produktion gebunden war. Raymond Massey (für Abe Lincoln in Illinois für einen Oscar nominiert) übernahm die Rolle des Mannes, der dann eben “wie Karloff” aussehen sollte.

Die Handlung des Films dreht sich um die Brewster Familie, die in Brooklyn, New York lebt. Hier verliebt sich Mortimer Brewster (Cary Grant) in Elaine Harper (Priscilla Lane), die gleich nebenan aufgewachsen ist. An Halloween heiraten die beiden Turteltäubchen und Mortimer macht sich gleich nach der Hochzeit auf den Weg, seine beiden liebenswürdigen Tanten Abby (Josephine Hull) und Martha (Jean Adair) zu besuchen, die ihn großgezogen haben und sich weiterhin um seinen Bruder Teddy (John Alexander) kümmern, der sich für den ehemaligen US-Präsidenten Theodore Roosevelt hält.

Arsen und Spitzenhäubchen
Abby (Josephine Hull) und Martha (Jean Adair).

Allein diese Konstellation sorgt für reichlich Witz und Albernheiten, aber Cary Grants Mortimer muss noch mehr ertragen. Er findet eine Leiche in dem alten Haus und gerät in allerhöchste Panik. Aber seine beiden Tanzen erklären ihm, dass es sich lediglich um einen höchst lobenswerten Dienst der beiden Damen handeln würde. Sie beenden das Leben von alten, allein gelassenen Singles, indem sie ihnen Holunderwein mit den äußerst giftigen Substanzen Arsen, Strychnine und einem Hauch von Cyanid verabreichen.

Josephine Hull und Jean Adair spielen vorzüglich dieses alte Damen-Paar, die mit der Unschuld im Gesicht wirklich an das Gute in ihrer Tat glauben – oder Taten, wo sich bald schon herausstellt, dass es 13 Leichen im Haus gibt. Während um sie herum der höchst alarmierte Cary Grant wie ein Wirbelsturm durch das Haus fegt, bleiben diese beiden Frauen unberührt von all dem, zeigen keine Angst vor Konsequenzen und sehen nur ihre Wohltätigkeitsarbeit für die am Leben gescheiterten Bachelors.

Der Film schmeißt Mortimer Brewster noch mehr Probleme vor die Füße, wenn auch noch sein anderer Bruder Jonathan (Raymond Massey) auftaucht, der sich wegen Mordes auf der Flucht vor der Polizei befindet. Im Schlepptau hat er Dr. Herman Einstein (Peter Lorre), einen Trunkenbold von einem Chirurgen, der Jonathan Brewsters Gesicht verunstaltet hat, so dass er jetzt ausschaut, wie Boris Karloff in seiner Rolle als Frankensteins Monster.

Arsen und Spitzenhäubchen
Jonathan Brewster (Raymond Massey) und Dr. Herman Einstein (Peter Lorre).

In diesem Chaos spielt vor allem Cary Grant großartig. Allein durch seine Reaktionen auf diese surrealen Ereignisse in einem harmonischen Häuschen mit alten Damen, entlockt er uns manchen lauten Lacher. Grants Mortimer Brewster ist ein nervöses Wrack, der einfach nicht glauben kann, was um ihn herum geschieht. Cary Grant entwickelt unter Capras Regie eine ganze Menge unterhaltsamer Situationskomik.

Das macht aus Arsen und Spitzenhäubchen eine tiefschwarze Komödie, ein makaberer Spaß, der keine Angst davor hat, zu böse zu wirken, zu sehr anzugreifen und jemanden vor den Kopf zu stoßen. Das gelingt vor allem durch eine behutsame Naivität, die all dieser Boshaftigkeit zugleich eine charmante Unschuld einverleibt.

Dafür zeigt sich Arsen und Spitzenhäubchen aber als ein wenig zu lang geraten. Gerade zu Beginn verbringen wir einige Zeit außerhalb des Hauses, in dem uns das komische Chaos erwartet. Aber gerade dieser Einstieg in den Film wirkt arg losgelöst von allem, was uns später widerfahren wird.

Dann wieder kommt die eigentliche Handlung manchmal zum Halten und verbreitet ein Ruhegefühl, das gänzlich gegen den Witz und Charme des Filmes arbeitet, der nur so wundervoll funktioniert, weil er auf die Geschwindigkeit und Haltlosigkeit der Ereignisse und Dialoge setzt.

Das ändert aber nicht daran, dass Arsen und Spitzenhäubchen zu viele Elemente besitzt, die einfach nur Spaß machen. Frank Capra hat eine gelungenen Krimi-Chaos-Komödie geschaffen, die für zeitlose Unterhaltung sorgt.