Filmkritik

“Fast & Furious 6” von Justin Lin

0
© Universal Pictures International Germany GmbH / Dwayne Johnson, Vin Diesel und Paul Walker.

© Universal Pictures International Germany GmbH / Dwayne Johnson, Vin Diesel und Paul Walker.

Es sind zwei der spektakulärsten Momente des neuen „Fast & Furious 6“, die bereits im Vorfeld aus marktstrategischen Gründen in Vorankündigungen mit aufgenommen wurden. Sowohl in zahlreichen Trailern als auch bei einem etwa fünf Minuten langen Ausschnitt, den das Blockbuster-Zielpublikum bei Vorstellungen zu „Star Trek into Darkness“ im Vorprogramm zu sehen bekam. Eine Verfolgungsjagd – eher Metallgemetzel – auf einem Highway, wo es mehrere getunte Autos mit einem Panzer aufnehmen müssen und eine realitätsferne Machtdemonstration, bei der eine Armada von Wagen ein Transportflugzeug via Enterhaken-Vorrichtungen zu Boden reißen. Nun könnte der Zuschauer, der potentielle Kinogänger, es mit der Angst zu tun bekommen, dass ihm hier die besten Szenen vorab präsentiert werden. Aber hier kann Entwarnung gegeben werden. Regisseur Justin Linn, bereits zum vierten Mal verantwortlich für das Fast & Furious-Franchise, holt weitaus mehr aus dem sechsten Auftritt von Vin Diesel, Paul Walker und Konsorten raus als nur diese beiden Vorzeige-Actionsequenzen.

Michelle Rodriguez.

Michelle Rodriguez.

Dabei gelingt Lin eine Metall-Choreographie seines zum Schrott vorbestimmten Fuhrparks, die sich aus der bisherigen Reihe hervortut. Als 140 Minuten langer Sommer-Blockbuster mit Ensemble Qualitäten irgendwo zwischen den Expendables und den Avengers, mag man kaum noch einen Blick zurück auf die Anfänge dieser Reihe werfen. 2001 hätte wohl niemand der 38 Millionen Dollar Produktion „The Fast & The Furious“ eine solche Langlebigkeit voraus gesagt, schon gar nicht nach den zwei Fortsetzungen „2 Fast 2 Furious“ (2003) und „The Fast & The Furious: Tokyo Drift“ (2006), für die das Franchise-Team Vin Diesel und Paul Walker nicht gemeinsam vor der Kamera standen. Aber man hat das Rad noch einmal herum gedreht, eine 180 Grad Wende hingelegt. Das darf nicht zuletzt eben jenem Regisseur zugesprochen werden, der seit Tokyo Drift seine Hände am Steuer hat. Justin Lin, geboren in Taipeh in Taiwan, ist neben seinen Arbeiten für das Fast & Furious-Universum vor allem für den Film „Better Luck Tomorrow“, sein 2002 auf dem Sundance Film Festival gelaufenes Einzel-Regiedebüt, sowie für die Inszenierung mehrerer Episoden der Fernsehcomedy „Community“ bekannt. „Fast & Furious 6“ ist jedoch sein vorläufiger Abschied. Ein Abschied der schon auf den nächsten Teil verweist: in einer Sequenz nach dem Ende des eigentlichen Films absolviert ein britischer Actiondarsteller noch schnell einen Gastauftritt und kündigt damit einen bevorstehenden Krieg in „Fast & Furious 7“ an, dann unter der Regie von James Wan, der Mann der 2004 mit „Saw“ selbst eine Filmreihe ins Rollen brachte.

In „Fast & Furious 6“, jetzt erst einmal noch unter eben Justin Lin entstanden, ist der DSS-Agent (Diplomatic Security Service) Luke Hobbs auf der Jagd nach einem skrupellosen Elite-Team unter der Leitung des genialen Owen Shaw (Luke Evans). Und auch wenn er Unterstützung durch seine neue Kollegin Riley (Gina Carano) erhält, ist er doch auf die Hilfe von Dom und Brian angewiesen. Diese erhalten die richtige Motivation zur Mitarbeit, als sie durch Hobbs erfahren, dass die für tot geglaubte Letty (Michelle Rodriguez) an der Seite von Owen Shaw gesichtet wurde. Oben drauf setzt Hobbs noch die Begnadigung des gesamten Teams, das bei ihrem letzten Job in Rio zwar 100 Millionen Dollar abgesahnt hat, dafür aber als gesuchte Verbrecher nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren können. Die Jagd auf Owen Shaw beginnt, immer das Ziel vor Augen die Familie wieder zusammen zu führen und zurück in die Heimat zu können.

Luke Evans.

Luke Evans.

Nicht nur hat der Regisseur hier seine Boliden unter Kontrolle, er schafft es auch die Gesamtheit seiner Figuren bestmöglich einzusetzen: Neben Vin Diesel und Paul Walker, Dwayne Johnson, Jordana Brewster und Michelle Rodriguez, kommen auch Tyrese Gibson, Ludacris (beider Ersteinsatz: „2 Fast 2 Furious“) und Sung Kang (seit Tokyo Drift dabei) zum Einsatz. Natürlich ist das Drehbuch von Chris Morgan gespickt mit teils amüsanten, teils fragwürdigen One-Linern und mehr als genug Actionsequenzen, die inzwischen so unwirklich erscheinen, dass sie eher an einen Superheldenfilm erinnern. Zumal Luke Evans in der Rolle des Widersachers Owen Shaw einen formidablen Superbösewicht mitsamt eindrucksvollem Ramp Car abgibt. Das Ramp Car ist ein speziell angefertigter Sportwagen mit vorgebauter Rampe, die so manches Auto durch die Lüfte segeln lässt. Hinzu gesellen sich seine Schläger, auch diese von Lin als Figuren dargestellt, nicht als Wulst aus Haudrauf-Männchen. Auch wenn man sich an ihre Namen nicht erinnern wird: da ist der japanische Kampfsportspezialist, der nordisch anmutende Muskelprotz, die unterkühlt wirkende Blondine. Während Owen Shaw jedoch ein Verhältnis zu seinen Leuten pflegt, dass an den Umgang mit einem Auto erinnert: „Jedes Teil ist austauschbar, am Ende müssen alle nur dazu beitragen zum Ziel zu gelangen“, schwört Dom auf ein familiäres Miteinander, die treibende Kraft in „Fast & Furious 6“.

Deswegen muss auch Michelle Rodriguez zurückkehren, das letzte Puzzleteil um die erfolgreiche Fast & Furious-Reihe wieder gänzlich komplett zu haben. Umso schöner ist der Zuwachs um Gina Carano, die von Steven Soderbergh für „Haywire“ entdeckte MMA-Kämpferin, die sich hier mit dem ‘Tough Girl’ Rodriguez den unterhaltsamsten Schlagabtausch liefern darf. Die beiden Damen lassen die Männer des Films ganz schön arm aussehen, wenn sie sich in der Londoner U-Bahn beharken, einen schmerzhaft aussehenden Treppensturz hinlegen und damit ihren wertvollen Teil zum Film beitragen. Man merkt förmlich wie die Fast & Furious-Reihe beständig hinzu lernt, inzwischen auch gerade daraus profitiert, sich selbst nicht mehr allzu ernst zu nehmen. Lange Zeit fehlten die nun zur Stimmung beitragenden One-Liner, die jetzt von der Supportcast verwendet werden dürfen.

Mit einem am Ende in Flammen stehenden Flugzeug auf einer Rollbahn eines Flughafens verabschiedet sich „Fast & Furious 6“ dann von den Zuschauern, nicht ohne noch einmal die Gedanken schweifen zu lassen. Dort stehen sie, unsere Helden, erinnern mit diesem Bild an „Stirb Langsam 2“, das andere große Flughafenfeuerwerk der Actionfilmgeschichte. Und damit gesellt man sich dann immerhin zu einem mehr als ordentlichen Vertreter des Genres.

 


Fast & Furious 6_Hauptplakat

“Fast & Furious 6“

Originaltitel: The Fast and the Furious 6
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 140 Minuten
Regie: Justin Lin
Darsteller: Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Luke Evans, Gina Carano, Jordana Brewster, Sung Kang, Tyrese Gibson, Ludacris

Deutschlandstart: 23. Mai 2013
Im Netz: universa-pictures-international-germany.de/fast-furious-six


Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Login/Sign up