Filmkritik

“Europa Report” von Sebastián Cordero

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Die Besatzung der Europa One forscht nach Leben fernab der Menschheit.

Die Besatzung der Europa One forscht nach Leben fernab der Menschheit.

Found Footage und Science Fiction im All, dass kann man anhand von dem Horrorvertreter Apollo 18 des spanischen Regisseurs Gonzalo López-Gallego allenfalls als einen Versuch auslegen, nicht aber als erfolgreiche Durchführung. Der Film kam in keinem Maße an den unheimlich atmosphärischen Blair Witch Project heran, ein Neubegründer im Einsatz der subjektiven Kameraperspektive, bei der alles so wirken soll, als handle es sich um real aufgenommene, dokumentarische Bilder. Weitaus besser hat der aus Ecuador stammende Filmemacher Sebastián Cordero gearbeitet, der mit Europa Report einen bedrückenden Weltraumausflug hinlegt, der Anleihen an Genreklassikern wie Alien nimmt, aber auch die moderne Einsamkeit eines Moon verarbeitet.

Im Grunde geht es um gleich zwei Europas. Zum einen stellt sich die Frage, was mit dem Raumschiff Europa One geschehen ist? Das Schiff befand sich mit sechs Astronauten bestückt auf ihrer Mission in die Tiefen des Alls, am Mond vorbei, verschwindet dann jedoch spurlos. Das Ziel der Mission sollte der sechste Mond des Planeten Jupiter sein, der bezeichnenderweise ebenfalls den Namen Europa trägt. Unter dessen mächtiger Eisoberfläche wird ein Ozean vermutet. Hier könnte es sogar Spuren von Leben geben. Doch bevor irgendwelche Erkenntnisse zur Erde gelangen können, bricht der Kontakt zur Europa One ab, die Mission gilt als gescheitert. Erst Monate später hat man Zugang zu mehr als 1000 Stunden Videomaterial, das mit acht Kameras, die sich auf dem Raumschiff befanden, aufgenommen wurde.

Christian Camargo als Dr. Daniel Luxembourg

Christian Camargo als Dr. Daniel Luxembourg

Damit nimmt sich auch Europa Report der subjektiven Found Footage Perspektive an, unterlegt mit vereinzelt eingestreuten Interviewsegmenten, sowohl von Sachbearbeitern auf der Erde, die das gefundene Videomaterial sichten und auswerten, als auch von der Crew, darunter Michael Nyqvist aus der schwedischen Millennium-Trilogie und Sharlto Copley, ein Sci-Fi erfahrener Darsteller aus Filmen wie District 9 und Elysium. Dabei werden ganz klassisch auftretende Motive aufgegriffen, mit denen die Besatzung sich konfrontiert sieht. Trotz der Anzahl von immerhin sechs Astronauten – und Astronautinnen (Anamaria Marinca & Karolina Wydra) – geht es um die Isolation in der Einsamkeit, das Leben im schwerelosen Raum, die Angst und zugleich wissenschaftlich interessante Frage, ob der Mensch allein im Universum existiert.

Ob er das nun tut oder nicht, dass bleibt in Europa Report lange Zeit eine unbeantwortete Frage. Kleine Lichtlein die umher schwirrend zu sehen sind, lumineszierende Objekte geben noch keinen Aufschluss darüber, ob es dort draußen noch weiteres Leben gibt. Erst mit der letzten Einstellung wird diese Frage doch noch beantwortet, nicht aber wie zahlreiche andere Vertreter der Aliensuche, die vorzeitig und überbordend mit den Männern vom Mars herum spielen, sie zu oftmals abstrusen CGI-Kreaturen machen, die mit Zerstörungswut die Erde überfallen wollen.

Sharlto Copley als James Corrigan (rechts)

Sharlto Copley als James Corrigan (rechts)

Cordero orientiert sich an weitaus minimalistischeren Vorbildern. Er engt die Besatzung in ein bedrückendes Umfeld ein, lässt sich in Ungewissheiten ihre Sorgen und Nöte formulieren, so dass es schon arg an Ridley Scotts Alien erinnert, der in seinem Spannungsaufbau nahezu perfekt agierte. Zugleich setzt der Regisseur auf einfache Optiken, auf einsame Menschen wie Sam Rockwell in Moon, wo nur mit einem Schiffscomputer die Kommunikation möglich war. Hier nun hat man sich zumindest untereinander. Doch andere Menschen sind eben auch Fehlerquellen. So wird hier intelligent der menschliche Mangel in den Vordergrund gestellt, sei es Übermut oder Neugier, die filmisch unvermeidbaren Katastrophen der Handlung geschehen nicht etwa, weil Aliens die Astronauten angreifen, sondern weil diese sich in ihren jeweiligen Vorhaben verkalkulieren.

In der Ruhe liegt oftmals die Kraft, so sagt es nicht nur ein Sprichwort, sondern so hat es auch gerade erst Alfonso Cuaróns Gravity unter Beweis gestellt. Mit diesem mag sich Europa Report nicht messen, zu sehr setzt er hierfür auf eine geradlinig vorhersehbare Geschichte, diese allerdings zeigt er mit Spannung und Nachvollziehbarkeit, wie sie in der Found Footage Schublade nur selten vorzufinden ist.

 


Europa Report_Filmplakat

“Europa Report“

Originaltitel: Europa Report
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 90 Minuten
Regie: Sebastián Cordero
Darsteller: Christian Camargo, Embeth Davidtz, Anamaria Marinca, Michael Nyqvist, Daniel Wu, Karolina Wydra, Sharlto Copley, Dan Fogler, Isiah Whitlock Jr.

Heimmedienstart: 24. Oktober 2013
Im Netz: ascot-elite.de


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