Noch müssen sich Breslin (Stallone, rechts) und Rottmayer (Schwarzenegger, links) so einiges gefallen lassen.
Noch müssen sich Breslin (Stallone, rechts) und Rottmayer (Schwarzenegger, links) so einiges gefallen lassen.

Wann war eigentlich das letzte Filmgefängnis einmal gänzlich ausbruchsicher? Clint Eastwood ist schon Ende der 70er Jahre aus Alcatraz geflüchtet (Flucht von Alcatraz, 1979), Christopher Lambert gelingt in einer inzwischen gar nicht mehr so fernen Zukunft des Jahres 2017 die Flucht aus einem unterirdischen High-Tech-Gefängnis (The Fortress, 1994). Christian Bale klettert als Batman in The Dark Knight Rises eine Steinmauer hinauf um seinem Verlies zu entkommen, immerhin sitzt zumindest John Belushi als Blues Brother Jake ganz normal seine Strafzeit ab, bevor er die Haftanstalt verlässt um mit Bruder Elwood erneut Chaos zu stiften (Blues Brothers, 1980). Da braucht es einen Mann wie Sylvester Stallone, der sich in Escape Plan ganz freiwillig einsperren lässt, um die Sicherheitsmaßnahmen der größten Gefängniskomplexe auszutesten. Dass dabei dann natürlich etwas schief geht, ist Film-Ehrensache. Dass dann ausgerechnet Arnold Schwarzenegger zu Hilfe eilt, ist eher ungewöhnlich.

Zumindest wenn man einmal von Arnies Kurzauftritten in den Expendables Filmen absieht. In den 80er Jahren wäre es undenkbar gewesen, die Muskelpakete dieser Action-Ikonen in einen Film zu packen. Es wäre vermutlich viel zu schwergewichtig geworden – außerdem gab es damals noch keinen Michael Bay, nur er hätte ausreichend Explosionen erschaffen können, um einem Actionfilm mit sowohl Schwarzenegger als auch Stallone gerecht zu werden. In der heutigen Zeit benötigt es auf dem Regiestuhl gar keinen Action-Spezialisten mehr, es genügt ein Schwede: Mikael Håfström, der mit Zimmer 1408 und The Rite eher im Horrormetier umherstreifte, hat hier nun die Aufgabe übernommen, nach dem Drehbuch von Miles Chapman und Jason Keller, diesen Arnie-Sly-Doppelpack-Actionthriller zu inszenieren. Aber was bedeuten schon all diese Namen und Aufgabenbereiche. Regie? Drehbuch? Interessiert das noch? Hier geht es doch schlicht um das gemeinsame Spiel zweier Action-Veteranen.

Jim Caviezel spielt den herrlich fiesen Gefängnisdirektor Hobbes.
Jim Caviezel spielt den herrlich fiesen Gefängnisdirektor Hobbes.

Sylvester Stallone ist Ray Breslin, der Hochsicherheitsgefängnisse nicht nur auf deren Ausbruchsicherheit prüft, sondern auch Bücher herausgibt, die genauesten vorgeben, wie die perfekte Haftanstalt auszusehen hat. Auf diesem Buch basiert auch „Das Grab“, erschaffen von dem sadistischen Gefängnisdirektor Hobbes, mit fies-überlegendem Gesichtsausdruck von Jim Caviezel dargestellt. Im Grab von Hobbes ist alles ein wenig anders. Hier gibt es für Breslin kein Codewort, mit dem er sich in Notfällen aus der Bredouille retten kann, hier sitzt er, wie jeder andere Gefangene auch, hinter Gittern. Der Ausbruch wird umso notwendiger, da der Ausbruchkünstler nun wirklich um seine Freiheit bangen muss.

Hier läuft er nun aber auch Emil Rottmayer über den Weg, der zwar wie Arnold Schwarzenegger mit Bart ausschaut, ärgerlicherweise vom deutschen Verleih aber nicht die gewohnte Synchronstimme von Thomas Danneberg (der auch Sylvester Stallone spricht) bekommen hat, sondern der deutsche Schauspieler Ralph Schicha zu hören ist. Das sorgt durchgängig für Irritationen, zumindest bei denjenigen, die sich auf den guten alten Arnie gefreut hatten. Was nun also in The Expendables samt Fortsetzung, als auch in zahlreichen Trailern zu Escape Plan noch funktioniert hat, war im Film offenbar nicht mehr möglich. Sly und Arnie teilen sich nicht mehr dieselbe Stimme. Ob sinnvoll oder nicht, es mindert den Spaß an der Freude, der stimmlich nun also arg behindert wird.

Wenn das nun das einzige Problem des Films wäre, könnte man sich vermutlich immer noch entspannt zurücklehnen und genießen, was dort auf der Leinwand geschieht. Aber es sind nun einmal merkwürdige Ereignisse: Arnold Schwarzenegger mit verkrampften Schielblick, wenn er zeigen möchte, dass er etwas ganz besonders Aufmerksam beobachtet und Dialogzeilen, die aus Sly einen sekundenschnellen Überzeugungsredner werden lassen: „Nein, ich mach das nicht noch einmal“, wehrt sich Rottmayer, als er sich zur Ablenkung ein zweites Mal in Einzelhaft begeben soll, dann aber kontert Breslin schnell mit einem „Wenn du hier raus willst, hilfst du mir“ und schon ist es um Rottmayers Widerstand geschehen. Immer und immer wieder nimmt das Drehbuch diese Abkürzungen, die aus Schwarzenegger leider mehr einen Stichwortgeber für Stallone machen, als das er sich als Nebendarsteller behaupten könnte.

Hier werden angestrengt Ausbruchpläne geschmiedet.
Hier werden angestrengt Ausbruchpläne geschmiedet.

Es sind dann ausgerechnet die wirklichen Nebendarsteller, die die Stars hier an die Wand spielen. Jim Caviezel hätte es mit den richtigen Gegenspielern zu einem imposant-gehässigen Bösewicht gebracht. Schon hier kann man sich immer wieder seiner Leinwandpräsenz erfreuen, wenn er skrupellos mit seinen Insassen spielt, aber auch wenn er einfach nur starr in den Raum blickt und genau zu erkennen ist, das er soeben im Geiste einen Schritt weiter als Breslin und Rottmayer gedacht hat. Dann wäre da noch Sam Neill, als ein von Schuld und Sühne geplagter Arzt, der im Grab tätig ist. Gänzlich unterfordert ereilt Neill ein ähnliches Schicksal wie Schwarzenegger. Er muss sich recht schnell der charmant-überzeugenden Art Stallones unterwerfen.

Zwei Männer, die sich Action-Veteranen nennen dürfen, aber weder in ihren Neu-Einzelwerken (Stallone in Shootout, Schwarzenegger in The Last Stand) zu überzeugen wissen, noch hier das Feuerwerk entfachen, dass sie einst mit Leichtigkeit entzünden konnten, sowie Nebendarsteller, die leider nicht die nötige Zeit eingeräumt bekommen, um sich frei entfalten zu können. Damit wird das Gefängnis selbst zum größten Schauwert von Escape Plan. Es wirkt ein wenig futuristisch: eine extravagante Konstruktion aus gläsernen Einzelzellen. Fast möchte man einen bissigen Kommentar auf eine gefangene Gesellschaft sehen, die von gesichtslosen Wächtern rund um die Uhr durchleuchtet wird. Leider ist das viel zu tiefgründig um aus dem Film hervorzutreten.

 


Escape Plan_Filmposter

“Escape Plan“

Originaltitel: Escape Plan
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 116 Minuten
Regie: Mikael Håfström
Darsteller: Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Jim Caviezel, Sam Neill, 50 Cent, Amy Ryan, Faran Tahir, Vincent D’Onofrio, Vinnie Jones

Kinostart: 14. November 2013
Im Netz: escapeplan-derfilm.de