© 20th Century Fox / Noomi Rapace als Elizabeth Shaw in „Prometheus“

Die Verzögerung wird sich niemand erklären können. Bereits seit Mai dieses Jahres läuft in diversen Ländern – darunter Frankreich, Russland und die Niederlande, ebenso wie die Türkei, Griechenland oder die Ukraine – Ridley Scotts Rückkehr zum Science-Fiction Genre. Weltweit schon von allen wartenden Fans gesehen, startet „Prometheus“ am 9. August mit reichlich Verspätung auch in deutschen Landen. Mit seinem 1979er Klassiker „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ und dem darauf folgenden „Blade Runner“ setzte Scott gleich zwei Meilensteine in der Genre-Historie. Warum also nach neuen Sternen greifen? Er kehrt auf den Planeten LV-426 zurück, wo die Besatzung der Nostromo, darunter Sigourney Weaver als Ellen Ripley, einst die Alien-Eier fand. Das ist aber noch Zukunftsmusik, spielt „Prometheus“ doch Jahre vor dieser Entdeckung und beschäftigt sich mit dem sagenumwobenen Space Jockey, jenem versteinerten Wesen, welches zwar auch auf dem Planeten gefunden wurde, dann aber innerhalb der Filmreihe nicht weiter von Bedeutung war.

Im Auftrag von Weyland Industries, vertreten durch Meredith Vickers (Charlize Theron), macht sich eine Forschergruppe und der Androide David (Michael Fassbender) auf eine Reise, um nach den Ursprüngen des menschlichen Lebens zu suchen. Angeführt wird die Gruppe von den Forschern Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green), die davon überzeugt sind, dass die mysteriösen Zeichen, die sie weltweit entdeckt haben, sie zu wertvollen Antworten über den Beginn der Menschheit führen. Die zweijährige Expedition führt die Passagiere des Raumschiffs Prometheus schließlich zu den dunkelsten Ecken des Universums.

Michael Fassbender spielt den Androiden David

Hört sich reichlich nach einem Neuaufguss des „Alien“-Films von 1979 an, auch wenn Regisseur Ridley Scott im Vorfeld beteuert hat, dass sich „Prometheus“ mit ganz anderen Handlungssträngen auseinandersetzen wird. Da muss man den Mann Lügen strafen. Überall im Film gibt es gar nicht so sehr versteckte Hinweise auf das Alien, sei es eine urzeitlich anmutende Version des Face Huggers oder eine ätzende, schwarze Flüssigkeit, die später als Blut der Aliens dienlich sein wird. Es wachsen auch bereits Parasiten in fremden Körpern auf und durchbrechen diesen von innen heraus um ans Tageslicht zu gelangen und am Ende gibt es gar einen ersten Blick auf eine frühe Fassung der eigentlichen Alien-Kreatur. Das macht „Prometheus“ gleich zu zwei unterschiedlichen Prequel-Geschichten. Auf der einen Seite dient es als Einführung in die Alien-Mythologie, auf der anderen Seite führt Ridley Scott in eine neue Welt ein, die sich mit den Space Jockeys beschäftigen möchte. Leider gelingt beides nur schwerlich, die Vermischung wirkt wie orientierungslos zusammen gebastelt. „Prometheus“ erscheint wie ein nicht fertig gestellter Film, er ist irgendwie nicht rund.

Das mag daran liegen, dass man zu viele Ideen realisieren wollte, sie aber nicht zu Ende geführt hat. Viele Dinge hätten einer weitaus besseren Erklärung bedurft, wie zum Beispiel die bereits genannte schwarze Substanz. Dabei handelt es sich um eine biologische Waffe der Space Jockey-Spezies, mehr klärende Worte werden nicht geliefert. Warum sind dort kleine, wurmartige Wesen? Wie entstehen Kobra-ähnliche Kreaturen aus dieser Substanz? Und wenn ein Mensch mit der Masse in Berührung kommt, sehen wir ihn mal sterben, mal aber auch wieder auferstehen um als Alien-Zombie die eigenen Kameraden zu attackieren. All das geschieht, ohne dass der Zuschauer das „Warum“ erfährt. Es bleibt eine willkürliche Aneinanderreihung von Schock-Momenten, die für den Spannungsaufbau zwar dienlich sind – ein Dank geht hier auch an die Musik von Marc Streitenfeld – aber die Logik dafür doch arg in Mitleidenschaft gezogen wird. Diese Logik verbietet es dem Zuschauer dann auch, darüber nachzudenken, warum der Space Jockey von seinem Steuerungspult, an dem er in „Alien“ viele Jahre später gefunden wird, am Ende des Films aufsteht um noch einmal auf die Jagd nach Noomi Rapace zu gehen. Da er nach diesem Aufeinandertreffen sicherlich nicht mehr in der Lage sein wird zurück zu kriechen, dürfte er in „Alien“ also gar nicht gefunden werden. Filmfehler passieren. Aber wenn man einen Film auf einer bestimmten Idee begründet und diese dann nicht der Ausgangssituation gerecht behandelt, darf das als fataler Fehler angesehen werden.

Charlize Theron als zickige Weyland-Mitarbeiterin Meredith Vickers

Das versuchen vor allem Noomi Rapace und Michael Fassbender als klar gezeichnete Hauptfiguren dieses Films zu überspielen, was ihnen allerdings nur mit Mühe und Not gelingt. Zu sehr gehen sie in der zahlenmäßig zu groß geratenen Besatzung unter. In „Alien“ gelang es dem Regisseur noch zu überraschen, in dem er Rollen, die er mit bekannten Gesichtern besetzt hatte, schnell tötete und somit das Rätselraten um eine überlebende Figur beginnen konnte. Nun ist klar vorgegeben, dass unbekannte Namen mit einer Opferrolle gleichzusetzen sind. Rapace, Fassbender, aber auch Charlize Theron oder Idris Elba haben sich einen Namen in Hollywood gemacht, womit sie sich zugleich eine lange Lebensspanne für „Prometheus“ gesichert haben. Rapace zeigt sich als solide Heldin, weiß ihre Verzweiflung zu zeigen, kommt aber lange nicht an das minimalistisch, beengt, ängstliche Spiel einer Sigourney Weaver heran. Und auch Michael Fassbender, so angesehen er als Schauspieler inzwischen auch sein mag, muss sich hinter vorherigen Androiden-Versionen zurückstellen, schafft es allenfalls Winona Ryders Call zu überflügeln, nicht aber Ash (Ian Holm) und Bishop (Lance Hendriksen). Gemeinsam mit Theron und Elba, beide gänzlich unterrepräsentiert, lassen sich die Darsteller von Szene zu Szene tragen, bringen nichts Eigenes zum Film hinzu. Sie erschaffen keine Figuren, mit denen der Zuschauer mitleiden wird, sondern bewegen sich emotional steril durch die Handlung. So dauert auch die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen nur wenige Sekunden, bevor sie nie wieder Beachtung findet. Und bei Guy Pearce in der Rolle des Firmeninhabers und Namengebers Peter Weyland wird man sich fragen, warum ein Film immer wieder junge Darsteller auf alt trimmen muss, wenn dies doch so viel unrealistischer ausschaut, wie eine echte, alte Person einzusetzen. Aber da Pearce bereits in den Viralen Videoclips vor Filmstart auftauchte, musste dies hier nun wohl fortgeführt werden. Schade für die Menschen, die sich im Vorfeld nicht so ausgiebig mit „Prometheus“ beschäftigt haben, die werden auch den Auftritt von Guy Pearce nur wenig verständlich finden.

„Prometheus“ zeigt stellenweise schöne, starke Bilder, die Musik weiß zu unterhalten und die Science-Fiction Elemente funktionieren, aber der Film als Ganzes bleibt ein belangloses Werk, vor allem weil sich Regisseur Ridley Scott offenbar nicht entscheiden konnte, in welche Richtung er nun gehen wollte: Zurück zu „Alien“ oder voran zu „Prometheus“. Irgendwo dazwischen stecken geblieben, hat er damit nichts weiter als Langeweile inszeniert.

Denis Sasse

“Prometheus – Dunkle Zeichen“

Originaltitel: Prometheus
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 124 Minuten
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, Idris Elba, Guy Pearce, Logan Marshall-Green, Sean Harris, Rafe Spall

Deutschlandstart: 9. August 2012
Offizielle Homepage: Prometheus-derfilm.de