Filmkritik

“Errors of the Human Body” von Eron Sheean

0
Michael Eklund als Genetik-Experte Geoff Burton.

Michael Eklund als Genetik-Experte Geoff Burton.

Die Idee zu Errors of the Human Body hatte der australische Regisseur Eron Sheean bereits 2006. Damals zeigte er in Deutschland auf den Filmfestspielen von Berlin in der Panorama Sektion seinen 13 Minuten langen Kurzfilm Fish (Fische), eine Geschichte, so Sheean selbst, über Wahrheiten, die Isolation des Menschen, Verletzlichkeit und das Begehren, akzeptiert zu werden. Neben den filmischen Verpflichtungen dieser Präsentation traf er aber auch einen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Molekulare Zellbiologie und Genetik, zugleich Bruder der Kamerafrau Anna Howard (die sogleich für den Film engagiert wurde), mit dem er anfing an der Geschichte von Errors of the Human Body zu arbeiten. Während er sechs Jahre lang in Dresden lebte, entwickelte Sheean so seinen Film rund um das Institut und den Forschungen, die dort auch im wahren Leben geschehen. Natürlich immer vor dem Hintergrund, keine Dokumentation, sondern einen fiktionalen Spielfilm drehen zu wollen, der eben nicht die Realität, sondern ein paar frei erfundene Möglichkeiten mit einbringen sollte.

Karoline Herfurth

Karoline Herfurth

Der Film nimmt sich der Figur des Gen-Forschers Geoff Burton (Michael Eklund) an, der nach dem Tod seines Sohnes durch einen Gen-Defekt geradezu davon besessen ist, eine Heilung für diese Erkrankung zu finden. Eine Berufung an das Institut für Genetik in Dresden nimmt er als willkommene Gelegenheit wahr, um seine umstrittenen Forschungen dort weiterzuführen. Hier trifft er aber auch auf seine ehemalige Assistentin und Geliebte Rebekka (Karoline Herfurth), die kurz davor steht, ein Regenerations-Gen zu entdecken, das die Menschheit von Krankheit und Altern befreien könnte. Doch noch ist das Gen tödlich. Wie sich herausstellt, hat Rebekkas skrupelloser Kollege Jarek (Tómas Lemarquis) ihre Forschungen gestohlen um auf illegale und gefährliche Weise ein erfolgreiches Regenerations-Gen zu erschaffen. Burton gerät mitten in diesen Forschungssumpf, der ihn selbst zum Versuchsobjekt werden lässt.

Er ist das Opfer in Errors of the Human Body, derjenige, der sich ursprünglich niemals mit der Gentechnik beschäftigen wollte, nur durch die Erkrankung des eigenen Sohnes in diesem Fachbereich gelandet ist. Fast manisch versucht er nachträglich seine Hilflosigkeit zu kompensieren, spricht selbst während universitären Vorträgen die Rolle seines Sohnes innerhalb seiner Nachforschungen an. Das wirkt zwar etwas hölzern, liefert jedoch auf einfachste Weise so etwas wie eine Legitimation für sein fanatisches Festhalten an der Genetik, auch wenn sich sein Körper selbst noch als Experimentiergrund manifestiert. Hier wird der Film zum spannenden Bodyhorror à la David Cronenberg. Doch diese Wendung geschieht viel zu spät. Viel mehr hätte man sich auf den Horroraspekt fokussieren sollen, statt sich minutenlang den Liebeleien von einst und jetzt zwischen Burton und Rebekka zu widmen.

Tómas Lemarquis

Tómas Lemarquis

Karoline Herfurth, die diese Liebschaft verkörpert, bleibt die immerzu faszinierende Erscheinung eines jeden Kinofilms an dem sie teilnimmt. Sie verinnerlicht ihre Rollen, mimt ihre Rebekka als zu Burton aufschauende Schwärmerin, die eigentlich schon weit mehr Erfolg zu verbuchen hat als er. Ob es wiederum notwendig war, den Bösewicht der Geschichte, Tómas Lemarquis’ Jarek, als unheimlichen, dürren, glatzköpfigen Finsterling darzustellen, der gänzlich stereotyp oberflächlich gezeichnet wurde, sei dahingestellt. Zumindest werden seine Forschungen als Auslöser für den späteren Bodyhorror genutzt, weswegen seine Rolle nicht gänzlich als unnötig bezeichnet werden kann.

Mit Errors of the Human Body wollte Regisseur Sheean teilweise viel zu viel, wo sich gute Ansätze verstecken, die schon ganz minimalistisch betrachtet funktioniert hätten. Mit der Thematisierung der genetischen Experimente wäre allein ein guter Spannungsbogen möglich gewesen, mit solcherlei Elementen wie verworrenen Liebschaften und einen gehässigen Bösewicht wirkt die Geschichte schlicht überladen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Handlung in ihrer Grundmotivation einen spannenden Wissenschaftsthriller hervorbringt, dem man außer der Aussage „Weniger wäre mehr gewesen“ keine weiteren Verfehlungen anlasten kann.

 


Errors of the Human Body_Filmplakat

“Errors of the Human Body“

Originaltitel: Errors of the Human Body
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: D / USA, 2012
Länge: ca. 101 Minuten
Regie: Eron Sheean
Darsteller: Michael Eklund, Karoline Herfurth, Tómas Lemarquis

Heimmedienstart: 24. September 2013
Im Netz: ascot-elite.de


Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Login/Sign up