Filmkritik

ENTOURAGE auf der großen Leinwand. Geht das?

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ENTOURAGE

HBO weiß seit jeher mit seinen Serien zu begeistern. Kaum einer kann sich der Faszination namens GAME OF THRONES entziehen und für die Mädels gab es damals die durchaus erfolgreiche Roman-Serienverfilmung SEX AND THE CITY. Die von Doug Ellin erschaffene Serie ENTOURAGE galt über acht Staffeln und fast 100 Folgen hinweg als eine Art männliches Pendant zu der New Yorker Frauenclique. Und eben dieser Ellin hat sich nun auch als Regisseur für den entsprechenden Kinofilm zur Verfügung gestellt.

Soviel soll vorweg zugegeben werden: Niemals habe ich auch nur eine Folge ENTOURAGE geschaut, weder die Figuren waren mir bis zu dem Kinofilm bekannt, noch worum es eigentlich geht. Aber wenn man den Film erst einmal gesehen hat, hat man ohnehin das Gefühl, dass niemand so wirklich weiß worum es eigentlich geht.

Hater’s Gonna Hate, wie es so schön im Internet-Jargon heißt. Man hört die Zurufe: “Wie kannst du den Film bewerten, wenn du die Serie nie gesehen hast?” Nunja, mein Kritikerverständnis sagt mir, wenn der Film tatsächlich nur für diejenigen gemacht worden wäre, die die Serie tatsächlich mit all ihren Folgen gesehen haben, wäre die Zielgruppe für einen Kinostart doch recht klein ausgefallen. Soll heißen: Ein Kinofilm muss immer auch für diejenigen funktionieren und verständlich sein, die die dazugehörige Serienwelt nicht kennen.

Aber immerhin das hat der Film ganz gut gemacht. Am Ende weiß man wer wer ist, wer welche Probleme hatte und wie das ganze Setting funktionieren soll. Wo genau die Handlung und der Sinn dabei jedoch begraben liegen, das findet man nicht so wirklich heraus.

Es geht, sowohl in der Serie als auch im Film, um den Pretty Boy und Schauspieler Vince und eben seine ENTOURAGE genannte Anhängerschaft von Freunden und mehr oder minder Geschäftspartnern. Zu letztgenannter Gattung gehört vor allem sein ehemaliger Manager Ari Gold, der inzwischen sein eigenes Filmstudio in Hollywood leiten darf. Für den ersten Blockbuster möchte er gerne Vince in der Hauptrolle sehen, der auch bereitwillig zusagt und gleich noch die Stelle des Regisseurs an sich reißt.

Man stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Serie auch mit so vielen Belanglosigkeiten daher kam. Vielleicht ist’s ein Kommentar auf das belanglose Leben Hollywoods, aber den Figuren – Vince und Ari, sowie der ENTOURAGE um E, Drama und Turtle – passieren irgendwelche Dinge, irgendein nur scheinbar wichtiger Scheiß, der innerhalb einer Filmhandlung eher total langweilig wirkt.

So ein wenig hat sich dabei das Gefühl breit gemacht, als säße man auf einer Parkbank und würde einige Meter entfernt eine Gruppe von Typen dabei beobachten, wie sie irgendeine belanglose Sache machen und man zusieht, weil man sich gerade einmal fünf Minuten auf dieser Bank ausruhen wollte. Der Sinn muss sich dabei nicht wirklich erschließen. Das heißt für ENTOURAGE das es eine Menge unwichtiges Heididei im Kino gibt.

Hätte man wenigstens daran gedacht hier und da mal die Lachmuskeln zu strapazieren. Aber nicht einmal das sei uns gegönnt. Kein Witz, kein Drama, keine Spannung, dafür Figuren die man nach fünf Minuten beginnt zu hassen, weil es sich eigentlich bei allen um ausgewachsene Arschlöcher handelt. Bindung zu den Figuren also auch gleich Null.

Zugegeben, die Atomsphäre ist ganz cool geraten. Wenn wir durch Hollywood cruisen und sich tatsächlich dieses Sommer, Sonne und Strand-Gefühl einstellt, ist das schon ein lässiges Feeling, das nicht jeder Film schafft einzufangen. Dann aber sorgt das ebenso dafür, dass man die Ecken der Stadt lieber auf eigene Faust erkunden möchte, als der Kamera zu folgen, die wiederum nur diese Langeweile einfängt, die sich um die Protagonisten mehr und mehr aufbaut.

All das erwirkt leider einen gewissen Money Making-Beigeschmack für ENTOURAGE. “Wir machen einfach irgendwas mit den Figuren und die Fans werden schon kommen”, vermutlich genauestens kalkuliert, so dass auch ohne großen Kinozulauf das Geld wieder eingespielt wird.

Was also bereits mit SEX AND THE CITY nicht funktioniert hat – vor allem nicht mit dem zweiten Teil – gelingt auch ENTOURAGE nicht. So filmisch die Serien auf HBO auch gelten, eine wirklich gelungene Übertragung auf die große Leinwand hat es noch nicht gegeben.

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### INHALT ###

Filmstar Vincent Chase (Grenier) und seine Jungs Eric (Connolly), Turtle (Ferrara) und Johnny (Dillon) sind wieder da – und machen einmal mehr gemeinsame Sache mit dem Superagenten und inzwischen zum Studioboss aufgestiegenen Ari Gold (Piven). Ihre Ambitionen haben sich ein wenig verlagert, aber ihre Freundschaft bleibt unerschütterlich, während sie sich im unberechenbaren Haifischbecken von Hollywood tummeln. (Warner Bros. Germany)

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Entourage Movie PosterENTOURAGE

Darsteller: Adrian Grenier, Jeremy Piven, Kevin Connolly, Kevin Dillon, Jerry Ferrara, Haley Joel Osment, Ronda Rousey, Billy Bob Thornton
Regie: Doug Ellin
Länge: 104 Min
Kinostart: 9. Juli 2015

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