© Senator/Central / Frank (Frank Langella) und Robot (gesprochen von Peter Sarsgaard)

Er sieht aus wie eine kleine Lego-Figur, geht einem normal gewachsenen Menschen bis zu den Schultern, ist weiß wie ein iPod, hinter seiner schwarzen Sichtscheibe verbirgt sich nichts weiter als Elektronik und ein künstliches Gehirn, welches sich nach belieben löschen lässt um einen Neustart durchzuführen. „Robot & Frank“ von Jake Schreier – sein Spielfilm-Regiedebüt – erzählt von einer nicht allzu fernen Zukunft, in denen Roboter erfolgreich als menschliche Hilfsapparaturen eingesetzt werden. Ausgezeichnet mit dem Alfred P. Sloan Feature Film Prize des Sundance Film Festivals, der an Spielfilme verliehen wird, die sich originell mit Thematiken der Wissenschaft und Technik beschäftigen, zeigt der Film künstliche Intelligenzen in Büchereien, im öffentlichen Dienst, vor allem aber als treue Begleiter für pflegebedürftige Rentner.

Frank Langella („Frost/Nixon“, „Good Night, and Good Luck“) ist dieser mürrische Rentner, ehemaliger Juwelendieb, dessen Gedächtnis ihn so langsam im Stich lässt. Im Stich lassen tut ihn auch seine Familie: Seine Tochter Madison (Liv Tyler) ist als Weltverbesserin immer auf reisen, sein Sohn Hunter (James Marsden) quengelt, dass er einmal die Woche einen Kontrollbesuch bei seinem Vater machen muss – schnell ist der Hilfsroboter gekauft und eingeschaltet, so dass die Familie sich zurückziehen kann. Aber Robot, der namenlose Pflegeroboter, lässt Franks Langfinger-Ambitionen vergangener Tage noch einmal erwachen. Als „Partners in Crime“ begeben sich Mensch und Maschine auf nächtliche Beobachtungsmissionen und Einbrüche, die der fortschreitenden Demenz Franks entgegen wirken.

Frank und Robot machen nächtlich nicht ganz legale Ausflüge

Schreier versteht seine Zukunft so real wie möglich zu halten, spielt nur sehr nuanciert mit den mechanisch-technischen Weiterentwicklungen, hält sie so nachvollziehbar, dass man sich vorstellen könnte, dass die Dinge, die in „Robot & Frank“ zu sehen sind, bereits in wenigen Jahren verwirklicht sein werden. Neben den herkömmlichen Automobilen, die wie rostige Reliquien durch die Landschaft fahren, sind kleine – ebenfalls im sterilen Zukunftsweiß gehaltene – Ein-Mann-Karosserien auf den Straßen unterwegs. Die Handys und Bild-Kommunikationsanlagen wurde etwas weiterentwickelt. Roboter sieht man nicht an jeder Ecke, sie scheinen in einer fortschreitenden Entwicklungsphase zu sein, sind nicht emotional aufgeladen wie bei Spielberg, sondern bloße Blechdosen die ihre Arbeit verrichten. Dennoch können sie zu treuen Wegbegleitern werden, für die Alleingelassenen, wie Frank Langellas selbst betitelter Frank einer ist. Der 74 Jahre alte Darsteller schafft es nicht nur aus seinem spitzbübischen Langfinger einen bemitleidenswerten, liebreizenden und charismatisch grummelnden Greis zu machen, sondern auch seinen künstlichen Nebendarsteller mit Emotionen aufzuladen.

So kalt Robot auch sein mag, Frank Langella macht ihn durch seine Gefühle zu diesem neugefundenen Freund zu einer Person. Auch wenn das Hilfsutensil immer wieder betont, nur eine künstliche Intelligenz zu sein, deren Gedächtnis ruhig gelöscht werden darf – da sich hier Aufzeichnungen über gemeinsame Raubzüge wiederfinden lassen, die als Beweismaterial gegen Frank verwendet werden könnten – er an- und ausgeschaltet werden kann ohne dabei nachtragende Gefühle zu haben und sich immer wieder dafür rechtfertigen muss, nur seiner Programmierung Folge zu leisten, wirkt es schon sehr bald als schaue man hier einer freundschaftlichen Konstellation zu, die wage an das seltsame Paar von Walther Matthau und Jack Lemmon erinnern mag, übertragen auf eine neumodische Science-Fiction-Form, beflügelt durch die zuerst abweisende Haltung Franks gegenüber dieser Maschine, die seinen Alltag durcheinander bringt, ihn dazu zwingt Ordnung und Struktur zu entwickeln – was allerdings erst durch die Wiederaufnahme seiner früheren kriminellen Energien vollzogen wird.

Tochter Madison (Liv Tyler) schaltet Robot ab, was Frank gar nicht gefallen mag.

Dabei bleibt, so unterschiedlich die physische Präsenz der beiden Protagonisten auch sein mag, eine Gemeinsamkeit immer im Fokus bestehen: Der alte Mann, dessen Erinnerungsvermögen ihn langsam im Stich lässt, der sich auch schon einmal mitten in einem Einbruch fragt, wo er gerade ist, was er da gerade tut – und der Roboter, dem es nichts ausmacht sein Gedächtnis gelöscht zu bekommen, der sogar darauf besteht, vielleicht eine emotional freundschaftliche Anwandlung, vielleicht aber auch nur eine objektiv betrachtet, logische Vorgehensweise, seine Erinnerungen löschen zu lassen. In einer bezeichnenden Szene droht Robot damit, dass sein Gehirn neugestartet werden würde, würde Frank nicht auf ihn hören – eine dreiste Lüge um seine Programmierung zu erfüllen, er nutzt die Schwachstelle der von ihm betreuten Person aus, mit einer Drohung, die Frank in erzürnter Verwunderung staunen lässt. Dieser Roboter hat offenbar keine Angst davor seine Erinnerungen zu verlieren. Bereits hier wird Franks eigene Verzweiflung über seinen Zustand deutlich, der ihm bei aller Verleugnung schmerzlichst bewusst ist, aber auch, dass er sein Gegenüber als gar nicht so maschinell betrachtet, seine Unterhaltungen im Geiste mit einem Menschen führt, mit einem Freund, den er nicht abgeschaltet sehen möchte.

So emotionslos Robot auch wirkt, so gefühlsbeladen agiert er in Zusammenarbeit mit Frank Langella. Der alte Mann und die Maschine, eine glänzende Vorstellung Langellas, der zwischen Senilität und neugefundenem Lebensmut spielt, ganz nebenbei noch einen Roboter zum Menschen macht und damit einfach verzaubert.

Denis Sasse

“Robot & Frank“

Originaltitel: Robot & Frank
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 89 Minuten
Regie: Jake Schreier
Darsteller: Frank Langella, Peter Sarsgaard, James Marsden, Liv Tyler, Susan Sarandon, Jeremy Strong

Deutschlandstart: 25. Oktober 2012
Offizielle Homepage: robotundfrank.senator.de